Tief Luft holen für die Lorbeeren - Finale beim Aeolus-Wettbewerb in Düsseldorf


(nmz) -
Zunehmende Konkurrenz treibt die junge Musikergeneration zu immer neuen Höhenflügen. Aber Interesse und Ehrgeiz junger Musiker steigen mit, wenn und weil Preise und Förderungsangebot einen Wettbewerb attraktiv machen. Doch die Lorbeeren hängen hier beim Internationalen Aeolus-Bläserwettbewerb hoch; denn die künstlerische Erwartungen messen die sieben bestellten Experten europäischer Provenienz zweifellos an ihren eigenen Ansprüchen.
03.10.2008 - Von Eckart Rohlfs

Kein Wunder, wenn von über 200 Anmeldungen aus 35 Nationen schließlich doch nur 50 in den Ring steigen, um sich dann in drei Durchgängen anhand sorgfältig ausgewählter Konzertliteratur streng bewerten zu lassen. Denn der Hacken dieses Concours musical ist, dass schlussendlich die ausgemachten drei Besten jedes Faches im Finale, öffentlich ausgetragen in der Düsseldorfer Tonhalle, als Solisten gegeneinander konkurrieren,  diesmal Flöte und Oboe mit je einem Mozartkonzert, Posaune  mit dem Concerto von Tomasi. Doch die Präsentation litt ein wenig unter dem diesmal etwas lieb- und lustlosen Accompaniment der Düsseldorfer Symphoniker unter Martin Fratz, bei denen sich die drei Solisten nicht so ganz glückvoll gefühlt zu haben scheinen.

Dass der einzige 1. Preis dem gerade 21jährige griechischen Posaunevirtuosen Angelos Kritikos zugesprochen wurde, überraschte wohl einen Teil der Zuhörer. Denn deren Mehrheit sprach den Publikumspreis nicht ihm, sondern der charmanten  Oboistin Timea Megyesi (23) aus Budapest zu, während das Juryurteil ihr gerade den 3. Platz gönnte. Neben der zweiten Preisträgerin, der aus Argentinien stammenden und in Basel studierenden Flötistin Maria Cecilia Munoz (26), verlangte noch eine weitere junge Flötistin Aufmerksamkeit: Mit ihrem Solo „Debla“ von Cristóbal Halffter verdiente sich die in Basel gaststudierende Barbara Kortmann (23) aus München den Sonderpreis für die beste Interpretation zeitgenössischer Musik. Die ausgesetzten 30.000 € Geldpreise, einzeln vergeben zwischen 2.000 und 10.000 €,  verstehen sich als Ansporn zu überdurchschnittlicher Leistung, einbezogen ein Anschluss-Bonus von 3.000 € für weitere garantierte Konzerte. Dass ein solches Förder-Konzept ankommt, mag man dem überraschenden Auftritt letztjähriger Preisträger entnehmen, die mit einem extra komponierten Bläsertrio dem Aeolus-Stifter, dem Bankier Sieghardt Rometsch zu seinem gleichzeitigen 70. Geburtstag zu gratulieren und zu danken verstanden (s.a. in NMZ 10/2007, S. 6).

Die nunmehr zurückliegenden ersten drei Jahre des Internationalen Aeolus-Wettbewerbes haben sich in Kooperation mit der Düsseldorfer Musikhochschule und dem Deutschlandfunk (Sendung am 12. Oktober, 21 Uhr) als ein am Platz Deutschland anspruchsvolles Willkommen für die aufstrebende Bläser-Riege erwiesen. Auch die Warte- und Bewährungszeit dürfte nun erfüllt sein, um als weiteres Wettbewerbsangebot für alle Bläser in die Weltföderation internationaler Musikwettbewerbe aufgenommen zu werden. Denn die Triennale setzt sich fort, im Aeolus-Wettbewerb 2009 sind Fagott, Klarinette, Saxophon dran, 2010 Trompete, Tuba, Posaune. Dann bleiben für 2011 Flöte, Oboe und Horn.

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