Unübersehbar #27 – nmz-Streaming-Empfehlungen vom 12.11. bis zum 19.11.2020


(nmz) -
Ein Asteroid namens Beethoven kann nicht warten. Deshalb schon heute unsere frischen Streaming-Tipps für die kommenden Tage. Den musikalischen Planeten Erde erkunden kulturübergreifend das Ensemble Modern, die Musikfesttage KlangART Vision und die Internationalen Tage Jüdischer Musik; nach Wien locken die Staatsoper und das Festival Wien Modern. Das Internet als Planetarium.


12. November


Zeiss-Großplanetarium Berlin: Ein Asteroid namens Beethoven
Donnerstag, 12.11.2020, 20:00 Uhr; Livestream via YouTube

Das ist ja mal was anderes. Die Ankündigung alles andere als leise, obwohl es im Vakuum sehr schwer ist, Schall zu transportieren. Wissens- und Klangtransport in galaktischen Dimensionen sind aber Thema im Jahr des runden Geburtstags des Musiktitanen Ludwig van. Also: „Zwischen den Bahnen von Mars und Jupiter liegt der im Durchmesser etwa 30 Kilometer große Asteroid namens ‚Beethoven‘. Warum werden Asteroiden nach prominenten Persönlichkeiten benannt? Wo befindet sich der Asteroid ‚Beethoven‘? Und wie sieht so ein Asteroid aus? Reisen Sie mit Kristin Linde (Astronomie) und Arno Lücker (Musik) ins Weltall und zugleich in den Kosmos Beethovens, in dem Sie erstmals verständlich erklärt erfahren, was an Beethovens Musik eigentlich so großartig ist! Der international bekannte Geiger Sergey Malov wird zwei äußerst virtuose Beethoven-Violinsonaten (op. 12/1 und op. 30/2) live zum Besten geben, begleitet von Arno Lücker am Klavier.“
Eine Veranstaltung live aus dem Planetariumssaal des Zeiss-Großplanetariums Berlin. 90 Minuten Dauer sind angesetzt, um Spenden wird gebeten.
[Martin Hufner]


13. November


Ensemble Modern: Afro-Modernism in Contemporary Music
Freitag, 13.11.2020, 18:00–24:00 Uhr
Video on demand auf der Ensemblewebseite

An diesem Freitag hätte das Ensemble Modern eigentlich ihr Konzert „Afro-Modernism in Contemporary Music in der Alten Oper“ gegeben. Im Bewusstsein der derzeitigen Abwesenheit von Composers of Color auf den europäischen Spielplänen hat das Frankfurter Ensemble den Komponisten und Posaunisten George E. Lewis, der auch an der New Yorker Columbia University lehrt, als Kurator für dieses Projekt gewonnen. Unter der Leitung von Vimbayi Kaziboni sindn sechs Ur- bzw. deutsche Erstaufführungen zu hören. Zu den ausgewählten Komponistinnen und Komponisten gehören Alvin Singleton (USA), Tania León (Kuba), Daniel Kidane (UK), Andile Khumalo (Südafrika), Hannah Kendall (UK) und Jessie Cox (Schweiz). Da bereits die Premiere am 7. November in Essen nicht stattfinden konnte, wurde das Konzert als Livestream aufgeführt. Diese Aufzeichnung wird nun erneut online verfügbar gemacht.
Ein begleitendes Symposium mit den Komponist*innen, George E. Lewis, weiteren Expert*innen und Mitgliedern des Ensemble Modern findet am 12. November 2020 von 12:00 bis 20:30 Uhr in Frankfurt statt und wird ebenfalls live gestreamt und steht auch im Anschluss zum Abruf zur Verfügung. Das Symposium findet ausschließlich auf Englisch statt.
[Juana Zimmermann]


13./18./19. November


Wien Modern
Freitag, 13.11.2020, 21:00 Uhr; Mittwoch, 18.11.2020, 20:00 Uhr; Donnerstag, 19.11.2020, 19:30 Uhr
Live-Streams und Videos on demand auf der Festivalwebseite

Der neuerliche Lockdown traf Wien Modern mitten im laufenden Betrieb. Umso erfreulicher, dass die Verantwortlichen von Österreichs bedeutendstem Festival für zeitgenössische Musik weit über die Hälfte des verbliebenen Programms retten konnten und nun über Rundfunk und/oder kostenlosen Stream im Festivalzeitraum zugänglich machen, nur rund 20 Prozent der angekündigten Veranstaltungen mussten ersatzlos verschoben oder gestrichen werden. Im hier relevanten Zeitraum beanspruchen drei Programm-Highlights besondere Aufmerksamkeit, die über die hauseigene Website live gesendet werden:
Am 13.11. (21:00 Uhr) spielt das Londoner Riot Ensemble unter dem Motto „Fast Darkness“ ein hochinteressantes Programm mit Stücken von Ann Clear, Clara Iannotta und Chaya Czernowin, darunter zwei Uraufführungen. Während das Londoner Ensemble aufgrund der Einreisebestimmungen im heimischen Kings Place agiert, wird Solist Gareth Davies (Bassklarinette) aus den Niederlanden zugeschaltet.
Das Klangforum Wien spielt am 18.11. (20:00 Uhr) ein Konzert mit Stücken von Joanna Bailie, Johannes Kalitzke, Friedrich Cerha und Matthias Kranebitter, dessen „Encyclopedia of pitch and deviation“ (UA) mit dem Erste Bank Kompositionspreis bedacht wurde und Kranebitters Ästhetik einer „Rekontextualisierung des Vorhandenen“ fortschreibt.
Am 19.11. (19:30 Uhr) gibt es aus dem Stephansdom die Uraufführung von Klaus Langs abendfüllendem Orgelkonzert „tönendes licht“ für Orgel und räumlich verteiltes Orchester, das Bezug nehmen will auf das künstlerische Denken der Gotik und „architektonischen Raum und Klangraum“ interagieren lässt. Es spielen die Wiener Symphonikern unter Peter Rundel, mit Wolfgang Kogert und dem Komponisten an der Orgel.
[Dirk Wieschollek]


14. bis 16. November


Staatsoper Wien: „Manon“ (Massenet) – „Ariadne auf Naxos“ (Strauss) – „Anna Bolena“ (Donizetti)
Samstag, 14.11.2020, 19:00 Uhr: „Manon“ (Massenet); Sonntag, 15.11.2020, 19:00 Uhr:  „Ariadne auf Naxos“ (Strauss); Montag, 16.11.2020, 19:00 Uhr: „Anna Bolena“ (Donizetti)
Videostreams on demand, jeweils 24 h verfügbar unter play.wiener-staatsoper.at

Die „richtigen“ Museen haben im zweiten Lockdown ihre Pforten wieder geschlossen. Die digitalen Opern-Museen dagegen öffnen wieder. Mehr oder weniger gut vorbereitet. Die Hoffnung, dass das Streamen der Ausnahmefall bleiben würde, war wohl etwas verfrüht. Opernhäuser wie München können immerhin mit ihrer neuesten Inszenierung ins Netz-Exil zurückkehren. Die Staatsoper in Wien (gerade noch im Schock des jüngsten Attentats) kehrt vorerst für den November wieder zu seinem täglichen Streaming-Programm  zurück. Diese Angebote stehen – so vermeldet die Homepage der Staatsoper – nicht nur in Österreich, sondern auch international kostenlos auf der Webseite play.wiener-staatsoper.at zur Verfügung. (Wer schon einen Account besitzt, kann sich bei play.wiener-staatsoper.at/login einloggen. Wer diesen Zugang noch nicht hat, muss sich nur über  play.wiener-staatsoper.at/register registrieren.) Die Übertragungen sind jeweils ab 19.00 für 24 Stunden abrufbar. Wohl dem Haus, das über ein gut bestücktes Archiv mit Video-Mitschnitten verfügt!
Im Falle des größten Wiener Opernhauses schließt das als besonderes Schmankerl auf jeden Fall die (Wieder-)Begegnung mit vielen Gesangs- und Pult-Stars der Branche ein. Und das ohne Gedränge um die Karten oder irgendeinen Zuschlag. Man mag über die Qualität bzw. Modernität der Inszenierungen durchaus unterschiedlicher Meinung sein. Aber man kann eben viele der amtierenden oder bereits legendären Protagonisten in einem Livemitschnitt erleben.
Etwa am kommenden Wochenende: da gibt es am Samstag, (14.11.) einen Mitschnitt einer Vorstellung vom 9. Juni 2019 von Jules Massenets „Manon“. In der Inszenierung von Anrej Serban sind  u.a. Juan Diego Flórez und Adrian Eröd zu erleben. Am Sonntag (15.11) folgt der Mitschnitt einer „Ariadne auf Naxos“-Vorstellung vom Oktober 2014. Mit dem Strauss-Spezialisten Christian Thielemann am Pult. In der Inszenierung von Sven-Eric Bechtolf wird es nicht nur eine Wiederbegegnung mit dem inzwischen verstorbenen Ausnahmetenor Johan Botha geben, sondern auch mit dem ebenfalls verstorbenen Burgstar Peter Matić.
Am Montag (16.11) schließlich ein Gipfeltreffen, bei dem die Inszenierung drumherum fast schon egal ist. Es ist ein Mitschnitt von  Gaetano Donizettis „Anna Bolena“, bei dem Anna Netrebko und Elīna Garanča aufeinandertreffen. Bei der Premiere war es diese Spitzenbesetzung, die für einen Hype der Inszenierung von Eric Génovèse sorgte.    
Solange eine Opernreise nach Wien nichts bringt, lohnt sich jedenfalls ab Dienstag auch der regelmäßige Blick auf die Homepage der Wiener Staatsoper.
[Joachim Lange]


14. und 20. November


Musikfesttage KlangART Vision Sachsen-Anhalt
Samstag 14.11.2020, 18:00 und 22:00 Uhr; Freitag, 20.11.2020, 19:30 Uhr
Live-Streams und Videos on demand auf der Festivalwebseite

Die Musikfesttage KlangART Vision Sachsen-Anhalt hätten parallel zum Impuls-Festival mit zum Teil identischen Mitwirkenden stattfinden sollen und erklingen jetzt zwangsläufig im Netz. Die Konzerte mit dem aus San Francisco übertragenen Kronos Quartet und aus dem Theater Dessau folgen auf Beiträge aus Halle und Magdeburg. Am 16. November 2020 /16.00 Uhr diskutieren Markus L. Frank (Generalmusikdirektor der Anhaltischen Philharmonie Dessau), David Harrington (Kronos Quartet) und Michael Wendeberg (Chefdirigent der Oper Halle) im Livestream über künstlerische Verantwortung und Möglichkeiten in der Pandemie. Mediales Zentrum von KlangART Vision sind die International Academy of Media and Arts Halle (IAMA) und der Offene Kanal Magdeburg.
Das Kronos Quartet kommentiert in seinem Konzert am 14. November mit musikalischen Mitteln einen Satz des amerikanischen Präsidenten a. D. Donald Trump: „Wir schreiben Sinfonien“ sagte dieser 2017 in Warschau und meinte die kulturelle Überlegenheit des Westens vor den Völkern des Nahen Ostens. Als affirmativer Gegenstandpunkt suchte das Kronos Quartet kurze Stücke aus, die Material aus diversen Ethnien aufgreifen. Das Abschlusskonzert von KlangART Vision aus Dessau stellt Aam 20. November mit Aly Keïta (Balafon) und Tutipsy (Gesang) afrikanische Stücke sowie ein durch die Musik dieses Kontinents inspiriertes Opus von Darius Milhaud vor.
[Roland H. Dippel]


16. bis 22. November


Internationale Tage Jüdischer Musik
Live-Videostreams via YouTube und über die Festivalwebseite

Die 3. Internationalen Tage Jüdischer Musik gehen vom 16. bis 22. November ins Netz und wollen damit „ein Statement gegen Antisemitismus setzen und einen Auftakt zum Festjahr 2021 ‚1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland‘ feiern“, so die Ankündigung. Hervorgegangen aus den Synagogenrundfahrten des Usedomer Musikfestivals, die seit 2009 jüdisches Leben in Mecklenburg-Vorpommern entdecken, bringt das Festival in diesem Jahr erstmals bundesweit Synagogen und jüdische Gemeindehäuser zum Klingen. Unter dem Motto „Gemeinsamer Aufbruch“ treten in Berlin, Köln, Würzburg und im mecklenburgischen Stavenhagen unter anderen die Diseuse Sandra Kreisler, der Cellist David Geringas, der Pianist und Experte für jüdische Musik Jascha Nemtsov, die Sängerin Nitsan Bernstein, der Journalist Dirk Schümer, der Rabbiner Yechiel Brukner und das Ensemble Else auf.
[Juan Martin Koch]

Mit freundlicher Unterstützung der

ernst von siemens musikstiftung

 

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