Unübersehbar #42 – nmz-Streaming-Empfehlungen vom 5.3. bis zum 11.3.2021


(nmz) -
Wie zwischen „Skylla und Charybdis“ navigierend dürften sich die Teilnehmer*innen der jüngsten Bund-Länder-Sitzung gefühlt haben. Herausgekommen sind zarte Wiederöffnungsperspektiven, deren hoffentlich nicht sirenenhaft tückische Halbwertszeit sich noch erweisen muss. Derweil erkunden Veranstalter*innen weiterhin unübersehbar die Möglichkeiten der Netzkultur. Also raus mit dem Wachs, Odysseus, lass die Ohren knacken! [jmk]


6. März


Münchner Gasteig: Graham Waterhouse & Ensemble – Kammermusik-Werke aus der neuen CD „Skylla und Charybdis“
Samstag, 6.3.2021, 19:00 Uhr (Zugang ab 18:50 Uhr)
Live-Videostream via YouTube

CD-Release-Shows sind natürlich aktuell auch nicht so ganz einfach. Jedenfalls vor und mit Publikum. Auf dem Programm dieses Streams aus dem Münchner Gasteig stehen allein Kompositionen von Graham Waterhouse. Darunter eine Uraufführung, die an Beethoven angelehnt ist: 11 Neue Bagatellen nach op. 119 für Streichquartett, „ein später Beitrag zum Beethoven-Jahr“, wie der Veranstalter notiert. Das Klavierquartett „Skylla und Charybdis“ soll das Schlüsselwerk des Abends sein und ist gleichzeitig Titel der neuen, bei FARAO classics erschienenen, CD. Zu hören und zu sehen als kostenloses Livestream-Konzert aus dem Kleinen Konzertsaal im Münchner Gasteig.
[Martin Hufner]

Opernfestspiele Heidenheim: Mozart-Operngala
Samstag, 6.3.2021, 19.00 Uhr
Live-Videostream via IDAGIO, Infos auf der Festivalwebseite

Die Opernfestspiele Heidenheim sind gut etabliert. Seit den Siebziger Jahren auf Wachstumskurs. Mit überdachter Rittersaalruine im Schloss Hellenstein als originellem Zentrum, samt Ausweichmöglichkeiten im Congress Centrum und im Konzerthaus der baden-württembergischen 50.000-Einwohnerstadt. Seit 2009 unter künstlerischer Leitung des in Heidenheim geborenen Dirigenten Markus Bosch. Bei den Opern dominieren Mozart, Verdi, Weber. Aber auch mal Donizetti, Bizet, 2017 sogar mal Wagner (Fliegender Holländer). 2019 gab es Pique Dame (Tschaikowski) und Ernani (Verdi), 2020 gab es die Corona-Komplettabsage.
Eigentlich war für dieses Jahr (als Winteroper) eine halb-szenische „Zauberflöte“ in Kooperation mit der Hochschule für Musik und Theater München geplant. Stattdessen werden sich die Opernfestspiele am 6. März um 19.00 Uhr mit einer Mozart-Gala im Livestream digital zurück melden. Präsentiert wird diese Gala auf der Streaming-Plattform für klassische Musik IDAGIO, wobei das Publikum selbst den Preis zwischen €9,90 und €50,00 festlegen kann.
Unter Leitung von Marcus Bosch wird die Cappella Aquileia Schmankerln aus „Die Zauberflöte“, „Die Entführung aus dem Serail“, „Idomeneo“, „Figaros Hochzeit“ und „Così fan tutte“ bieten. Mit dabei sind Sopranistinnen-Jungstar Miriam Kutrowatz, (Pamina / Elettra / Konstanze u.a.) und ihre Stimmfachkollegin Anna-Lena Elbert, (Königin der Nacht / Blondchen), Tenor Magnus Dietrich, (Tamino / Belmonte), der aus Heidenheim stammende Bariton Florian Götz, (Papageno / Pedrillo) und der Bass und Festspielliebling Randall Jakobsh, (Sarastro / Osmin) sowie der Chor VOKALWERK OH
Für die Teilnehmer der Gala gilt ein striktes Hygienekonzept inklusive Testung, so dass ein weitgehend „normaler“ Aufführungsablauf möglich ist, wenn man davon absieht, dass das Publikum vor die Bildschirme verbannt ist.
[Joachim Lange]

Internationale Bachakadademie Stuttgart: Joseph Haydn – La Passione, Stabat Mater
Ab Samstag, 6.3.2021
Video on demand auf dem YouTube-Kanal der Bachakademie

Als Nachfolger Helmuth Rillings setzt Hans-Christoph Rademann dessen Arbeit als Interpret und Leiter der Internationalen Bachakademie fort. Aber die Gaechinger Cantorey kann weitaus mehr als Bach, dessen 336. Geburtstag sie am 21. März mit einer Aufführung seiner h-Moll-Messe im traditionellen Geburtstagskonzert als Kooperation mit dem Bach-Archiv Leipzig feiern wird. Neben Werken des Thomaskantors ist Joseph Haydn eine Säule im Konzertplan des Ensembles. In diesem ursprünglich physisch vorgesehenem Konzert erklingen Joseph Haydns Sinfonie f-Moll Hob. I:49 „La Passione“ und sein Stabat Mater. Mit dem ersten für Fürst Esterházy in Eisenstadt komponierten Kirchenwerk begründete Haydn 1767 seinen Ruf als führender Vokalkomponist seiner Zeit im Donauraum. Die Solistenpartien werden gesungen von Sarah Wegener (Sopran), Julia Böhme (Alt), Patrick Grahl (Tenor) und Andreas Scheibner (Bass). Zur Deckung der Produktionskosten und zur Unterstützung der freischaffenden Musikerinnen und Musiker bittet die Bachakademie um eine Spende.
[Roland H. Dippel]


8. März


Radialsystem: Trio Catch – Ohrknacker – Tomi Räisänen
Montag, 8.3.2021, 19:00 Uhr
Live-Videostream via www.radialsystem.de; Anmeldung: https://anmeldungradialsystem.reservix.de/p/reservix/event/1651318

Seit 2016 betreibt das Trio Catch mit viel Herzblut seine „Ohrknacker“-Reihe, die als Mischung aus Kammerkonzert und musikalischem Vermittlungsprojekt zeitgenössische Komponist*innen mit einem eigens für das Trio geschriebenen Werk porträtiert. Das Besondere: Die jeweiligen Kompositionen werden zweimal gespielt und das Publikum kann unmittelbar mit den Musikerinnen und beteiligten Komponist*innen ins Gespräch über das jeweilige Stück kommen.
Am 8. März werden im Livestream die Ohren geöffnet für den finnischen Komponisten Tomi Räisänen. Sein aktuelles Stück „@ch“ (2020) widmet sich in den vier Sätzen „Hatch“ (Schlüpfen), „Match“ (Zusammenpassen), „Mismatch“ (Diskrepanz), „Scratch“ (Kratzen) verspielt und klangfreudig quasi musikalischen Grundbefindlichkeiten. Eine Hommage ans Musikmachen, die den Auftraggeberinnen Boglárka Pecze (Klarinette), Eva Boesch (Violoncello) und Sun-Young Nam (Klavier) reichlich Gelegenheit bietet, ihre Trümpfe auszuspielen.
Um am Online-Gespräch teilzunehmen, ist vorherige Anmeldung erforderlich. Der „Eintritt“ ist frei! Weitere Ohrknacker-Termine im Radialsystem am 19.3. (Irene Galindo Quero) und 19.4. (Sara Glojnaric).
[Dirk Wieschollek]

Mehr als Kinder – Küche – Kirche: 200 Jahre Kompositionen starker Frauen
Ab Montag, 8.3.2021, 19:30 Uhr, danach drei Wochen, bis 29.3.2021 verfügbar
Video on demand auf der Ensemblewebseite

Nach wie vor sind nur 1,9 % der in Abo-Reihen klassischer Musik gespielten Kompositionen von Frauen. Es werden nur 4 von 130 deutschen Berufsorchestern von Frauen dirigiert. Nur 18 % der deutschen Musikverbände werden von Frauen geleitet.  Anhand der Lebensgeschichten verschiedener Komponistinnen macht das Programm „Mehr als Kinder, Küche, Kirche! – 200 Jahre Kompositionen starker Frauen“ die bis heute bestehende Ungerechtigkeit in der Klassik sichtbar. Zum Weltfrauentag 2021 spielen das Kammerensemble Konsonanz und Pianist Albert Lau Kompositionen von Fanny Hensel, Sofia Gubaidulina, Ethel Smyth, Luise Adolpha Le Beau, Amy Beach, Lili Boulanger und Ilgin Ülkü.
Umrahmt wird die Musik mit Gesprächen zur aktuellen Repräsentanz von Frauen in der Klassik, u.a. mit der Dirigentin Melissa Panlasigui, Prof. Dr. Freia Hoffmann, Mitbegründerin des Zentrums für interdisziplinäre Frauen und Geschlechterforschung an der Universität Oldenburg und des Sophie Drinker Instituts in Bremen, Prof. Siegrid Ernst, Mitbegründerin des Internationalen Arbeitskreises „Frau und Musik“, und Komponistin und Konsonanz-Musikerin Ilgin Ülkü.
[Juana Zimmermann]


9. März


Kölner Stadtgarten: Anette von Eichels „Inner Tide“ – live
Dienstag, 9.3.2021, 20:00 Uhr
Live-Videostream auf der Webseite des Kölner Stadtgarten

Anette von Eichels neues Album „Inner Tide“ sprüht vor wild poetischem Akustikjazz, sagt die Website-Information. Wer will und Zugang hat, kann sich vorab zum Beispiel über Spotify oder einen anderen Streaming-Dienst ein eigenes Hörbild machen. Im Stadtgarten Köln geht es Anette von Eichel sicher noch wilder zu. Dafür hat sie sich die Mitmusiker Sebastian Sternal am Klavier, Henning Sieverts am Bass, Jonas Burgwinkel am Schlagzeug und auf ein paar Nummern Jasper Blom aus den Niederlanden am Tenorsaxophon ausgesucht. Das kann nur im genau richtigen Sinne schief gehen.
[Martin Hufner]


Bis auf weiteres verfügbar


Klangwerkstatt Berlin: Online-Festival
Videos on demand via YouTube

Vom 6. bis 15. November 2020 sollte eigentlich das 30-jährige Jubiläum der Klangwerkstatt Berlin begangen werden. Schließlich wurden alle Veranstaltungen als Videos produziert und sind nun als YouTube-Premieren erschienen. Präsentiert werden 18 Konzerte, viele Interviews mit beteiligten Künstlern und eine Dokumentation des Kompositionsworkshops für Jugendliche. Die ursprünglich für das Kunstquartier Bethanien Berlin geplante Ausstellung „Musikalische Partizipation. Einblicke in 30 Jahre Klangwerkstatt Berlin“  ist mit Texten, Photos, Partituren und Videos als große Online-Schau zu sehen und zu hören. In einer Mischung aus physischen Anwesenheiten und Videokonferenzen fand der Kompositionsworkshops für Jugendliche mit Gordon Kampe, Elnaz Seyedi und dem Ensemble LUX:NM statt. Darüber erscheint eine ausführliche Dokumentation.
Es spielen: Ensemble KNM Berlin & KNM campus ensemble, Ana Maria Rodriguez & Michael Weilacher, progress – das festivalensemble, Ensemble Refexion K, Ensemble Apparat & Klaus Lang, ensemble mosaik, Ensemble JungeMusik, Musiktheaterprojekt Ulrike Arzet & Daniella Strasfogel, Akkordeonduo Susanne Stock & Felix Kroll, Kreuzberger Klarinettenkollektiv, Ensemble LUX:NM, Freie Jugendorchesterschule Berlin, Kinder- und Jugendensemble Experimentierfalten, Ensemble Compas. Kompositionsworkshop mit Elnaz Seyedi und Gordon Kampe.
[Juan Martin Koch]

Mit freundlicher Unterstützung der

ernst von siemens musikstiftung

 

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