Als Ende August vermeldet wurde, dass die Country-Ikone Dolly Parton im Alter von 80 gestorben sei, erklang auf allen Känälen, vom Radio bis zu den sozialen Medien, ihr Lied, das in der Interpretation von Whitney Houston 1993 zum Welthit wurde: „I Will Always Love You“. Und natürlich durfte auch „Jolene“ nicht fehlen. Was viele nicht wussten, beide Songs stammten von der LP „Jolene“ von 1974. Während „Jolene“ sehr schnell zum Country-Klassiker wurde, wurde der andere Song damals bei uns kaum beachtet.
Wie die Königin einmal den „King“ abwies
Den Namen Dolly Parton habe ich zum ersten Mal 1972 gehört. Als Autorin wurde sie da auf Ö3 genannt. Damals war gerade das Comeback-Album von Nancy Sinatra & Lee Hazlewood erschienen und beide hatten dafür einen melodramatischen Song von Parton ausgewählt, den sie in ein bewegendes Duett verwandelt haben: „Down From Dover“. Ein herzzerreißendes Lied über eine unverheiratete schwangere Frau, die vergeblich auf die Rückkehr ihres Liebhabers wartet. Das düstere Lied war das Gegenstück zu dem anderen großen enigmatischen Song, den sie bereits Mitte der sechziger Jahre geschrieben hatte: „The Bridge“. „Just Because I’m A Woman“ hieß das dazugehörige Soloalbum, das sie 1968 veröffentlichte, als sie bereits die „bessere Hälfte“ des erfolgreichen Country-Duos Porter Wagoner & Dolly Parton war.
I Will Always Love You
1974 trennte sich das Duo. Als „Farewell“-Song schrieb sie „I Will Always Love You“. Als sie hörte, dass Elvis Presley ihren Song aufnehmen wolle, war sie begeistert. Ausgerechnet der „King“, ihr großes Idol wollte ihr Lied singen. Tatsächlich meldete sich bald sein Manager „Colonel“ Parker bei ihr und machte ihr ein Angebot, das sie nicht aussschlagen konnte, wie er meinte. Ja, Elvis wollte den Song aufnehmen, aber selbstverständlich nur, wenn er die Hälfte der Tantiemen erhalten würde, wie es beim „King“ so üblich sei. Der „Colonel“ scheint noch das Bild der „Dumb Blonde“ vor seinen Augen gehabt zu haben. Dolly Parton hat später erzählt, es hätte ihr das Herz gebrochen. Aber sie blieb hart. Ihre Songs seien ihre Babys und sie lehnte das „unmoralische Angebot“ des „Kings“ ab. Eine weise Entscheidung, wie sich später herausstellen sollte. So flossen später die ganzen Tantiemen des „Bodyguard“-Songs an sie allein.
Viertes von zwölf Kindern
Dolly Rebecca Parton wurde 1946 als viertes von zwölf Kindern in Pittman Center, Tennessee geboren. Ihre Jugend verbrachte sie vor allem in den Smoky Mountains. Im Alter von sieben Jahren begann sie mit dem Gitarrespielen. Ihr Onkel Bill Owens wurde damals ihr großer Mentor, der ihr auch das Schreiben von Songs beibrachte. Im Alter von 13 schrieb sie gemeinsam mit ihrem Onkel ihren ersten kleinen Hit: „Puppy Love“. Bald zog es sie in das Mekka der Country-Musik: Nashville. Wie Willie Nelson begann sie dort als Songwriter bevor sie mit dem selbstironischen Song „Dumb Blonde“ einen ersten großen eigenen Hit landen konnte. Auf zwei ihrer zwei schönsten Alben aus den frühen Siebzigern hat sie sich an ihre Anfänge erinnert, an ihre ärmliche Jugend in „Coat Of Many Colors“ und in „My Tennessee Home“ an ihre frühen Jahre in Nashville, als sie ihrer Mutter sehnsüchtige Briefe in die Heimat schrieb.
Crossover-Star
Ab 1977 wurde Dolly Parton – wie drei Jahrzehnte später Taylor Swift! – zum Crossover-Star, zur Pop-Ikone. Sie begann, bis zur Selbstparodie mit ihrem Image als vollbusige „Dumb Blonde“ zu spielen. Und so wurde sie bald zum „Vorbild“ für Dragqueens in der ganzen Welt. Die queere Community verehrte sie. Aus dieser Zeit ist ihr berühmter selbstironischer Spruch überliefert: „Es kostet viel Geld, so billig auszusehen“. Ab 1980 begann ihre zweite Karriere als Schauspielerin. Für „9 To 5“ schrieb sie auch den Titelsong, der zum Pophit wurde. In der Musical-Verfilmung „The Best Little Whorehouse in Texas“ glänzte sie an der Seite von Burt Reynolds. Und in „Steel Magnolias“ spielte sie an der Seite von Sally Field, Shirley MacLaine und Julia Roberts. In jenen Jahren hat sie auch ihren Freizeitpark „Dollywood“ eröffnet. In den neunziger Jahren kehrte sie wieder zu ihren Bluegrass-Wurzeln zurück.
100 Millionen verkaufte Tonträger
Dolly Parton hat im Laufe ihres Lebens 100 Millionen Tonträger verkauft. Als Philantropin hat sie einen Teil ihres Vermögens immer wieder gespendet, Berühmt ist etwa ihre „Imagination Library“, die Kinder auf der ganzen Welt mit Büchern versorgte. Während der COVID-19-Pandemie betätigte sie sich nicht wie so viele unserer Popstars als „Querdenkerin“, sondern spendete der Forschung eine Million Dollar. Dolly Parton starb am 25. August im Alter von 80 Jahren in Nashville.
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