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Alle Artikel kategorisiert unter »Musikgeschichte«

Das Glück der Reprise

15.06.18 (Eleonore Büning) -
Nicht alle Kreativen suchen die Einsamkeit. Nicht alle Künstler sehnen sich nach einer vita contemplativa und ziehen sich zum Denken und Dichten zurück ins Gehäus’, wie der heilige Hieronymus. Der Komponist Dieter Schnebel brauchte Menschen um sich herum. Er war immer unterwegs, bis zum Schluss, man traf ihn in Konzerten und Ausstellungen, auf Festivals und Akademien, im Publikum oder auf dem Podium, sanft, aber streitbar, still, aber stur. Und alleweil angetrieben von der wohl wichtigsten Kraftquelle seines Schaffens: der Neugierde.

Stilbildend bis in unsere Zeit

15.06.18 (Dirk Klose) -
Ungeahnt wie der Blitz aus heiterem Himmel zuweilen niederfährt, so habe er, schreibt der 31-jährige Architekt Paul Otto Brückwald, am 24. April 1872 die Anfrage erhalten, ob er Zeit und Lust habe, das Wagner-Theater in Bayreuth zu bauen. Und kurz darauf trifft vom Meister selbst eine Depesche ein, in der um „gefällige Benachrichtigung“ gebeten wird, „ob Sie unseren Wunsch erfüllen wollen und schnellstmöglichst hierfür eintreten können“. Brückwald glaubte zunächst zu träumen, aber dazu blieb nicht viel Zeit. Einen Monat später wurde der Vertrag unterschrieben; vier Jahre später wurde das Festspielhaus mit der „Götterdämmerung“ eröffnet.

Über die Widersprüche der Zeit

15.06.18 (Bojan Budisavljevic) -
Ohne Frage ist Peter Gülke im deutschen Musikleben eine Ausnahmeerscheinung und, leider, tatsächlich auch eine einmalige: als Dirigent mit einem komplexen Ost-West-Werdegang, als Autor, als gleichermaßen musikhistorischer wie aufführungspraktischer Wiederentdecker gewichtiger Musik von Schubert, Schreker oder Zemlinsky, als Lehrer, als zuletzt mit dem Siemens-Preis Hochgeehrter, der mit 83 Jahren gerade zum wiederholten Mal als Chefdirigent aufs Podest der Brandenburger Symphoniker steigt, um gemeinsam mit einem Orchester aus der so genannten Provinz zu zeigen, wie kultureller Auftrag, künstlerische Qualität und inhaltliches Profil in eins gehen. Letzteres ist ebenso Respekt gebietend wie Gülkes in über vierzig Jahren gewachsene gewaltige Publikationsliste zur, das kann man in seinem Fall getrost sagen: Kunstmusik des Abendlandes. Zu dieser hat er neulich zwei weitere Titel hinzugefügt, zwei, welche die Pole von Peter Gülkes Wirken exakt beschreiben: die Musikwissenschaft und das Dirigieren, Schreiben und Tun. Freilich ist Schreiben auch Tun, und so handelt es sich um zwei Gravitationszentren, die sich ständig beeinflussen und ihre Kräfte potenzieren. Zum Gewinn für Leser wie Hörer.

Buch-Tipps 2018/06

15.06.18 (Michael Wackerbauer) -
Wilhelm Killmayer, hrsg. v. Theresa Henkel/Franzpeter Messmer (Komponisten in Bayern, Bd. 62), Allitera Verlag +++ Das Amt des Hofkapellmeisters um 1800, hrsg. v. Joachim Kremer/Heinrich Schwab, von Bockel Verlag +++ Kammermusik der Gegenwart. Essays, hrsg. v. Frank Hilberg/Harry Vogt, Wolke Verlag, Hofheim

Edvard Grieg - Ein kleiner Mann, der einen ganzen Raum füllen konnte

14.06.18 (dpa, Sigrid Harms) -
Oslo (dpa) - Wenn in Norwegen Edvard Griegs «Norsk dansk Nr 2» ertönt, dann laufen die Kinder wie angepiekst auf die Straße. Denn die berühmte Melodie des größten norwegischen Komponisten ist die Erkennungsmelodie des Eiswagens, der an den Wochenenden durch die Siedlungen fährt. Jeder in Norwegen kann den Ohrwurm mitsummen - ob er will oder nicht. Grieg hätte das sicher gefallen. Denn der kleine Mann mit dem großen Talent wollte immer Musik für das Volk komponieren. Am 15. Juni ist der 175. Geburtstag von Edvard Grieg (1843-1907).

Gegenentwurf mit viel Beethoven

29.05.18 (Georg Beck) -
Es gibt Sätze in diesem Buch, für die man ihren Autor noch im Himmel umarmen möchte. Überhaupt bleibt es ein Rätsel, wie ein 30-Jähriger ein solches Thema angehen, finden, es sich zutrauen konnte. Und zwar buchstäblich (hier kann, in diesem Fall muss man es sagen) – allein gegen eine „Welt von Feinden“.

Der Komponist Dieter Schnebel ist tot

21.05.18 (dpa, Schott Musikverlag) -
Er starb am Sonntag im Alter von 88 Jahren an einem Herzleiden in Berlin, wie sein Sohn Andreas Schnebel der Deutschen Presse-Agentur sagte. Zuerst hatte Deutschlandfunk Kultur über den Tod Schnebels berichtet.

Einblicke in Denkprozesse

17.05.18 (Mathias Nofze) -
„Enseigner librement la recherche en train de se faire“ (Forschung in ihrer Entstehung zu lehren) – das ist das Motto des in Paris ansässigen Collège de France, jener einzigartigen französischen Wissenschaftsinstitution, die sich seit 1530 natur- und geisteswissenschaftlicher Grundlagenforschung widmet. Dem Publikum sollen weniger Ergebnisse präsentiert als vielmehr Einblicke in Denkprozesse gewährt werden.

Geliebte Häuser unter dem Seziermesser

17.05.18 (Wolf-Dieter Peter) -
„Es gibt ein Objekt, an dem kann man die intentionalistische Denkweise von Adolf Hitler durchgängig nachweisen: das ist die Bayerische Staatsoper. Die hat er 1912 dilettantisch genug als 23jähriger erstmals in Öl gemalt – und von da an war die Staatsoper das Institut, an dem er kulturelle Präsenz und Dominanz in Europa und auf der Welt durchziehen wollte – intentionalistisch: von Anfang an geplant und das hat er durchgezogen.“ So umreißt der federführende Theaterwissenschaftler Jürgen Schläder seine zentrale Erkenntnis aus der fast fünfjährigen Team-Arbeit an dem nun erschienenen Band.

Ein richtig Guter

12.05.18 (Andreas Kolb) -
„War ich gut?“ – konnte Cecil Taylor seine Zuhörer nach einem furiosen Solokonzert fragen – ob er wohl darauf hoffte, seine Zuhörer hätten alle verfremdeten und versteckten BluesLicks, Bob-Phrasen und typische Jazz-Harmonien wahrgenommen, die er in seiner Improvisation „versteckt“ hatte? Es war immer alles da, die ganze Jazzgeschichte, aber eben „abstrakt“. Verstanden und bewundert hatte sein Publikum mit Gewissheit seine Performance, seinen Tanz auf der Tastatur, der sich nicht auf die Virtuosität eines Fingersatzes reduzieren ließ: Taylor spielte stets mit seinem gesamten Körper Klavier. Nicht umsonst wurde er immer wieder als Schlagzeuger und Perkussionist am Klavier beschrieben.
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