Unsere Artikel sind vielfältig kategorisiert – nutzen sie z.B. die Auflistung der populärsten Tags in der rechten Seitenleiste, oder besuchen sie die Tag-Seite. Außerdem können sie über Rubriken, Genres und Orte navigieren.

Alle Artikel kategorisiert unter »Szene«

Polyphonie der Zeit, verstörende Tonalität

01.02.06 (Isabel Herzfeld) -

Unter dem Motto „Kairos – Chronos“ lenkt eine Konzertreihe der Akademie der Künste Berlin in Zusammenarbeit mit der Rundfunk Orchester und Chöre GmbH sowie der Kammerakademie Potsdam die Aufmerksamkeit auf eine solche Vielfalt. Eine kluge Auswahl zumeist zeitgenössischer Werke umreißt das Spannungsfeld des subjektiv erlebten, „rechten“ Augenblicks und der „objektiven“, messbaren Zeit.

Unterwegs zu neuen Formen

01.02.06 (Isabel Herzfeld) -

Von jeher waren die Dresdner Tage für zeitgenössische Musik bestrebt, Musik nicht autonom, sondern in Beziehung zu anderen Künsten und thematischen Kontexten zu präsentieren. Musik und Tanz, Musik und Politik, Musik und außereuropäische Kulturen, diese Themen gaben Impulse für die Programmgestaltung und qualifiziert besetzte, aussagekräftige wissenschaftliche Kolloquien. Doch seit Udo Zimmermann den genialen Coup landete, sein Dresdner Zentrum im Festspielkomplex Hellerau anzusiedeln und damit nicht nur zur Rettung dieses einmaligen Bauensembles in seiner Tradition kultureller Nutzung beizutragen, sondern auch seine eigene Institution zu konsolidieren, könnte sich ein durchgängiger Trend weg von der reinen Konzertform, hin zu Visualisierung und Verräumlichung ausbilden. Zum „Europäischen Zentrum der Künste Hellerau“ umbenannt bekennt sich das Dresdner Zentrum für zeitgenössische Musik nun zu einer Einheit von Kunst und Leben, die um 1915 die legendären Rhythmik-Aufführungen von Emile Jaques-Dalcroze in Hellerau geprägt hatte. Raum, Zuschauer und Darsteller verschmolzen in Klang und Bewegung zu einem einzigen Kunstwerk – eine Attraktion für die gesamte damalige kulturelle Elite Europas. „Kunst im öffentlichen Raum“ hieß auch der rote Faden des diesjährigen Programms, der etwa japanischen Butoh-Tanz, Filmmusiken, instrumentale Grenzgänge des Ensemble Aleph, das Kolloquium „Räume der Musik“ und Musiktheaterminiaturen von Manos Tsangaris „für ein Haus“ zusammenspann.

Kuschelkritik

01.02.06 (Max Nyffeler) -

„Es gibt Kollegen, die schreiben Politikern ihre Biografien, tummeln sich auf deren Privatfeten und coachen sie für Wahlkampfauftritte. Und am nächsten Tag tun sie dann in ihren Blättern so, als wären sie unbestechliche Kritiker. Das sollten deutsche Journalisten endlich mal diskutieren.“ Starke Sätze der Fernsehmoderatorin Maybrit Illner über das „Kuscheln mit Politikern“, zitiert nach der Frankfurter Allgemeinen. Recht hat sie, sagt sich da jeder. Zu den journalistischen Grundsätzen gehört doch die kritische Distanz zum Gegenstand, und die Presse darf sich nicht von der Politik ins Schlepptau nehmen lassen!

Die Scheu vor dem Wort

01.02.06 (Reinhard Schulz) -
Nein: Eloquent, beredt, gar aufregend über die eigene Musik zu sprechen, das ist ihre Sache nicht. Die Engländerin Rebecca Saunders, 1967 in London geboren, wirkt da eher eingeschüchtert, still und karg. Ein paar Hinweise an junge Klavierschülerinnen, die zu einem öffentlichen Probengespräch mit ihr zusammengekommen waren, das war fast schon alles. Und diese Hinweise blieben im Wesentlichen auf der Ebene von Anmerkungen wie: „Diese Stelle hätte ich mir etwas prägnanter, heftiger oder verhaltener gewünscht.“ Da erinnerte man sich fast wehmütig an György Kurtág vom letzten Jahr, der es im Grunde auch wie der Teufel das Weihwasser scheut, über seine Musik zu sprechen. Doch aus der Reserve gelockt, hob er an über bloße Kraft im Verhältnis zur Energie in der Musik zu sprechen. Das eine bewirkt leeres Dröhnen, das andere spannt die Nerven wie die Sehne eines Bogens.

Maulwerker und Goldkehlchen

01.02.06 (Rainer Nonnenmann) -

Während Lied- und Chorgesang vor und nach 1945 infolge massiver ideologischer Belastungen als Inbegriff dumpfer musikalischer Reaktion galten, besann sich die junge internationale Nachkriegsavantgarde in den 50er-Jahren auf die Geburt der Musik aus dem Geiste des Gesangs und schuf auf der Grundlage konkreter Sprachlaute und Artikulationsweisen sowie Dank der Unterstützung experimentierfreudiger Ensembles eine neuartige Vokalmusik im schillernden Zwischenbereich von Klang, Affekt, Bedeutung und Sprache, in dem sich die Neue Musik bis heute besonders produktiv zeigt.

Plastizität, Energie, technische Perfektion

01.02.06 (Gerhard Rohde) -

Stuttgarts Musikpublikum kam die Auszeichnung zu, seinem „Hauskomponisten“ Helmut Lachenmann die Konzerte zum Siebzigsten auszurichten. Gefeiert wurde der Komponist schon das ganze Jahr 2005 an vielen Orten des europäischen Musiklebens, aber das präzise Geburtsdatum, der 27. November, war für die Heimatstadt reserviert. Unter den mitwirkenden Gratulanten befand sich auch das Arditti Quartet. Als die Musiker um Irvine Arditti das dritte Streichquartett Lachenmanns beendet hatten, erhob sich im Theaterhaus so etwas wie ein Jubelsturm für die Spieler und für den Komponisten. Nur einer stand ruhig, scheinbar in sich gekehrt auf dem Podium: Rohan de Saram, der Cellist des Quartetts, der mit diesem Auftritt sein letztes Konzert mit den Ardittis absolvierte. Über ein Vierteljahrhundert gehörte der 1939 in Sheffield als Sohn einer Familie aus Sri Lanka geborene Rohan de Saram dem Arditti Quartet an. Nur Gründervater Irvine ist noch fünf Jahre länger bei der 1974 gebildeten Quartettvereinigung. Alle Werke aufzuzählen, die im Laufe der drei Jahrzehnte seither von den Ardittis, also auch von Rohan de Saram, ur- und erstaufgeführt worden sind, würde eine unendlich lange Leporelloliste füllen. „Es gibt kein Streichquartett, das den Ardittis das Wasser reichen kann“ – das sagte einmal kein Geringerer als John Cage. Das Arditti Quartet war lange Zeit hindurch die oberste Instanz in der Avantgardemusik; heute gibt es freilich noch einige andere Instanzen dieser Qualität, zum Glück für die Neue Musik. Rohan de Saram wirkte all die Jahre neben dem sanguinisch determinierten Irvine Arditti und wechselnden Nebensitzern als ruhige Autorität.

Semmelmanns Musica viva

01.02.06 (Redunzl Semmelmann) -

Weißes Licht. Weiße Hitze. Der Winter ist nicht meine Jahreszeit. Sich irgendwelche Bretter unter die Füße schnallen und waghalsig Abhänge hinunterstürzen?

Ein Klanghaus mit großer Geschichte

01.02.06 (kb/mb) -

Die Hochschule für Musik Carl Maria von Weber Dresden kann im Jahr 2006 auf eine 150-jährige wechselvolle Geschichte zurückblicken. Die Studierenden und Lehrkräfte möchten dieses Jubiläumsjahr gemeinsam mit Ehemaligen, mit Partnern aus Kultur und Wirtschaft, mit Gästen und mit ihren Konzertbesuchern würdig feiern.

Visionen für ein „Asiatisches Jahrhundert“

01.02.06 () -

Das Forum Neue Musik ist das Podium, bei dem sich der Deutschlandfunk in seinem Sendesaal in Köln jedes Jahr im März öffentlich als Förderer und Produzent zeitgenössischen Komponierens präsentiert. Stellenwert und Wahrnehmung des Festivals sind im Wachsen. Inhaltlich stand das Forum 2005 unter dem Motto „Identitäten“ und wurde von Iris ter Schiphorst, Sidney Corbett, Ralph van Raat und der Frankfurter Künstlergruppe „Arbeit“ geprägt. 2006 lautet das Thema „Begegnungen FernMittelOst“: Der Blick nach Asien sei heute zwingend, sagt Forums-Leiter Frank Kämpfer. Im Vorfeld sprach Andreas Kolb (nmz) mit dem DLF-Redakteur.

Werkstatt für den Nachwuchs

01.12.05 (Max Nyffeler) -

Das Künstlerhaus Boswil, von dem in der Vergangenheit schon manche Initiativen ausgegangen sind, hat nun mit dem „Ensemble Boswil“ ein besonders interessantes Projekt gestartet. Es besteht aus hoch begabten Studierenden und Absolventen schweizerischer Musikhochschulen und will damit dem Nachwuchs eine Chance zum praktischen Kennenlernen wichtiger Werke der Gegenwartsmusik geben. Gründerin und künstlerische Leiterin ist die Komponistin und Boswiler Stiftungsrätin Bettina Skrzypczak. In Kooperation mit den Musikhochschülern wurden im Frühjahr die Teilnehmer ausgesucht, und im Oktober fand nun die erste Proben- und Konzertphase statt.

Inhalt abgleichen