Abschlussbericht HKSt: Projekt „EMP digital“


(nmz) -
Unter dem Titel „EMP digital“ führte ich ein Projekt mit Unterstützung der Hessischen Kulturstiftung (HKSt) im Zeitraum Oktober 2020 bis April 2021 durch. Gegenstand dieses Projekts war die Untersuchung der Möglichkeiten von digitalem Unterricht der Elementaren Musikpädagogik (EMP) in der Altersgruppe 0-6 Jahre.
Ein Artikel von Britta Wetzler

Ziel des Projekts war es, ein Format für Online-Unterricht im Bereich Elementare Musikpädagogik (EMP) so weit zu entwickeln, dass auch unter Pandemie-Bedingungen ein professionelles musikalisches Bildungsangebot für Kinder von 0 – 6 Jahren kalkuliert und im größeren Maßstab angeboten werden kann. Hintergrund: Pandemie-bedingt musste der Präsenzunterricht der Elementaren Musikpädagogik ausgesetzt werden, denn er findet in Gruppengrößen bis zu ca 12 Kindern statt und schließt sowohl enges Beieinandersitzen als auch viel freie Bewegung, Sprechen und Singen ein.

Im Oktober 2020 klärte ich eine für den Unterricht geeignete Plattform ab (klang­optimiert, DSGVO-konform, einigermaßen ausgereift); ich entschied mich für Doozzoo. Ich machte mich bis Mitte November damit vertraut und nahm ab Ende November den Unterricht auf, zunächst mit jeder Familie einzeln einmal wöchentlich. Ab Januar beteiligten sich auch drei Kinder mit Handicap zusammen mit einem Elternteil. Die durchschnittliche Länge der Unterrichtseinheiten betrug 25-30 Minuten. Mitte Februar waren Unterrichtspraxis und technische Kompetenzen weit genug gediehen, um die Gruppenphase zu beginnen. Wir benötigten mehrere Technik-Checks und wendeten im Anschluss daran das für Online-Konferenzen typische Mikrofonmanagement an, um EMP-Gruppenunterricht einmal pro Woche durchführen zu können. Ende März schloß ich das Projekt ab, denn Format und Kalkulationsparameter waren geklärt: vier Familien, 30-35 Minuten Unterrichtsdauer, ein Termin pro Schulwoche.

Fazit

Einige meiner Erwartungen haben sich erfüllt:
• Alle Fahrtkilomenter entfielen.
• Immungeschwächte Kinder mit Inklusionsbedarf wurden einbezogen.
• Die technische Ausstattung der meisten Familien war ausreichend: Laptop oder Rechner, LAN-Kabel, ggf. zusätzliche Lautsprecher
• Ab Ende April begann der kostenpflichtige online-EMP-Unterricht.
Einige meiner Erwartungen wurden enttäuscht:
• Die Möglichkeiten der digitalen Interaktion sind aktuell eingeschränkt durch das Mikrofonmanagement.
• Das rudimentäre technische Know-how einiger Elternteile stellte eine Hürde dar.
• Die Mitwirkung der Eltern könnte im Bereich Musik intensiver sein.

Überraschungen:
• optimale Unterrichtsdauer von 30 – 35 Minuten auch in der Gruppensituation
• Alle teilnehmenden Familien verfügten über eine üppige instrumentale Ausstattung, unabhängig von Einkommen, Nationalität und Vorkenntnissen.
• Beim gemeinsamen Singen benötigten die Kinder neben unterstreichender Gestik und Mimik weitere Varianten zur Belebung. Ich verwendete dafür ein Liederbuch, Fingerpuppen, Solmisation und elementare Instrumente.
• Die meisten beteiligten Kinder hatten in der digitalen Unterrichtssituation eine deutlich verstärkte Vorliebe für Fingerspiele und Sprechverse.
• Das häusliche Umfeld stellte für Kinder einen massiven Ablenkungsfaktor dar.
• In allen Familien war alleine die Mutter für die musikalische Bildung zuständig.
• Die Familien mit behinderten Kindern konnten sich zu meinem Bedauern nur eine phasenweise musikalische Förderung ihrer Kinder vorstellen wegen starker Therapie-Auslastung.
• Für die Ergänzung meiner eigenen technischen Ausstattung bekam ich etliche leider voneinander differierende Fachmeinungen, so dass die Entscheidung bis zum Projektende nicht ausreifen konnte.

Der ausführliche Erfahrungsbericht kann nachgelesen werden unter http://www.vulkanissimo.de/assets/files/Abschlussbericht-EMP.pdf

 

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