Auf Entdeckungstour im Big Apple

Vorschau auf das 21. Kurt-Weill-Fest in Dessau


(nmz) -
Mit „New York – New York“ erreicht das 21. Kurt-Weill-Fest in Dessau (22.2.– 10.3.2013) die letzte Etappe der an Weills Biographie orientierten Folge Berlin – Paris – New York. In der Programmplanung bleibt Intendant Michael Kaufmann der Linie treu, neben Populärem und Bewährtem immer wieder auf Entdeckungstour zu gehen – zu Weill, aber auch um ihn herum.
Ein Artikel von Andreas Hauff

Die größte Herausforderung für das Festival liegt seit zwei Jahrzehnten darin, neben dem Songwriter Weill auch den Musiktheater-Komponisten Weill zu präsentieren – und zwar jenseits der inzwischen etablierten Trias aus  „Dreigroschenoper“, „Mahagonny“ und „Sieben Todsünden“. Gerade der „amerikanische Weill“ führt auf deutschen Bühnen immer noch ein Schattendasein. Hier geht es in Dessau nun tatsächlich voran: Aus dem szenischen Monumental-Oratorium „Der Weg der Verheißung“,  das 1937 in New York als „The Eternal Road“ seine Uraufführung erlebte, hat der amerikanische Komponist Ed Harsh, Mitglied des New Yorker Common Sense Composers Collective und langjähriger Leiter der Kurt-Weill-Gesamtausgabe, eine spielbare konzertante Fassung destilliert. Sie erlebt unter dem Titel „Die Verheißung“ am Anhaltischen Theater ihre Uraufführung (28.2. und 1.3.). Es singen Solisten und Opernchor des Hauses, es spielt die Anhaltische Philharmonie unter Leitung von GMD Antony Hermus. Der Idee, Weill in den Entwicklungszusammenhang des amerikanischen Musicals zu stellen, folgt die Wiederaufnahme von Leonard Bernsteins „Westside Story“ am Anhaltischen Theater. Christian von Götz’ erfolgreiche Inszenierung ist hier noch einmal am 3. März zu erleben. Wieder aufgenommen wird auch die Vorjahrespremiere „Hotel Montparnasse“ des Ballettensembles (8.3.). Tomasz Kajdankis Choreographie zeichnet hier zu Musik von Weill und George Gershwin ein Emigrantenschicksal zwischen Deutschland, Frankreich und den USA nach. Den Gesangspart der letztjährigen Artist-in-Residence Ute Gfrerer übernimmt Anne Weinkauf. Gfrerer selbst kehrt für ein anderes Projekt nach Dessau zurück. Unter dem Titel „A little Night Music“ präsentiert sie in der Marienkirche einen „Broadway-Abend für Stephen Sondheim“ (2.3.). Begleitet wird sie von der Besetzung des Vorjahres, dem Marie-Galante-Quintett unter Leitung des britischen Dirigenten und Weill-Experten James Holmes.

James Holmes ist Artist-in-Residence 2013. In dieser Funktion tritt er mehrfach in Erscheinung. Am spannendsten in Sachen Weill-Repertoire ist dabei die konzertante Aufführung der seinerzeit sehr erfolgreichen Schuloper „Down in the Valley“ von 1945/48 am 8. und 9. März in der Marienkirche. Mit dem Rückgriff auf US-amerikanische Folklore dokumentiert das Stück die fortschreitende Amerikanisierung des Komponisten. Aus Handlung und Vertonung lässt sich aber  auch ein hintergründiges Plädoyer gegen die Todesstrafe herauslesen. „Down in the Valley“ wird ergänzt durch „Five Songs from Huckleberry Finn“, die einzigen fertiggestellten Bruchstücke von Weills letztem Musical-Projekt, das sich der Komponist als eine „suffusion of melodies“ vorstellte. Die nur im Klavierauszug überlieferten Songs hat James Holmes im Auftrag der New Yorker Kurt Weill Foundation arrangiert. Es spielt das IEMA-Ensemble (ein Nachwuchsprojekt des Ensemble Modern), es singen Preisträger des Lotte-Lenya-Wettbewerbs der Weill Foundation.

Zur Eröffnung des Festivals am 22. Februar dirigiert Holmes ein „Broadway-Galakonzert“, gleichfalls mit Preisträgern der Lotte Lenya Competition. Dazu gastiert erstmals die Deutsche Staatsphilharmonie Rheinland Pfalz. Das Orchester aus der Dessauer Partnerstadt Ludwigshafen begleitet auch ein zweites Programm: Das Ludwigshafener Theater im Pfalzbau präsentiert in der Marienkirche seine Version der „Dreigroschenoper“ mit Kindern und Jugendlichen des Jungen Spiel-Theaters (23.–25.2.). Mit den „Four Walt Whitman Songs“ von 1942/47 bringt das MDR-Sinfonieorchester  eine weitere Weill-Rarität. Auch mit dem Ensemble modern (8. und 9.3.) und dem schwedischen Jazzposaunisten Nils Landgren (2.3.), zwei ehemaligen Artists-in-Residence, gibt es eine Wiederbegegnung. Das Abschlusskonzert unter dem von Weill und Bernstein inspirierten Motto „Kein U und E – just good music!“ bestreiten Chor und Orchester der Staatsoperette Dresden.

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