Bundesakademie Wolfenbüttel in Bewegung

Sinnvolle Kombination von Präsenzveranstaltungen und digitalen Lehr/Lernformen


(nmz) -
In einem Instagram-Post der chinesischen Pianistin Yuja Wang war vor einiger Zeit zu lesen „All creative activity begins with movement“ – ein Zitat des Psychologen Joseph Zinker; darüber ein Foto der chinesischen Ausnahmekünstlerin beim Ausführen einer Yogafigur am Meer. Auf dem Niveau, auf dem Yuja Wang seit vielen Jahren konzertiert, ist Bewegung – im Sinne körperlicher Fitness – ohne Zweifel eine sehr wichtige Voraussetzung. Aber es ist nicht die einzige Form von Bewegung, die in Hinblick auf Kreativität von Bedeutung ist. Mindestens ebenso wichtig – wenn nicht sogar wichtiger – sind Formen „geistiger Bewegung“. Während viele Menschen, die das Glück gehabt haben von den schlimmsten Auswirkungen der Covid-19 Pandemie verschont geblieben zu sein, unverhofft aus dem Strudel beruflichen Alltags herausgefunden und Wege zu einem verlorengeglaubten Körperbewusstsein wiedergefunden haben, sind manch andere Formen kulturellen Bewusstseins auf der Strecke geblieben – eine Tendenz, die sich schon vor dem Ausbruch der Pandemie abgezeichnet hat.
Ein Artikel von nmz

Auf gesellschaftlicher Ebene manifestiert sich diese Tendenz nicht nur in den Medien und in den sozialen Netzwerken. Hierfür lassen sich eine Vielzahl von Erklärungsansätzen finden und sicherlich ist diese Entwicklung nicht ausschließlich darauf zurückzuführen, dass das kulturelle Leben durch die Pandemie vollkommen zum Erliegen gekommen ist. Trotzdem ist davon auszugehen, dass das Fehlen fundamentaler kultureller Betätigungsformen – ganz gleich ob durch aktive oder passive Partizipation – ihren Teil dazu beigetragen hat, denn gerade sie sind es, die unsere geistige Beweglichkeit anregen und fördern und dadurch Räume für die Reflexion gesellschaftlich relevanter Werte bieten. Für den Erhalt dieser Räume muss sich jede Generation von Neuem einsetzen, ihre Voraussetzungen befinden sich in stetigem Wandel.

Inzwischen gibt es berechtigten Anlass zur Hoffnung, dass wir gemeinsam jene Lücken, die durch die Pandemie in unseren Leben entstanden sind, nach und nach wieder werden schließen können. Durch die Wiedereröffnung der Schulen, Hochschulen, Museen, Theater-, Opern- und Konzerthäuser und nicht zuletzt unserer Fort- und Weiterbildungseinrichtungen erhalten wir wieder Zugang zu unseren »geistigen Fitnessstudios«, und somit auch wieder die so wichtigen Gelegenheiten dazu, die Grenzen unseres Denkens und Handelns zu hinterfragen und zu erweitern.

Wenn die Angebote der Akademien langsam wieder in einen regulären Betrieb übergehen, wird es darauf ankommen, die Konzeption ihrer Programmbereiche dahingehend zu prüfen, inwiefern das während der Pandemie gewonnene Wissen und die Erfahrung konstruktiv und gleichermaßen kreativ angewandt und überführt werden kann. Welche Lehren ziehen kulturelle Bildungseinrichtungen aus den Erfahrungen der vergangenen Monate und wie positioniert man sich in Hinblick auf eine Zukunft, die durch digitalen Wandel geprägt sein wird? Im Programmbereich Musik an der Bundesakademie in Wolfenbüttel beginnt im September/Oktober ein neuer Durchlauf der B-Kurse Chorleitung (klassisch und Pop/Jazz). Derzeit steht Roberto Reale, die neue Leitung des Programmbereichs Musik, mit den Dozent_innen in engem Austausch darüber, welche digitalen Methoden und Instrumente dafür geeignet sind, Kursangebote derart umzugestalten, dass auch bei einem erneuten Pandemieausbruch die Durchführung der Kurse weiter gewährleistet ist.

Auch unter der neuen Leitung wird der Programmbereich Musik an der Bundesakademie Wolfenbüttel in Zukunft den Schwerpunkt auf die Begegnungen von Menschen mit anderen Menschen als elementaren Bestandteil kultureller Bildung setzen. Die vergangenen Monate haben aber auch gezeigt, dass sich durch den Einsatz digitaler Tools das Spektrum kultureller Bildung um wichtige Aspekte bereichern lässt und Formen des Lernens gewinnbringend erweitern können. Die sinnvolle Kombination von Präsenzveranstaltungen und digitalen Lehr/Lernformen soll in Zukunft in die Kursangebote des Musikbereichs der Bundesakademie implementiert werden und dadurch unter anderem die Diversität der Teilnehmenden ernst nehmen, für eine erhöhte Reichweite der Angebote sorgen und neue Zielgruppen ansprechen.

Neben den Angeboten im Bereich Chor und Stimme wird der Programmbereich Musik einen Schwerpunkt auf die Beschäftigung mit zeitgenössischer Musik und Musik anderer Kulturen setzen. Mit diesen Impulsen möchten wir den Neustart angehen und hoffen von Herzen, dass sich die Räume aller Akademien bald auch physisch wieder mit Leben füllen. 

Das könnte Sie auch interessieren: