Chance „gesunde musikschule“

Zentrum für Musik, Gesundheit und Prävention (ZMGP) auf Schloss Kapfenburg


(nmz) -
Vor knapp vier Jahren erhielten die ersten Musikschulen das Zertifikat „gesunde musikschule“ durch das Zentrum für Musik, Gesundheit und Prävention (ZMGP). Die Auszeichnung steht für einen körperbewussten und gesundheitsfördernden Musikschulunterricht. Nicht nur die Schüler profitieren von dieser Art der Musikvermittlung.
Ein Artikel von N.N.

Früher oder später kommt ein Kind mit dem Wunsch zu seinen Eltern, ein Instrument spielen zu wollen. Sie entscheiden sich für eine Musikschule, und die ersten Töne auf dem Klavier, der Violine oder der Flöte können erklingen. „Übung macht den Meister“ und vielleicht wird das Kind vom Ehrgeiz gepackt. Aus der anfänglichen Neugier wächst musikalische Leidenschaft, die sogar zum Beruf gemacht werden kann.

Wie auch immer sich ein junger Musiker entscheidet – Berufsmusiker werden oder in der Freizeit musizieren – eine musikalische Ausbildung unter Berücksichtigung der Gesundheit, des Körperbewusstseins und des mentalen Einflusses ermöglicht Freude am Musizieren bis ins hohe Alter. Das Projekt „gesunde musikschule“ bietet nicht nur die Voraussetzungen für das Erlernen eines Instruments, auch geschärfte physiologische und mentale Wahrnehmung werden den Kindern beigebracht. Diese frühzeitig gewonnene Achtsamkeit auf Körper, Geist und Seele wirkt sich später im schulischen und im beruflichen Alltag positiv aus.

Was steckt hinter diesem Projekt „gesunde musikschule“? Mindestens ein Lehrer einer Musikschule wird auf Schloss Kapfenburg in Kooperation mit dem Freiburger Institut für Musikermedizin zum Mentor ausgebildet. Er steht als Ansprechpartner für Musikergesundheit zur Verfügung, um Fragen von Schülern, Eltern oder Lehrern zu beantworten, Hilfestellungen zu leisten und Schulungen des Kollegiums anzubieten. Der Mentor führt instrumentenspezifische Übungen zum Aufwärmen, Entspannen, zur Kräftigung und Koordination mit den Schülern durch und hält diesbezüglich Workshops im Kollegenkreis. Er erkennt, woher beispielsweise eine Verkrampfung kommt und wie sie durch eine variierte Körperhaltung, verbesserte Atmung oder mentales Training gelöst werden kann.

Erwin Nehlich, Mentor der „gesunden musikschule“ Ostfildern, bietet zum Beispiel für die „Jugend musiziert“-Teilnehmer ein Training an. Durch dieses schaffen sie das erhöhte Übungspensum körperlich mit Leichtigkeit. Sie lassen sich seelisch sowie mental nicht vom möglichen Leistungsdruck irritieren oder nervös machen. Ihre Ergebnisse bei „Jugend musiziert“ sind stets sehr gut.

Das Team wächst zusammen

Sprechstunden, die von den Mentoren an den Musikschulen eingerichtet wurden, Artikel in der Musikschulzeitung, zum Beispiel mit Stimmentspannungsübungen, Aktionstage zum Thema Musikergesundheit etc. – dies sind nur einige weitere Exempel, wie das Projekt, das in Kooperation mit der BARMER GEK und der Deutschen Rentenversicherung Baden-Württemberg realisiert wird, an den Musikschulen seine Umsetzung findet.

Der Erfolg des Projekts „gesunde musikschule“ lässt sich nicht nur an den Schülern direkt sehen. Sie wärmen sich vor dem Unterricht selbstständig auf und sind motivierter, weil das Musizieren durch ideale körperliche Voraussetzungen leichter fällt. Auch das Kollegium und die Eltern sind dafür sensibilisiert, dass man mit präventiven Maßnahmen früh die Gesundheit der Kinder entscheidend prägen kann. Die Mentoren, die sich regelmäßig im Schwerpunktbereich fortbilden, stellen zusätzlich eine Verbesserung des eigenen Wohlbefindens und der Kollegen fest. Das Team wächst durch den gesundheitlichen Aspekt zusammen, ein stärkeres Miteinander entsteht.

Mit der Teilnahme am Projekt bietet eine Musikschule ein zusätzliches Programm an, von dem Musikschüler und Musikschullehrer profitieren. Der Mentor hilft dem jungen Musizierenden über einen langen Zeitraum, das Gesundheitsbewusstsein zu verinnerlichen. Jeder der beiden transportiert dieses Bewusstsein und das Thema Musikergesundheit auf seine Art in die Öffentlichkeit. Eine „gesunde musikschule“ hebt sich dadurch vorteilhaft von anderen Musikschulen ab.

Das Zentrum für Musik, Gesundheit und Prävention hat bereits 18 Musikschulen zertifiziert und ein Netzwerk mit 26 Mentoren aufgebaut. So erstreckt sich die Ausdehnung dieses Netzwerks vom Bodensee bis nach Bremen, von kleinen Musikschulen wie die der Städte Essingen oder Ottobeuren bis hin zu Musikschulen wie der Stuttgarter mit 4.500 Schülern. Einmal im Jahr findet ein Partnermusikschultreffen statt, bei dem die Projektverantwortlichen und die Mentoren zusammen mit einem Vertreter des Landesverbands der Musikschulen Baden-Würt-tembergs über die Erfolge und Chancen der „gesunden musikschule“ diskutieren. Musikschulen und Musikschullehrer aus dem gesamten Bundesgebiet sind willkommen, am Projekt teilzunehmen. Die nächste Mentorenausbildung des Projekts „gesunde musikschule“ beginnt am 15. November 2014.

Das Zentrum für Musik, Gesundheit und Prävention (ZMGP)

Das Zentrum für Musik, Gesundheit und Prävention (ZMGP) wurde 2003 von der Stiftung Internationale Musikschulakademie Kulturzentrum Schloss Kapfenburg gegründet. Es unterstützt Musiker aktiv dabei, sich für und durch das Musizieren fit zu halten. Wichtige Kooperationspartner des ZMGP sind die Barmer GEK und die Techniker Krankenkasse. Unerlässlich ist zudem die Kooperation mit dem Freiburger Institut für Musikermedizin (FIM). Außerdem wird die Arbeit durch die Deutsche Rentenversicherung Baden-Württemberg, Jast Ergo, den Landesverband der Musikschulen Baden-Württembergs, den Verband deutscher Musikschulen und den Blasmusikverband Baden-Württemberg unterstützt und gefördert.

Informationen zu „gesunden musikschule“ und anderen spannenden Projekten sowie Fortbildungen des ZMGP erhalten Sie unter Tel. 07363/96 180 sowie auf www.fit-mit-musik.de

Das könnte Sie auch interessieren: