Dann wirst du seh’n, die Welt ist wunderschön

Kooperationsprojekt der Musikschulen Traunwalchen und Traunstein mit der Grundschule Chieming und der Firma Q3 – Quartier für Medien.Bildung.Abenteuer


(nmz) -
Die bayerischen Sing- und Musikschulen sind wichtiger Bildungspartner in der kommunalen Bildungslandschaft: So werden jährlich mehr als 40.000 Schüler*innen in mehr als 1.200 vertraglichen Kooperationen mit allgemeinbildenden Schulen und Kindertagesstätten unterrichtet, Tendenz steigend.
Ein Artikel von VBSM

Diese Angebote sollen Kinder und Jugendliche mit der Welt der Musik vertraut machen und ihnen Möglichkeiten der Beschäftigung mit Musik aufzeigen. „Durch die Kooperationen gelingt es den Sing- und Musikschulen, junge Menschen in ihrer Lebensrealität abzuholen. Die Rahmenbedingungen für den Musikschulunterricht unterliegen zahlreichen Veränderungen wie sich im Wandel befindende Familienstrukturen und geänderte Betreuungszeiten in Kitas und Schulen. Darauf reagieren wir, indem wir mit niedrigschwelligen Angeboten vor Ort allen Kindern und Jugendlichen den Zugang zur Musik eröffnen“, so Wolfgang Greth, Leiter der Geschäfts- und Beratungsstelle des Verbandes Bayerischer Sing- und Musikschulen e. V (VBSM). Diese Kooperationsangebote sind allerdings besonders stark von der Corona-Krise betroffen. Aufgrund von Schulschließungen und starken Einschränkungen im Schulbetrieb konnten sie vielerorts bereits seit März vergangenen Jahres nicht mehr stattfinden. Umso schöner ist es, wenn trotz dieser schwierigen Bedingungen Projekte wie das von Thomas Hartmann und Doris Wagnerberger entstehen. Hartmann unterrichtet Klavier an den Musikschulen Traunwalchen und Traunstein, Doris Wagnerberger ist Lehrkraft der ersten und zweiten Klasse an der Grundschule Chieming.

Gemeinsam produzierten sie in den vergangenen Monaten ein Musikvideo als Kooperationsprojekt der besonderen Art, um gerade in Zeiten von Kontaktbeschränkungen und Home-Schooling ein Zeichen für gemeinsames Musizieren zu setzen.

Die Idee für das Projekt entstand bereits im Herbst vergangenen Jahres: „Schon in den vergangenen Jahren gab es eine intensive Kooperation zwischen der Grundschule Chieming und der ortsansässigen Musikschule. Als ich im Herbst letzten Jahres in die Grundschule kam, um in den dortigen Räumlichkeiten meinen Klavierunterricht abzuhalten, kam ich ins Gespräch mit Grundschullehrerin Doris Wagnerberger und wir beschlossen, demnächst mal wieder ein gemeinsames Projekt in die Wege zu leiten. Natürlich wussten wir damals noch nicht, dass der Lockdown schon wenige Zeit später verschärft werden würde und weder Schul- noch Musikschulunterricht in Präsenz stattfinden könnten. Nichtsdestotrotz wollten wir gerade unter diesen erschwerten Bedingungen zeigen, dass Musik Menschen verbindet, auch wenn kaum noch physische Kontakte möglich sind“, so Hartmann. Daher fassten sie den Plan, Corona zum Trotz ein Musikvideo zu produzieren, in dem Schüler*innen der Musikschulen Traunstein und Traunwalchen gemeinsam mit Schüler*innen der Grundschule auf der Bühne stehen. Ermöglicht werden sollte das Vorhaben durch den Einsatz technischer Hilfsmittel. In einem ersten Schritt komponierte Hartmann einen Song auf einen von Wagnerberger verfassten Text. Das entstandene Lied handelt von der Macht der Gemeinschaft, die zentrale Botschaft lautet: Niemand ist allein und gemeinsam mit anderen kann man Großes schaffen. „Dann wirst du seh’n, die Welt ist wunderschön“, verspricht der Refrain.

Diesen Song produzierte Hartmann sodann mithilfe von sogenannten Sample Sounds. Daraus entstand ein technisch konfiguriertes Hörbeispiel, das er den beteiligten Schüler*innen zur Verfügung stellte. Auf diese Weise konnten sich die Kinder und Jugendlichen das Lied über Kopfhörer anhören und dazu ihre eigene Stimme einüben und schließlich aufnehmen. Beteiligt waren neben Gesang die Instrumente Klavier, Cello, Geige, Bass, Steirische Harmonika, Flöte, Schlagzeug und Xylophon. Ihre Aufnahmen schickten die Schüler*innen dann wieder an Hartmann, der diese zu einem einheitlichen Song zusammenschnitt. „Da gab es dann schon die ersten technischen Herausforderungen: Das eine Kind schickt Aufnahmen in perfekter Qualität, weil der Vater Musiker ist, während das nächste mit einem alten Handy aufgezeichnet wurde. Da muss man dann schon etwas kreativ sein beim Zusammenschneiden“, erinnert er sich lachend.

Schließlich sollte der Song auch noch mit einem Musikvideo verfilmt werden. „Das ist das eigentlich Besondere an unserem Projekt: Die Musiker*innen sollen im Video alle auf einer Bühne stehen und gemeinsam Musik machen“, so Hartmann. Hierzu bekamen die Organisator*innen Unterstützung von Lawrence Martin, der als Videoreferent bei der Firma Q3 – Quartier für Medien.Bildung.Abenteuer medienpädagogische Projekte begleitet. Gedreht wurde an zwei Standorten: am Chiemsee-Strandbad in Chieming sowie im alten Wasserwerk in Traunstein. Damit das gelingen konnte, mussten im Vorfeld natürlich zahlreiche Sicherheits- und Hygieneschutzvorkehrungen getroffen werden. So wurden die Drehorte für Besucher*innen abgesperrt. Außerdem folgten die Aufnahmen einem strengen Zeitplan, um zu garantieren, dass die Musiker*innen einander nicht trafen. Die Schüler*innen wurden jeweils einzeln gefilmt, die Musik wurde Playback dazu eingespielt. „Wir werden die Aufnahmen dann am Ende zu einem Video zusammenschneiden, sodass auf einmal Personen, die hintereinander am Drehort waren und sich nicht persönlich getroffen haben, zusammen Musik machen. Man hat gemerkt, wie sehr die Schüler*innen das gemeinsame Musizieren vermissen. Auch wenn sie sich nicht persönlich getroffen haben, war ein starker Gemeinschaftssinn zu spüren“, so Hartmann. Das bestätigt auch ein junger Musiker, der mit der Steirischen Harmonika an dem Projekt mitwirkte: „Das war eine ganz neue Art Musik zu machen und gerade in der Coronazeit, in der für Gruppenmusizieren keine Möglichkeit besteht, war es unglaublich schön, diese Gemeinschaft zu erleben.“

Damit dieses Projekt gelingen konnte, bedurfte es einer Menge ehrenamtlichen Engagements der Organisator*innen. Das Video steht ab Anfang März auf YouTube zur Verfügung und soll den Menschen in schwierigen Zeiten Mut machen und ein Zeichen für die Gemeinschaft setzen. Die Beteiligten machen klar „Musik braucht Gemeinschaft“ und betonen damit eine der zentralen Leitlinien des bayerischen Sing- und Musikschulwesens. Musikunterricht besteht nicht allein aus Einzelunterricht. Stattdessen bedarf es des gemeinsamen Musizierens in Ensembles, Chören und Orchestern. „Aus diesem Grund hoffen wir, dass es die Lage bald wieder erlaubt, in Präsenz und in Gemeinschaft an den bayerischen Sing- und Musikschulen zu spielen und zu singen. Das ist der Kern dessen, was unsere Musikschulen ausmacht“, so Greth.

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