Den musikalischen Horizont erweitern

Die Studiengänge Lehramt Musik an Gymnasien in Mannheim


(nmz) -
2015 wurde der Studiengang Lehramt Musik an Gymnasien in Baden-Württemberg auf Bachelor/Master umgestellt. Der Master-Studiengang wird zum Herbstsemester 2019/20 eingeführt. Die Studiengänge Lehramt Musik an Gymnasien an der Musikhochschule Mannheim ermöglichen den Studierenden, sich fachlich fundiert in den Bereichen der musikalisch-künstlerischen Praxis, in Musikwissenschaft und wissenschaftlicher Musikpädagogik sowie in Fachdidaktik zu bilden. Durch den Einbezug unterrichtspraktischer Phasen bereits im Bachelor-Studiengang, zum Beispiel in Form eines Tagespraktikums, welches an nahe gelegenen Gymnasien absolviert wird, werden die Studierenden unter fachkundiger Expertise gezielt professionsbezogen ausgebildet. Darüber hinaus eröffnet das enorm breitgefächerte Lehrangebot an der Musikhochschule Mannheim bei gleichzeitiger Profilbildung die Möglichkeit, sich in künstlerischer und wissenschaftlicher Hinsicht zu vertiefen, um somit die Facetten der beruflichen Qualifikation zu erweitern (z. B. durch ein zusätzliches künstlerisches Studium oder eine Promotion).
Ein Artikel von Martina Benz

Stilistische Vielfalt des künstlerischen Lehrangebots

Die Lehramtsstudiengänge an der Musikhochschule Mannheim zeichnen sich durch ein äußerst attraktives und ungewöhnlich breites Spektrum an musikalischer Stilistik aus und bieten den Studierenden somit hervorragende Möglichkeiten, ihre künstlerische Entwicklung durch vielfältige musikalisch-ästhetische Erfahrungen anzureichern. Neben dem künstlerischen Unterricht im Erstfach, Zweitfach Gesang sowie Zweitfach Klavier (jeweils mit Einzelunterricht), im Schulpraktischen Klavierspiel, in Dirigieren und Musiktheorie enthält der Bachelor-Studiengang eine Reihe ergänzender künstlerisch-praktischer Angebote, zum Beispiel Improvisation sowie diverse Workshops Gruppenmusizieren mit verschiedenen Instrumenten von Lateinamerikanischer Percussion bis Blockflöte. Eine Besonderheit stellt die Möglichkeit dar, den Orchesterleitungsunterricht wahlweise mit dem Profil „Leitung von Blasorchestern“ zu erhalten.

Als weitere Spezialität kann das künstlerische Erstfach an der Musikhochschule Mannheim optional mit dem Schwerpunkt Populäre Musik/Jazz studiert werden (dieses Angebot zeichnete den Studiengang schon lange vor der Umstellung auf Bachelor/Master aus). In diesem Fall erhalten die Studierenden ihren Gehörbildungs- und Ensembleleitungsunterricht ebenfalls im Bereich Populäre Musik/Jazz. Um eine für die spätere Berufstätigkeit in der Schule erforderliche stilistische Breite zu gewährleisten, werden unter anderem das Zweitfach Klavier sowie Gesang klassisch unterrichtet, wie umgekehrt Studierende mit einem klassischen Erstfach ergänzende Lehrveranstaltungen aus dem Bereich Populäre Musik/Jazz pflichtmäßig absolvieren. Alle Lehramtsstudierenden erhalten zudem künstlerisch-praktischen Gruppenunterricht wahlweise in türkisch-arabischer und zentralasiatischer oder indischer Musik von ausgewiesenen Expert*innen auf eigens dafür angeschafften Instrumenten.
Zudem wurde das Lehrangebot durch die Einführung der künstlerischen Erstfächer Dirigieren – entweder mit Schwerpunkt Chor- oder Orchesterleitung – und Klavier/Schulpraktisches Klavierspiel als Kombination im Bachelor-Studiengang verbreitert. Letzteres stellt innerhalb der Musiklehramtsbildung ein Alleinstellungsmerkmal der Musikhochschule Mannheim dar. Aktuell wird die Einführung des Erstfachs Baglama mit entsprechenden ergänzenden Angeboten, unter anderem in Musiktheorie, diskutiert, um die gesellschaftlichen Entwicklungen in der Musiklehramtsbildung abzubilden und eine breitere Studierendenklientel anzusprechen.

Vernetzung der Fächer

Der Bachelor-Studiengang legt aber nicht nur Wert auf stilistische Vielfalt, sondern will vor allem die Fähigkeit zum vernetzenden Denken und Arbeiten fördern, indem die unterschiedlichen Fächer des Curriculums sinnvoll aufeinander bezogen werden. So ist die Bachelorarbeit künstlerisch-integrativ angelegt, da mindestens zwei Fächer (mindestens eins davon ist ein künstlerisches Fach) so miteinander verbunden werden müssen, dass ein Mehrwert durch die Fächerverbindung erkennbar wird.
Ein weiteres Alleinstellungsmerkmal stellt in diesem Kontext das integrative Modul „Transkulturelle Musikpädagogik“ im Bachelor-Studiengang dar, welches künstlerisch-praktische, musikwissenschaftliche, musikpädagogische und fachdidaktische Anteile verzahnt: Die Erfahrungen mit außereuropäischer Musik, die in den bereits erwähnten Gruppenunterrichten gewonnen wurden, werden durch musikwissenschaftliche sowie musikpädagogische Seminare mit transkulturellem Bezug ergänzt und reflektiert. Die in diesem Modul erworbenen Kompetenzen münden in ein transkulturelles Projekt, welches in einem fachdidaktischen Seminar entwickelt, an einer Schule durchgeführt und anschließend dokumentiert und ausgewertet wird. Somit setzen sich die Studierenden multiperspektivisch und mehrdimensional mit Musik auseinander, die ihnen in der Regel  nicht vertraut ist, können ihren musikalischen Horizont erheblich erweitern und erfahren so eine zeitgemäße Vorbereitung auf ihre spätere Berufstätigkeit in der Schule.

Profilbildung

Der künstlerische Unterricht wird im Master-Studiengang in einem gewählten künstlerischen Profilfach weitergeführt. Hier können die Studierenden zwischen ihrem Erstinstrument, Gesang, Klavier, Schulpraktischem Klavier, Klavier/Schulpraktischem Klavierspiel als Kombination, Dirigieren, Vokalem Schwerpunkt (Kombination aus Chorleitung und Gesang) sowie Musiktheorie wählen und ihre im Bachelor erworbenen Kompetenzen vertiefen. Als Besonderheit können Studierende mit klassischen Erstfächern ergänzenden Unterricht in Jazz/Pop-Stilistik auf ihrem Instrument beziehungsweise in Gesang im Master-Studiengang erhalten.

Eine weitere Profilbildung erfolgt durch berufsbezogene Vertiefungs- bzw. Erweiterungsangebote im Master-Studiengang. Zur Auswahl stehen die Schwerpunkte Musiktheater, Musikwissenschaft/Musikpädagogik, Ensemblearbeit/Arrangieren, Klassenmusizieren und Populäre Musik/Jazz. Auch der transkulturelle Schwerpunkt wird im Master-Studiengang durch entsprechende musikpädagogische Seminare vertieft. So können die Studierenden sich sowohl in künstlerischer als auch in wissenschaftlicher Hinsicht weiterentwickeln und ihr individuelles Profil schärfen. 

Wissenschaft

In den Lehramtsstudiengängen an der Musikhochschule Mannheim wird von Anfang an Wert auf fundiertes wissenschaftliches Arbeiten gelegt. Da die Musikwissenschaft an der Musikhochschule Mannheim durch je eine Professur in Historischer und Systematischer Musikwissenschaft vertreten wird, erhalten die Studierenden einen umfassenden Einblick in das breite Spektrum musikwissenschaftlichen Arbeitens sowohl in inhaltlicher als auch in methodischer Hinsicht.

Auch im Bereich der wissenschaftlichen Musikpädagogik werden Seminare angeboten, in denen die Studierenden Erfahrungen mit Forschungsmethoden machen. Dabei wird der Bezug zum späteren Berufsfeld durch Projekte, in denen sich die Studierenden gemäß dem Prinzip des Forschenden Lernens mit Aspekten des schulischen Musikunterrichts forschend auseinandersetzen, immer wieder hergestellt und somit eine Brücke zur Schulpraxis gebaut.

Kooperationen mit anderen Institutionen in den Lehramtsstudiengängen

In den Studiengängen Lehramt Musik an Gymnasien kooperiert die Musikhochschule Mannheim intensiv mit den Universitäten Mannheim und Heidelberg. So wird die Studierbarkeit der beiden Fächer gewährleis­tet und die Studierenden werden möglichst optimal begleitet. Im Rahmen dieser Kooperationen können die für die Bildungswissenschaften erforderlichen Leistungspunkte anteilig an der Musikhochschule durch musikpädagogische Seminare mit bildungstheoretischem Bezug in enger Abstimmung mit den Lehrangeboten der Universitäten erworben werden. Es bestehen aber auch institutionen- und phasenübergreifende Kooperationen mit der Pädagogischen Hochschule Heidelberg, der Popakademie, dem Seminar für Ausbildung und Fortbildung der Lehrkräfte Heidelberg (Abteilung Gymnasium) und mit verschiedenen Gymnasien der Region. Von diesem weit gespannten und  gleichzeitig dichten Netzwerk profitieren die Studierenden in Mannheim erheblich für ihre spätere Berufstätigkeit sowie hinsichtlich flexibler individueller Profilbildungen.
Martina Benz

Martina Benz geb. Krause, Dr. phil., ist Professorin für Musikpädagogik und Leiterin der Studiengänge Lehramt Musik an Gymnasien an der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Mannheim. Sie studierte Schulmusik und Klavier (künstlerische Ausbildung) an der Folkwang Universität der Künste Essen sowie Englisch an der Universität Essen und promovierte 2005 in Musikpädagogik. Nach mehrjähriger Lehrtätigkeit im Schul- und Hochschuldienst wurde sie 2010 auf die Professur in Mannheim berufen. Ihre Arbeits- und Forschungsschwerpunkte umfassen vor allem bildungsphilosophische Grundfragen.

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