Der Dritte Mann wird 70

Das Zitherspiel beim Heurigen


(nmz) -
Vor genau 70 Jahren, am 2. September 1949, fand in London die Weltpremiere von „The Third Man“ statt. Am 6. Januar 1950 folgte die deutsche Erstaufführung in Berlin. Rechtzeitig zu diesem Jubiläum veröffentlicht nun Studiocanal den Klassiker mit viel Bonusmaterial (auch zur Filmmusik) noch einmal. Carol Reeds Meisterwerk ist der ultimative Wien-Film der Nachkriegszeit, gedreht „on location“. Wien war damals geteilt in vier Zonen.
Ein Artikel von Viktor Rotthaler

„Die Vier im Jeep“ teilten sich die Stadt. Und dieser Umstand grundiert den ganzen Film über den zwielichtigen Harry Lime, verkörpert von Orson Welles, und seinem amerikanischen Freund Holly Martins (Joseph Cotten). Zum Welterfolg trug besonders auch das „Harry Lime Theme“ bei, das zu einem Welthit wurde.

Es war im Herbst 1948, als das Filmteam in einem Heurigen einen Zitherspieler entdeckte, der dort für ein paar Pfennige, die man ihm in den Teller warf, spielte. Irgendwer hatte die Idee, diesen „exotischen“ Sound vielleicht für den Film zu verwenden. Und so wurden Tonaufnahmen gemacht. Regisseur Carol Reed war so begeistert, dass er sich entschied, den ganzen Film mit Zithermusik zu orchestrieren.

Im Juni 1949 begann Anton Karas in England mit der kongenialen Komposition der Filmmusik. Die Filmzither war etwa einen Halbton tiefer gestimmt als heute üblich. Dadurch zeichnete sie sich durch einen ganz eigenen Sound aus, den Carol Reed „gritty and dirty“ nannte. Auf dem Tisch der Familie Reed entstand die Filmmusik. Im berühmten Titelvorspann von „The Third Man“ sind das Schallloch und die Begleitsaiten der Zither im Close-up zu sehen. Die bewegten Saiten dienen allerdings nur der Optik. Sie haben nichts mit dem legendären „Harry Lime Theme“ zu tun, das hier zum ersten Mal erklingt. Die Nachfrage nach der Filmpremiere soll so stark gewesen sein, dass Decca Records für die Herstellung der Schellacks den gesamten Jahresbedarf an Azetat aufgebraucht habe.

 

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