Die Fliege der Solidarität

Cluster 2019/11 - Gordon Kampe


(nmz) -
Es hilft ja alles nichts, wir müssen der Wahrheit unters Gesicht sehen: ich sehe mit Fliege einfach blendend aus! Seit geraumer Zeit trage ich bei Premieren Fliege, schwarz oder dunkelblau. So eine Fliege ist fantastisch, sie zeigt an: Heute Abend ist besonders und wir feiern die Musik, Theater und jawohl: auch uns!
Ein Artikel von Gordon Kampe

Bei reinen Neue Musik-Veranstaltungen ist Fliege leider unangemessen, hier geht’s ja oft eher ums Siegen, Erdulden und Richten, als ums Feiern und man gibt sich daher eher existentiell zerknittert. Wir brauchen da einen Paradigmenwechsel.

Die Fliege zeigt auch an: Danke, liebe Leute, vor und hinter Bühne oder sonstwo. Ihr schwitzt gar fürchterlich unter Maske und Kostüm, das Licht brezelt wie bekloppt auf Haupt und Haar, ihr macht euch zum Elch und singt dazu noch wunderbar (Tusch!) – und wie könnte ich dann im Second-Hand-Designer-T-Shirt in der Loge hocken? Nix da. Es ist die Fliege der Solidarität. (Und überhaupt: Feiern. Wir müssen mehr feiern. Premierenkäsespätzle lasse ich mir fürderhin in sämtliche Verträge schreiben.)

Toll an der Fliege ist auch, dass es keinen Platz für lustige Aufdrucke gibt. Kein Zwinkersmiley weit und breit. Der hat ohnehin ausgedient, Tschüssi. Und das Accessoire, das aus der Hölle kommt – die Krawattennadel – hat auch keinen Platz. Entscheidend jedoch: Die Fliege schmückt zwar ungemein, aber sie legt auch offen, was die Krawatte leicht verhüllt. Kleine Bauchansätze etwa Ungebügelte Unperfektionen womöglich.

Schön und ungeschützt gleichzeitig. Das ist krass, fliegt mit!

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