Die Harp: sexy, stabil und günstig

Nachschlag 2010/04


(nmz) -
„Der relativ schnelle Erfolg ist Garant für anhaltende Begeisterung“, sagt der Musiker Dieter Kropp im Gespräch mit Stefanie Ernst in dieser Ausgabe von "Politik & Kultur" über das Harp spielen lernen. Mich erinnert das sofort an Computerspiele spielen lernen. Der Einstig ist sehr einfach, schnell hat man Erfolgserlebnisse und findet Spaß am Weiterspielen. Um aber ein Meister zu werden, muss man üben, üben, üben. Diese Art, zur Meisterschaft zu kommen, spricht besonders junge Männer stark an. Ist vielleicht die Harp, also unsere alte Mundharmonika, das ideale Instrument, um gerade Jungens, die in der Computerspielezeit sozialisiert wurden, mit einem Instrument vertraut zu machen?
Ein Artikel von Olaf Zimmermann

Bislang konzentrieren sich viele Modellprojekte der kulturellen Bildung, wie „Jedem Kind ein Instrument“, hauptsächlich auf die Grundschule.

Und wenn wir ehrlich sind, erreichen sie vornehmlich die Kinder des Bildungsbürgertums.

Wer schon einmal einen unverstellten Blick in einen sozialen Brennpunkt geworfen hat, weiß, dass ein Cello oder eine Querflöte der rauen Wirklichkeit emotional wie physisch letztlich nicht lange standhalten kann.

Ein Instrument, das gerade in sozialen Bennpunkten überleben soll, muss sexy, stabil und günstig sein. Eine Harp ist zumindest stabil und mit rund 20 Euro für ein profitaugliches Gerät konkurrenzlos günstig. Sexy kann sie werden, davon bin ich überzeugt, wenn man den Jugendlichen vermitteln kann, dass sie ihre Gefühle mit einer Bluesharp in einer für viele unbekannten Art und Weise ausdrücken können. Erstes Liebesglück und der unausweichliche folgende Kummer und die Bluesharp sind Geschwister.

Die Harp könnte ein Schlüsselinstrument der niedrigschwelligen kulturellen Bildung werden, denn sie ist einfach anzuspielen, sie ist sehr günstig in der Anschaffung und überlebt auch den harten Alltag in einem sozialen Brennpunkt. Gerade für Jugendliche oberhalb des Grundschulalters kann dieses Instrument eine Chance bieten, Zugang zur Welt der Musik zu finden. Hier würde sich ein Modellprojekt wirklich einmal lohnen!

Der Verfasser ist Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates

Ein Interview mit dem Blues-Harp-Virtuosen Dieter Kropp lesen Sie in der aktuellen Ausgabe von Politik & Kultur März-April 2010, S. 26–27 oder im Internet unter www.kulturrat.de

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