Die kommunikative Energie Neuer Musik

Zum ersten ostwestfälischen Hörfest Neue Musik in Detmold


(nmz) -
„Der stille Teich, ein Frosch hüpft hinein: Der Klang des Wassers.“ Dieses berühmte Haiku bringe auf klassische Weise den Vorgang des Hörens zum Ausdruck, sagt Hans Zender über das japanische Gedicht, das zum Schlüsselimpuls für das erfolgreiche erste ostwestfälische Hörfest Neue Musik wurde.
Ein Artikel von Andreas Schwabe

Erfolg stellt sich dann ein, wenn eine Idee zur richtigen Zeit auf den richtigen Ort trifft. Genau dies ist dem ehemaligen Geschäftsführer des Bundesjugendorchesters Hans Timm und der neu gegründeten „Initiative Neue Musik in Ostwestfalen-Lippe“ geglückt. Die Idee, die drei Tage im September unter ein fassliches und zugleich offenes Thema zu stellen, verband sich organisch mit dem Gedanken, so viele Institutionen und Initiativen wie möglich an dem Festival zu beteiligen.

An die 600 Besucher, die selbst den langen Samstag von 15 bis 22 Uhr, vom Sommertheater durch den Palaisgarten der ehemaligen fürstlichen Residenz zum Schlagzeughaus bis in eine der drei Kirchen mit durchhielten, erlebten die Aufführungen. Zu den Mitwirkenden der unter anderem von Kornelia Bittmann moderierten Konzerte zählten Schülerinnen und Schüler aus Detmolder Gymnasien und der Musikschule, Musiker rund um das Landestheater Detmold, „Ensemble Horizonte“ und „Artwork Ensemble“ sowie der Organist und Komponist Theo Brandmüller. Diese Begegnung generierte das Besondere dieses Festivals: die Öffnung der zeitgenössischen Musik für Zuhörer außerhalb der Szene, die auch in der Integration Neuer Musik in den Kontext eines Gottesdienstes wirksam wurde. Sie strafte die Ausgangsthese im Einführungsvortrag von Professor Hartmut Fladt Lügen, der die von Soziologen für viele Interessengruppen diagnostizierte Closed-Shop-Mentalität mit dem Satz zusammenfasste: „Man kennt sich.“

Unbefangen und erfrischend war da etwa die Komposition der erst neunjährigen Leonora Schlünz, die, von einer kleinen Geschichte geleitet, intuitives Formgefühl erkennen ließ. Sie war die mit Abstand jüngste der 30 Komponisten, die in Detmold zu hören waren. Auch Max Hundelshausen (Jahrgang 1991), Schüler von Martin Christoph Redel, bewies in seiner Auftragskomposition „Atomo II“ beachtliche atmosphärische Dichte.

Jörg Peter Mittmann, Dirigent des „Ensemble Horizonte“, war auch als Komponist mit zwei seiner Werke vertreten. Sein „Vor des Wassers fließendem Gesicht“ für kleinen Chor und Instrumentalensemble war ein Beispiel für den erwähnten Brückenschlag, der diesem Festival gelang. Einerseits belegte Mittmanns Komposition seine aus tiefer Friedenssehnsucht heraus geborene Suche nach einer vorsichtig den Zwischenraum von Ton und Geräusch auslotenden Bewegung, andererseits integrierte Mittmann in dieses Werk den Chor eines Detmolder Gymnasiums und öffnete den jungen Leuten damit erste und, wie die Nachfrage belegte, sehr erfolgreiche Begegnungen mit Klängen abseits von Mozart und Pop.

Malika Kishino wiederum horchte mit ihrem „Aqua Vitae II“ für Altflöte, Bassklarinette, Schlagzeug, Violine und Violoncello, der Dunkelheit tiefen Wassers nach. Ein „NachKLANG“ ermöglichte anschließend ein Gespräch mit Komponisten und Interpreten, ein weiterer Beleg für die kommunikative Energie, die von diesem Hörfest ausging.

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