Die Musikschulen in Zeiten von Corona

Vorsitzende und Geschäftsführer wenden sich an Träger, Leitungen und Lehrkräfte


(nmz) -
Der VdM informiert die Öffentlichkeit und seine Mitglieder – sowohl auf seiner Webseite als auch im internen VdM-Mitgliedsbereich – regelmäßig und aktuell über Auswirkungen des Corona Virus auf die Arbeit der Musikschulen, über Regelungen, Vorschriften, rechtliche Fragen und neue Entwicklungen. Die Verantwortlichen des Verbands haben sich außerdem an Mitglieder, Kolleginnen und Kollegen gewandt und die Situation kommentiert.
Ein Artikel von vdm

Angesichts der prekären Lage vor allem der freiberuflichen Kolleginnen und Kollegen an den Musikschulen plädiert VdM-Geschäftsführer Matthias Pannes für Solidarität:

„Der VdM ist der Ansicht, dass in der aktuellen Situation ein hohes Maß an Solidarität aller Akteure der musikalischen Bildung erforderlich ist. Dies gilt insbesondere mit Blick auf die selbstständigen Kolleginnen und Kollegen unter den Musikschullehrkräften.

Auf Bundes- und jeweiliger Landesebene arbeiten die Verbände und die Politik an möglichen Hilfsfonds für Selbstständige und auch für Einrichtungen. Bis Klarheit über die Verteilung derlei Hilfsfonds herrscht, sollten die Träger von Musikschulen im VdM ihre solidarische Haltung mit ihren freiberuflichen Lehrkräften zeigen und prüfen, wie hier unbürokratisch gehandelt werden kann (z. B. durch Überbrückungstätigkeiten, Ermöglichung von Online-Angeboten im Unterricht, Ausschöpfung von Nachholmöglichkeiten für den Unterricht, Vertragsanpassung aufgrund Störung der Geschäftsgrundlage gemäß § 313 BGB) und ihre finanziellen Möglichkeiten in dieser Hinsicht prüfen.

Ausgefallene Unterrichtsangebote ziehen hohen Verwaltungsaufwand im Bereich der Erstattung von Gebühren und Änderungen von Bescheiden nach sich. Vor Ort wird daher sicher eine Entscheidung zu treffen sein, inwieweit Schüler-/Kundenbindung, Vertrauenswahrung durch Verlässlichkeit der Bildungseinrichtung und andere Aspekte des Musikschul-Images gegenüber kurzfristigen Ausgabeminderungen abzuwägen sind.“

Ulrich Rademacher, Vorsitzender, und Friedrich-Koh Dolge, stellvertretender Vorsitzender des VdM, haben ebenfalls einen Brief an die Träger der VdM-Musikschulen, an Musikschulleitungen und Lehrkräfte gerichtet. Darin heißt es unter anderem:

„Was in ‚normalen‘ Zeiten einzelne Mitgliedsschulen durchleben, deren kommunales Umfeld sich plötzlich komplett verändert, deren Existenz bedroht ist, entwickelt sich nun zu einer kollektiven Erfahrung, zu einem gemeinsamen Lebensgefühl der gesamten Musikschul-Familie. Die Sorge um die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, ob angestellt oder frei, unsere Verantwortung für den Erhalt der für musikalische Bildung lebenswichtigen Strukturen schiebt sich in der Prioritätenliste vor manches andere attraktive und öffentlichkeitswirksame Projekt. Wir spüren mehr als in ‚guten Zeiten‘ den Wert der Verlässlichkeit von Anstellungsverhältnissen, Tarifverträgen und langfristigen Förderzusagen.
Rademacher und Dolge weisen darauf hin, dass viele Lehrkräfte in diesen Zeiten auf die Möglichkeiten der Digitalisierung zurückgreifen, um Unterricht und kollegiale Abstimmung aufrechtzuerhalten. „Unser letztes Kongress-Motto ‚Musik teilen – Menschen gewinnen‘ erhält so für die Musikschulen eine noch einmal gesteigerte Relevanz.“

Der VdM begreife es als seine Aufgabe, so aktuell wie möglich verlässliche und verständliche Informationen in allen rechtlichen Fragen um Lohnfortzahlung, Honorare, Schulgeldeinnahmen, Datenschutz zu übermitteln, die Lehrkräfte in praktischen Fragen rund um die Digitalisierung, wie Online-Unterricht, Online-Konferenzen et cetera mit Rat und Best-Practice-Beispielen zu unterstützen, sich in allen Aktivitäten mit den Landesverbänden optimal abzustimmen und auf Bundesebene bei den kommunalen Spitzenverbänden, bei den zuständigen Ministerien, in der Kultusministerkonferenz, im Deutschen Musikrat und im Deutschen Kulturrat für die Bedeutung außerschulischer musikalischer Bildung zu werben und den Unterstützungsbedarf wirksam zu unterstreichen.

„Wenn uns das gelingt“, so die beiden Vorsitzenden, „haben wir die Chance, aus dieser Krise gestärkt und mit einem klaren Blick für das, was wirklich tragfähig ist, hervorzugehen. Vielleicht sogar mit dem guten Gefühl, erfahren zu haben, dass wir – an einem Strang ziehend – gemeinsam viel erreichen können.“

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