Dreistimmig von der Fuge bis zum Walzer

Kammermusik für Streicher von Bach, Mozart und Suthoff-Gross in neuen Ausgaben


(nmz) -
Noten für Streichtrio und andere Streicherbesetzungen
Ein Artikel von Antonia Bruns

Johann Sebastian Bach (1685–1750): 15 dreistimmige Inventionen (Sinfonien) BWV 787-801. Für Streichtrio bearbeitet von Wolfgang Link. Breitkopf & Härtel, Wiesbaden 2008. KM 2295

Wen das klangliche Erlebnis der Bach’schen Orgelwerke auf drei Streichinstrumenten begeistert, für den gibt es jetzt auch „15 dreistimmige Inventionen“ oder – wie Bach sie nannte – „Sinfonien“ in der Bearbeitung für Streichtrio. Gewidmet allen „Verehrern des Thomaskantors, die es für ein bedauerliches Versäumnis des Meisters halten, allzu wenig Kammermusikalisches für mehrere Streichinstrumente geschaffen zu haben“, schreibt der Herausgeber Wolfgang Link in seinem Vorwort und knüpft dabei vielleicht auch an Bachs Intention an. Durch die unterschiedlichen Klangfarben von Geige, Bratsche und Cello werden die Stimmlinien der polyphonen Musik besonders gut hörbar. Rücksicht genommen werden musste natürlich auf den Tonumfang der einzelnen Streichinstrumente. Bei Tönen außerhalb des spielbaren Bereichs wurde unter Berücksichtigung der Figuren eingegriffen und teilweise eine Linie in einer anderen Stimme weitergeführt. Einige Abschnitte liegen deshalb in mehreren Fassungen zur freien Auswahl vor. Ebenso sind den Spielern Tempi, Dynamik, Phrasierungen und Verzierungen selbst überlassen. Für eine „Ergetzung“ beim Musizieren.

Wolfgang Amadeus Mozart (1756–1791): Sechs dreistimmige Präludien und Fugen für Violine, Viola und Violoncello KV 404a Nr. 1–6. Herausgegeben von Johann Nepomuk David. Breitkopf & Härtel, Wiesbaden 2005. KM 2301/02, OB 5293/94, PB 5293/94

War er’s oder war er’s nicht?, fragen sich die Mozart-Forscher angesichts der „Sechs dreistimmigen Präludien und Fugen“ KV404a. Denn ob Wolfgang Amadeus Mozart selbst die Präludien und Fugen Johann Sebastian Bachs und dessen Sohnes Wilhelm Friedemann für Streichtrio bearbeitet hat oder vielleicht ein genialer Zeitgenosse, ist nach wie vor nicht eindeutig geklärt. Für Breitkopf & Härtel ist das jedoch kein Grund, vor einer Neuausgabe des KV404a zurückzuschrecken. Der Neudruck orientiert sich dabei an der 1938 von Johann Nepomuk David veröffentlichten Stimmenausgabe. Nicht übernommen wurden spielpraktische Einrichtungen, die der damaligen Aufführungspraxis entsprachen. Das Notenmaterial ist in zwei Bänden erschienen; zusätzlich zu den Einzelstimmen wurden auch die Partitur und ein Satz für Streichorchester herausgegeben. Die Noten der Einzelstimmen sind sehr groß gedruckt und mit sinnvollen Wendestellen versehen. Dadurch bedingt sind allerdings stark wechselnde Abstände der Notenzeilen.

Rudolf Suthoff-Gross (*1930): Musizieren zu dritt. Kleine leichte Stücke für 3 Violinen/Violen/Violoncelli. Stufen A2. Eine Werkreihe zum Musizieren mit drei gleichen Instrumenten, begründet von Wolfgang Hildemann, herausgegeben von Peter Tonger. 3286-3288. Tonger, Köln 2006

Neue Musik von Anfang an: Mit der Werkreihe „Stufen“ zum Musizieren mit drei gleichen Instrumenten sollen Streicherschüler schon ab dem ersten Unterrichtsjahr nicht nur kammermusikalisches Spiel erleben, sondern nebenbei auch an zeitgenössische Strukturen gewöhnt werden. Nicht umsonst heißt eines der elf kurzen Triostücke „Zwölftöniger Walzer“. Rudolf Suthoff-Gross hat die drei instrumentalen Stimmen in gleicher Schwierigkeit gehalten; oft gehen die Motive durch alle Stimmen. Sich wiederholende Takte sind zur besseren Zählbarkeit mit Nummern versehen. Genaues Zählen steht im Stück „Beifall“ sogar im Mittelpunkt: Hier soll der Umgang mit häufigen Taktartwechseln und Betonungen geübt werden. Sicherheit im rhythmischen Spiel ist also ebenso Voraussetzung wie das Umsetzen verschiedener Stricharten und erste Lagenwechsel. „Musizieren zu dritt“ wurde herausgegeben sowohl für drei Violinen als auch für drei Bratschen oder drei Violoncelli.

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