Ein starker gemeinsamer Auftritt

Zur Länderkonferenz des DTKV 2019 in Frankfurt am Main


(nmz) -
Anfang November trafen sich wie jedes Jahr die Abgeordneten der DTKV-Landesverbände, um über ihre eigene Arbeit zu berichten, sich über Themen von überregionaler Bedeutung zu beraten und gemeinsame Ziele zu formulieren.
Ein Artikel von Ines Stricker

Für die 27. Länderkonferenz des Deutschen Tonkünstlerverbandes stand auch dieses Jahr wieder ein besonders inspirierender äußerer Rahmen zur Verfügung: Der Landesverband Hessen mit seiner Vorsitzenden Heike Schulte-Michaelis lud erstmals in den Flügelsaal des C. Bechstein Centrums Frankfurt ein. Umgeben von Instrumenten der Spitzenklasse erinnerte sich Thomas Heyn in seiner Begrüßungsrede zunächst an eigene Kindheits- und Jugenderfahrungen in der Blüthner-Fabrik seiner Heimatstadt Leipzig.

Dann kam der Vorsitzende der Länderkonferenz mit einer grundsätzlichen Erklärung zu den eigentlichen Themen des Tages: Er bekannte sich zu einem gemeinsamen Einstehen aller Musikfachverbände für angemessene Honorare und eine erhöhte Wertschätzung der professionellen Musikberufe sowie für die Durchsetzung eines hohen Qualitätsstandards innerhalb der Verbände.

Ehrenamt im Verband: Nichts für Einzelkämpfer

Auch in den anschließenden Berichten aus den Ländern ging es um altbekannte Themen und Problemstellungen: Einig waren sich alle Anwesenden, dass eine klare Aufgabenverteilung innerhalb jedes Landes- bzw. Regional- Bezirks- und Ortsvorstandes für eine gelingende Verbandsarbeit unerlässlich ist.

Denn immer noch ruht insbesondere in den Vorständen der kleineren Landesverbände die Last der ehrenamtlichen Verwaltungs- und Außenarbeit auf den Schultern immer derselben wenigen Mitglieder. Hier ist es daher besonders schwierig, mit anderen Fachverbänden und Vertretern der Kultur- oder Kommunalpolitik auf Augenhöhe zu kommunizieren oder Veranstaltungen mit Außenwirkung auszurichten. Die Vorstandsmitglieder der Landesverbände Rheinland-Pfalz, Saarland und Hessen nahmen dies zum Anlass, eine verstärkte Kooperation für Veranstaltungen und Weiterbildungsangebote zu verabreden.

Anschließend referierte Verbandsjustiziar Hans-Jürgen Werner über den neuen Gesetzesentwurf zur Mehrwertsteuer in Anlehnung an die EU-Gesetzgebung (s. a. nmz, Novemberausgabe 2019). Die Problematik sei ernster, als es auf den ersten Blick den Anschein habe. Immerhin wurde § 4 Nr. 21 UStG aus dem ursprünglichen Gesetzesentwurf herausgenommen – und dies sei, erläuterte Werner, das Verdienst der konzertierten Aktion der Musikverbände DTKV, VdM und bdfm unter dem Dach des Deutschen Musikrats. Aber das Gefahrenmoment ändert sich nicht, wenn die Formulierung „der Unterricht muss auf den Beruf vorbereiten“ bestehen bleibt. Hier ist eine Handhabungsverfügung vom Bundesfinanzministerium erforderlich. Diese muss, sobald es entsprechende Formulierungen gibt, genauestens beobachtet, überprüft und ggf. angepasst werden.

Auch die nachgewiesene künstlerische und pädagogische Eignung von Lehrkräften – etwa durch Zeugnisse oder Zertifikate – werde in diesem Zusammenhang absehbar an Bedeutung gewinnen, ergänzte Hans-Jürgen Werner.

Ein neues Gesicht und alte Herausforderungen

Eine Veränderung der Vorstandsbesetzung zeichnete sich dann bei der Wahl des Vorsitzes der Länderkonferenz ab: Thomas Heyn (Brandenburg) wurde nach zwei Jahren im Amt von Heike Schulte-Michaelis abgelöst, der Vorsitzenden des gastgebenden Landesverbandes Hessen. Friederike Leithner (Nordrhein-Westfalen) wurde in ihrem Amt als stellvertretende Vorsitzende bestätigt. Heike Schulte-Michaelis führte danach die Sitzung weiter, die auf der Tagesordnung gleich die nächste Herausforderung bereithielt: Wie unterschiedlich die seit 2012 geplante und 2018 durchgeführte Mitgliederbefragung des DTKV-Bundesverbandes von den Landesverbänden angenommen worden war, zeigte sich in der höchst uneinheitlichen Beteiligung in den einzelnen Ländern.

Da andererseits ein starker gemeinsamer Auftritt des DTKV im Interesse aller Landesverbände liegt, dachten die Anwesenden in einem engagierten und konstruktiven Austausch über eine Neuauflage der Mitgliederbefragung nach. Eine Grundlage bzw. Orientierung dafür soll die aktuelle Mitgliederbefragung des Landesverbandes Bayern zu Honoraren und sozialer Situation bieten.

Konstruktiv und sachlich

Geschlossenheit demonstrierte auch der Bundesfachausschuss Existenzgrundlagen in Musikberufen, der derzeit an einer bundesweiten Honorarempfehlung arbeitet. Zuletzt berieten die Landesvorsitzenden über ein Papier zu Grundsatzentscheidungen und inhaltlichen Schwerpunkten in der Arbeit des Deutschen Tonkünstlerverbandes. Es war bemerkenswert, wie deutlich die Einsicht in die Notwendigkeit eines starken gemeinsamen Auftretens in diesem eifrig, aber sehr sachlich geführten Diskurs spürbar wurde.

Einen eindrucksvollen und berührenden Schlusspunkt setzte an diesem Tag das Mitgliederkonzert des Frankfurter Tonkünstlerbundes, gewidmet dem Andenken an die Reichspogromnacht am 9. November vor 81 Jahren. Zu hören war Musik für Klavier, Flöte und Gesang von Komponistinnen und Komponisten, die auf die ein oder andere Weise an das Schicksal der verfolgten, emigrierten oder ermordeten Juden Deutschlands erinnerte.

 

 

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