Eine Marktlücke ideenreich gefüllt

Eva-Maria Leeb legt bei ConBrio einen stimmigen Band zur Jugendchorleitung vor


(nmz) -
Die Autorin Eva-Maria Leeb ist Dozentin für Kinder- und Jugendchorleitung an der Hochschule für katholische Kirchenmusik in Regensburg und leitet erfolgreich mehrere Kinder- und Jugendchöre, die sie zum Teil auch selbst aufgebaut hat. Ihre Erfahrung in der Praxis und Lehre hat sie in dem vielseitigen Buch „Jugendchorleitung“ verschriftlicht. Herausgekommen ist eine tolle Ideen- und Materialsammlung für Jugendchorleitende.
Ein Artikel von Heike Henning

Im Vorwort schreibt die Autorin, dass es nicht ihr Ziel war, ein Kompendium für den Gesamtbereich der Kinder- und Jugendchorleitung zu schaffen – die Frage wäre ohnehin, ob dies überhaupt möglich wäre und wie lange ein solches so bezeichnet werden könnte? Denn die Chorszene ist sehr in Bewegung, immer wieder aufs Neue im Umbruch und das gefühlt immer schneller. Nicht zuletzt durch die Pandemie wurde deutlich, wie flexibel und dynamisch Chorleitende und Chorsingende sein sollten, um wirklich „am Ball“ zu bleiben. Sie müssen zugleich offen für Neues und experimentierfreudig sein, daneben aber auch verlässlich, konstant und engagiert, Chorleitende zudem am bes­ten noch gut qualifiziert und vielseitig ausgebildet.

Mit dieser Publikation füllt Leeb auch eine Marktlücke, denn es gibt weit mehr Literatur für den Bereich Kinderchor. Jugendliche sind, gemäß ihrer Entwicklung irgendwo zwischen dem, was Singen mit Kindern und dem was Singen in Erwachsenenchören ausmacht. Eine Didaktik der Jugendchorleitung ist daher auch sehr schwer zu formulieren und zu generalisieren. Dennoch bezeichnet Leeb die Arbeit mit Jugendlichen als Herzstück der Chorpraxis und begründet das damit, dass in dieser Zeit am meisten „passiert“. Hierbei bezieht sie sich auf die musikbezogene, körperliche und kulturelle Entwicklung, die es zu begleiten gilt. Darüber ließe sich diskutieren, unbestritten ist jedoch, dass das Jugendalter in der stimmlichen Entwicklung von besonderer, einmaliger Bedeutung ist und es wichtig ist, Menschen in diesem Alter so zu motivieren, dass sie ihr Interesse am Singen im Chor behalten oder vertiefen. Denn Studien zeigen, dass sich zumeist in diesem Lebensabschnitt das nachhaltige Interesse am Chorsingen formt. Es braucht daher qualitative, motivierende Chorangebote – und hierbei kann dieses Buch eine Unterstützung sein.

Im Zentrum des kompakten Buches stehen drei zentrale Kapitel: Organisatorische Strukturen, probenmethodische Aspekte und stimmbildnerische Perspektiven bezogen auf die Altersgruppe der Vierzehn- bis Achtzehnjährigen. Im Kapitel zu organisatorischen Strukturen geht Leeb auf mögliche Altersaufteilungen in der aufbauenden Chorarbeit ein, auf die Rolle der Chorleitung, auf Aspekte des Probenraumes, Netzwerken rund um die Jugendchorarbeit, Marketingstrategien und Teambuilding. Auch sind hier sehr brisante und aktuelle Aspekte wie Digitalisierung und Datenschutz aufgeführt und zum Beispiel auch eine konkrete Kopiervorlage zur Fotonutzung für die Öffentlichkeitsarbeit enthalten.

Das zweite Kapitel zu probenmethodischen Aspekten umfasst Hinweise zur Vor- und Nachbereitung, zum Probenaufbau und zu Einstudierungsmöglichkeiten. Hier werden Zugänge über den Liedtext, die rhythmische Struktur, über stimmbildnerische, akustische, optische und kinetische Einheiten vorgestellt. Dabei wird Leeb der Vielschichtigkeit von Jugendchorleitung umfassend gerecht. Sie illustriert ihre Ausführungen an konkreten Literaturbeispielen, die nachvollziehbar und gut gewählt sind. Das zweite Kapitel wird abgerundet durch Ausführungen zur Mehrstimmigkeit im Jugendchor vor und nach dem Stimmwechsel, zur Solmisation und probenmethodischen Aspekten, die an der Music Learning Theory von Edwin E. Gordon orientiert sind. Leeb stellt die Bedeutung der Entwicklung von musikbezogenen Kompetenzen wie Hörfähigkeit heraus und integriert Methoden, welche die individuelle musikalische Entwicklung der Chorsingenden fördert.

Im dritten Kapitel geht sie auf stimmbildnerische Elemente der Jugendchor­arbeit ein und betont die Bedeutung einer adäquaten Stimmbildungsarbeit, die Leeb in Disposition und Atmung, Stimmtraining (Randstimmenübungen, Resonanzraumerschließung, Vokalausgleich, Stimmraumerweiterung, Intonation) und literaturbezogene Übungen unterteilt. Dass sie vor allem im sakra­len Bereich tätig ist, wird durch die gewählten Literaturbezüge aber auch in den angefügten Literaturempfehlungen deutlich. Dennoch bleibt nicht unerwähnt, dass eine stilistisch vielfältige Literaturauswahl wünschenswert ist, die zur Chorleitung passen sollte. Vor diesem Hintergrund ist die von ihr getroffene Auswahl stimmig – Chorleitende weltlicher Chöre werden die Ideen und Methoden dann eher an anderen Stücken anwenden und umsetzen.

  • Eva Maria Leeb: JugendChorLeitung. Impulse für eine ansprechende und erfolgreiche Jugendchorarbeit, ConBrio, Regensburg 2021, 56 S., Notenbsp., € 22,00, ISBN 978-3-940768-98-8

 

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