Erster Zertifikatskurs Baglama beendet

Neue Wege der Mehrstimmigkeit und des instrumentalen Zusammenspiels


(nmz) -
Pünktlich vor den Sommerferien erhielten 19 glückliche Teilnehmende ihr Zertifikat als Absolventen des einjährigen Lehrgangs aus der Hand des Landesmusikratspräsidenten Reinhard Knoll. Veranstalter war die Landesmusikakademie NRW gemeinsam mit der Hochschule für Musik und Tanz Köln, als Partner wirkten der Landesverband der Musikschulen in NRW und der Landesmusikrat NRW mit. Dieser Artikel gibt einen Überblick über die Inhalte des Lehrgangs und eine subjektive Einschätzung aus begleitender Sicht.
Ein Artikel von Antje Valentin

Die Ergebnisse des Baglama-Kongresses, der im November 2014 in Heek stattfand, stellten die Grundlage für die Planung des Lehrgangs dar. 27 Bewerberinnen und Bewerber interessierten sich für eine Teilnahme, 20 wurden nach Sichtung der eingereichten Videos mit eigenem Instrumentalspiel sowie einer Vorstellungsrunde mit persönlichem Gespräch und einem Test ihrer Blattspielfähigkeiten und Theoriekenntnisse aufgenommen. Zu der sehr gemischten Gruppe im Alter von 16 bis fast 60 gehörte eine weibliche Teilnehmerin, zwei der männlichen Teilnehmer haben keinen türkischen Hintergrund sondern stammen aus Deutschland und Frankreich. Kemal Dinc und Koray Berat Sari lehrten Baglama, Fachdidaktik und Ensemblespiel, Enver Yalcin Özdiker unterrichtete Musiklehre. Diese Fächer stellten den roten Faden des Lehrgangs dar. Hinzu kamen intensive pädagogische Sitzungen unter Leitung von Prof. Dr. Claudia Meyer, Angelika Sheridan und Carmen Heß, das Thema Arrangieren und Zusammenspiel mit anderen Instrumenten ergänzte Henner Diederich. Außerdem gab es Einblicke in Notationsprogramme (Tobias Rotsch), die Berufswelt an der Musikschule (Ruddi Sodemann, Vorsitzender des LVdM NRW) und Berufskunde (Antje Valentin). Im Seminar „Musikregionen der Welt im Überblick“ bei Prof. Dr. Hans Neuhoff, Leiter des Instituts für Weltmusik und transkulturelle Studien an der HfMT Köln, mischten sich an drei Freitagen die Lehrgangsteilnehmer mit angehenden Schulmusikern. Mentoren aus dem Zupfbereich und der Elementaren Musikpädagogik an Musikschulen übernahmen die individuelle Betreuung durch Hospitationen in ihrem Unterricht und Unterrichtsbesuche bei den Teilnehmenden. Hausaufgaben in Musiklehre, eine Arbeit zur Unterrichtsplanung sowie einer Reflexion des daraus resultierenden, per Video dokumentierten Unterrichts reichten die Teilnehmer als schriftliche Arbeiten ein. Zudem gab ein Abschlusskonzert an der Landesmusikakademie NRW Gelegenheit, solistisch oder in der Gruppe aufzutreten.

Aus meiner Sicht als Planende und Organisierende in diesem Lehrgang habe ich voller Hochachtung das enorme­ Engagement der Teilnehmenden beobachtet. Das nur ein einziger Teilnehmer nicht das Zertifikat erreicht hat – und auch das nur, weil er seine rege Konzerttätigkeit in Deutschland und der Türkei zeitlich nicht mit dem Lehrgang verbinden konnte – hätte ich nicht erwartet. Zudem ist aus dem sehr heterogenen Teilnehmerkreis eine Gruppe geworden, die mit gegenseitiger Wertschätzung zusammen gearbeitet hat und sich einander sehr öffnete. Ein Schlüsselerlebnis war eine Sitzung in Köln, in der Angelika Sheridan ermöglichte, dass ein Improvisationsorchester aus Studierenden und Musikschulschülern vor Ort war, mit dem die Lehrgangsteilnehmer gemeinsam musizierten und in dem sie von Kindern als Leiter des improvisierenden Orchesters dirigiert wurden. Eine eindrückliche Erfahrung, die Aha-Erlebnisse bescherte. Ein anderes Schlüsselerlebnis war das Abschlusskonzert in Heek, in dem die Teilnehmer und Dozenten sowohl traditionelle Musik aus verschiedenen Regionen – auch mit Gesang oder Duduk – aufführten als auch eigene Kompositionen. Darunter ein Stück, das auf einem Gedicht von Paul Celan beruhte, beeindruckend auf der Baglama musiziert und auf Deutsch gesungen. Auch eine jazzig beeinflusste Eigenkomposition eines Baglama-Duos bereicherte das Programm, das dadurch eine enorme Spannweite erhielt. Eine großartige Erfahrung, wie einerseits der große Reichtum der Musik aus den sieben Hauptregionen der Türkei im Lehrgang planmäßig seinen Niederschlag fand, andererseits aber auch ganz neue Wege der Mehrstimmigkeit und des Zusammenspiels mit anderen Instrumenten beschritten wurden. Auch für das Team der Landesmusikakademie NRW waren die neuen Gäste eine Bereicherung, insbesondere wenn abends im Burgkeller Lieder aus der Türkei, Armenien und Kurdistan erklangen. Inzwischen gibt es Impulse der Absolventen, auch weiterhin als Gruppe musikalisch zu arbeiten und weiter zu lernen. Der Lehrgang wurde durch das Kulturministerium NRW, die Stiftung Kunst, Kultur und Soziales der Sparda-Bank West, die Werner-Richard – Dr. Carl Dörken Stiftung und die Fördergesellschaft der Landesmusikakademie NRW gefördert.

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