Es ist möglich – Musik ohne Fußball

Garantiert EM-freie Neuveröffentlichungen aus der Popbranche im Juli


(nmz) -

Nach Wochen der platten EM-Hits und notdürftig auf Fußball gebürsteten Gassenhauer scheint Rettung in Sicht. Fünf mehr als ordentliche Platten, deren Genres jedem Popfan gefallen sollten. Den Anfang machen alte Bekannte, nämlich die Schmuseritter von Chicago, die sich irgendwie dann doch zurückmelden. Und zwar mit dem sagenumwobenen Album „Stone of Sisyphus XXXII“. Lange galt es als nie veröffentlichtes, streng geheimes Album, dessen Inhalt nur in Fragmenten an die Öffentlichkeit gelangte. Nun gibt es den Erguss in voller Pracht, dazu noch vier Bonustracks. Man darf festhalten, dass Chicago tatsächlich mal unschwülstige Musik machten, deren Wurzeln klar im funkigen Groove verhaftet waren. Ein durchaus nostalgisches Album, dessen Kraft auch ohne den drapierten „Top Secret“-Status Bestand hätte.

Ein Artikel von Sven Ferchow

Ein interessantes Stück Musik ist die Kompilation Earthgrooves 2. Denn: Jeder hat es schon getan, auf Pro 7 oder N24 die Bilder der ferngesteuerten Kameras von EarthTV aus allen Erdteilen und Städten der Welt zu verfolgen. Und ganz nebenbei Fluchtpläne zu schmieden. Begleitet werden die Bilder seit vielen Jahren von eloquenter Musik. Unaufdringlich, sehnsüchtig und dabei offensichtlich Zielgruppen übergreifend zeitgemäß. Oma, Eltern und Kids scheinen der Musik, die von den Musikproduzenten Christian Hamm und Alain Bertoni entwickelt wurde, einiges abgewinnen zu können. Zusammen mit mehr als 100 Musikern aus 15 Ländern produzierten sie Musikstücke. Eine kleine Selektion ist auf „Earthgrooves 2“ zu hören. Eine vorzügliche Mischung aus Soundtrack und Ambient.

Wer auf den amerikanischen Singer/Songwriter John Mayer steht, dem wird das DVD/CD Live-Paket gerade recht kommen. 22 Songs hat er dafür ausgewählt. Das Besondere: Mayer spielte drei Konzerte nacheinander in verschiedenen Konstellationen. Soll heißen: erst ein Akustikauftritt, dann ein Trioauftritt und zu guter Letzt die komplette Band. Spannende Geschichte, in Ton und Bild auch brillant umgesetzt. Verantwortlich für das gute Bild ist unter anderem der Regisseur Danny Clinch, der bereits Bruce Springsteen, Pearl Jam oder Foo Fighters gekonnt ablichtete. Klare Kaufempfehlung, letztendlich auch weil John Mayer ganz hervorragende Songs schreiben kann und auch live keine peinliche, sondern eine famose Figur abgibt. Verpflichtendes Lehrbuchmaterial für angehende Songwriter mit tendenziell kommerziellen Interessen.

Vorsicht ist ja stets bei instrumentalen Alben geboten. Zu oft wird die Wiederholfunktion des Computers benutzt, sodass am Ende mehr Suppe denn Braten auf den Tisch kommt. Anders dagegen: Strings of Consciousness mit ihrem Album „Fantomastique Acoustica“. Reizvolle Töne, Spannungsbögen, Geräusche, Stimmen, Effekte und zahlreiche Instrumente wurden effektvoll aber harmonisch untereinander vermengt. Obwohl Ruhe und Langsamkeit Trumpf sind, entstehen nie Löcher der Langeweile oder Beliebigkeit. Schön auch, dass es bei Strings of Consciousness nicht ums penible Verschieben von Tonspuren geht, sondern dass jeder Song einem roten Faden folgt. Keine Verschachtelungen, keine Frickeleien. Nur ein sehr angenehmer Soundtrack zum Lebensfilm.

Ein weiteres großartiges und in diesem Fall letztes Album seiner Kalifornien-Trilogie stellt das Songwriter-Musketier Ry Cooder vor. Großartige Einflüsse pflastern Cooders Highway: Von Country über Western, von Folk über Blues oder von Pop über Truckermusik ist die gesamte Bandbreite eines typischen amerikanischen Songschreibers eindrucksvoll abgedeckt. Wunderbare, zeitlose Songs, die man mit einem schlichten „Danke“ kommentieren sollte.

Diskographie
Chicago – Stone of Sisyphus XXXII (27.6.2008, Warner)
V.A.– Earthgrooves 2 (23.05.2008, Alive)
John Mayer – Where the light is (4.7.2008, SonyBMG)
Strings of Consciousness – Fantomastique Acoustica (20.6.2008, Stilll/Off)
Ry Cooder – I, Flathead (27.06.2008, Warner)

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