Exzeptionell (Hans-Dieter Grünefeld)

Tonträger-Bilanz 2017 – der persönliche Jahresrückblick der nmz-Phonokritiker


(nmz) -
Wenn Musik nicht nur hervorragend gespielt wird, sondern darüber hinaus einen bisher unerhörten Kosmos erschließt, kann man mit Berechtigung sagen, sie sei exzeptionell. Wie die Edition György Kurtág: Sämtliche Werke für Ensemble & Chor (ECM, 3 CD-Set), denn Perfektion mit Strenge anzustreben, charakterisiert den bedeutendsten lebenden Repräsentanten zeitgenössischer ungarischer Musik. Zur akkuraten Interpretation seiner aphoristischen, zumindest extrem reduzierten Kompositionen ist die Beachtung jedes Details essentiell. Dafür hat er in Reinbert de Leeuw, dem Niederländischen Radio Chor und dem Asko Ensemble kongeniale Partner gefunden.
Ein Artikel von Hans-Dieter Grünefeld

Gleiches gilt für die Jazz Bigband Graz, wenn sie „True Stories“ (Natango Music) erzählt, für die Multiinstrumentalist und Vokalist Horst-Michael Schaffer mit Referenzen zu Poemen unter anderem von Shakespeare swingende Tableaus komponierte. Allerdings oft wie symphonische Klangkostüme gefügt, werden statisch-idyllische Akkordgewebe von Ostinato-Rockgrooves in Bewegung gebracht oder schöne Musicalmelodien solistisch-expressiv aufgebrochen. In entwickelndem Stil sprießen aus motivischen Keimen sukzessive ganze Bouquets, sodass jede Geschichte eigenes Kolorit hat. Das sind, neben vielen nicht genannten, exzeptionelle Modelle zeitgenössischer Musik.

Die Franui Musicbanda aus Tirol hat sehr eigenwillige Vorstellungen vom „Tanz! (Franz)“ (col legno). Authentisch überlieferte alpine Tänze gibt es nicht (mehr), also notieren Andreas Schett und Markus Kraler, verantwortlich für Repertoire und Recherche, erfundene „Originale“ – wie aus der Erinnerung angeweht. In Pasticcio-Methode entstand so ironisch Vertrautes, etwa ein vielfach Zwiefacher Tanzmodus, in vollem Brass-Sound und eklatanten Zither-Kontrasten sowie kompilierte Schubert-Werke als Alpenereignis. Ihre Fantasie akzeptiert zum Vergnügen des Publikums keine Grenzen, nur der gute Geschmack und das musikalische Niveau bleiben stets gewahrt.

In diesem Sinn interpretiert und arrangiert das Berlage Saxophone Quartet „In Search Of Freedom“ (MDG) ausgesuchte Kompositionen des 20. Jahrhunderts in seiner Façon neu, nämlich den „Kanonen-Song“ von Kurt Weill, die „Fratres“ von Arvo Pärt, ein Streichquartett von Dmitri Schostakowitsch und eins von Erwin Schulhoff sowie die Orchester-Suite von Hanns Eisler, und zwar mit dem Impetus, sich von Klischees zu emanzipieren. Bravo!

Gleiches gilt für die Jazz Bigband Graz, wenn sie „True Stories“ (Natango Music) erzählt, für die Multiinstrumentalist und Vokalist Horst-Michael Schaffer mit Referenzen zu Poemen unter anderem von Shakespeare swingende Tableaus komponierte. Allerdings oft wie symphonische Klangkostüme gefügt, werden statisch-idyllische Akkordgewebe von Ostinato-Rockgrooves in Bewegung gebracht oder schöne Musicalmelodien solistisch-expressiv aufgebrochen. In entwickelndem Stil sprießen aus motivischen Keimen sukzessive ganze Bouquets, sodass jede Geschichte eigenes Kolorit hat. Das sind, neben vielen nicht genannten, exzeptionelle Modelle zeitgenössischer Musik.

 

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