Facettenreich, vielfältig, bunt

Akademie der Kulturellen Bildung fächert das Spektrum Rhythmik auf


(nmz) -
Musik, Bewegung, Stimme und Sprache verbinden, lautet das Motto der Tagung „Spektrum Rhythmik“, die vom 1. bis 3. März 2019 an der Akademie der Kulturellen Bildung in Remscheid das breite Feld der Rhythmik beleuchtet. Neben fachlichem Austausch soll sie Einblicke in die künstlerische, wissenschaftliche und pädagogische Praxis ermöglichen. Barbara Schultze, Leiterin des Fachbereichs Rhythmik an der Akademie der Kulturellen Bildung, über Impulse, Potentiale und Herausforderungen der Rhythmik.
Ein Artikel von Barbara Schultze, Torsten Schäfer

Torsten Schäfer: Mit Spektrum Rhythmik veranstaltet die Akademie der Kulturellen Bildung im März 2019 eine Tagung, die sehr breit aufgestellt ist. Warum der weite Blick?

Barbara Schultze: Rhythmik kann in ihrer Facettenhaftigkeit in sehr viele Bereiche hineinwirken. Sie ist keine rein im musikpädagogischen Bereich angelegte Methode, sondern sie kann in der allgemeinen Pädagogik bis zur Sonderpädagogik, in künstlerischen Arbeiten, der Musiktherapie oder in ganz anderen Kontexten stattfinden. Die Tagung lädt dazu ein, sich ein Bild zu schaffen, sich über das breite Spektrum auszutauschen und neue Impulse zu erhalten. Wir haben ein sehr umfangreiches, miteinander verzahntes Vortrags- und Workshop-Programm zusammengestellt, bei dem die Besucher/-innen praktische Erfahrungen für ihre jeweilige Klientel sammeln können. Man kann quasi einen kleinen pädagogischen Rucksack aus dem „Spektrum Rhythmik“ mitnehmen.

Schäfer: Welche Gebiete deckt die Tagung unter anderem ab?

Schultze: Es geht quer durch die Zielgruppen: Grundschule, Jugendliche, Erwachsene. Zum Beispiel mit der Frage, wie Rhythmik in der Sozialen Arbeit verankert werden kann, wie man Prozesse und Interaktionen stützt oder in Gang bringt. Oder auch, wie Menschen mit Hörschwierigkeiten durch Rhythmik erreicht werden können.

Schäfer: Wie gehen Sie bei der Tagung mit gesellschaftlichen Herausforderungen wie Inklusion und Teilhabe um?

Schultze: Es sind Herausforderungen, die immer mitgedacht werden, selbst wenn es in einem Workshop nicht ausdrücklich erwähnt wird. Wir sind in der Rhythmik immer mit der Grundhaltung der Partizipation und des integrierenden Moments unterwegs. Wir arbeiten konkret mit der Gruppe, die gerade vor uns steht, und setzen bei ihren Fähigkeiten und Fertigkeiten an. Das setzt einen offenen und flexiblen Blick voraus.

Schäfer: Was sind bei diesem Ansatz die größten Herausforderungen?

Schultze: Wir müssen die unterschiedlichen Ressourcen der Einzelnen so ausbalancieren, dass wir gemeinsam weiterkommen. Durch ein Medium wie Musik können wir solchen unterschiedlichen Voraussetzungen und Interessen der Menschen begegnen. Die Chance liegt darin, dass wir durch Musik nicht sprachlich gebunden sind, sondern sehr stark nonverbal agieren können. Wir können über Körper oder Material arbeiten. Das sind Medien, die geeignet sind, in Interaktion zu treten und in ein Miteinander zu kommen, um dabei individuelle Entwicklungsräume zu öffnen.

Schäfer: Sie nehmen bei der Tagung auch die künstlerische Seite in den Blick. Wie wichtig ist der Austausch zwischen Kunst und Pädagogik?

Schultze: Jede pädagogische Arbeit in diesem Bereich hat prinzipiell ihren künstlerischen Anteil und braucht ihn. Künstlerisches Durchdringen des Faches wirkt sich auf die Art der Pädagogik aus und ist unabdingbar. Gerade Interessierten, die sich ganz neu für den Bereich Rhythmik entscheiden, möchten wir diesen Aspekt vermitteln. Häufig ist die rein pädagogische Schiene die denkbare und vielleicht bekanntere Möglichkeit, Rhythmik einzusetzen. Uns ist wichtig zu zeigen, dass sie aber die künstlerische oder gestalterische Komponente braucht und wie diese aussehen kann.

Schäfer: Dafür haben Sie Studierende der Rhythmik eingeladen, die bei „Spektrum Rhythmik“ Einblicke in den kreativen Prozess geben.

Schultze: Die Studierenden werden erzählen, was hinter ihrer künstlerischen Arbeit steckt, wie sie auf Themen kommen und wie sie diese bearbeiten. Das ist etwas, was bei Tagungen sonst selten der Fall ist. Normalerweise steht nur das Produkt im Vordergrund. Aber nicht, wie es dazu kommt und wie die Wege der künstlerischen Auseinandersetzung aussehen. Hier wollen wir tiefere Einblicke ermöglichen. Dieser Austausch und Blick in die künstlerische Ebene hinein ist ganz wichtig und ein Impulsgeber.

Schäfer: Vor welchen künftigen gesellschaftlichen oder künstlerischen Herausforderungen steht die Rhythmik, die sich in den Themen der Tagung spiegeln?

Schultze: Natürlich sitzt auch die Rhythmik im Boot mit all den kulturellen Methoden, die eine Antwort auf die gesellschaftlichen Herausforderungen geben sollen. Rhythmik ist ein sehr breit angelegtes, eigenständiges Fach. Im Bereich der Musik- und Bewegungspädagogik ist sie eine kreative und zugleich traditionsreiche Methode mit vielschichtigen Herangehensweisen, die weltweit unterrichtet wird. Wir müssen sie in interdisziplinäre Vernetzung bringen, um im musik- und bewegungspädagogischen Feld zukunftsweisend und innovativ zu wirken.

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