Gegensätze und Volkstöne

Die Kölner Vokalsolisten feiern ihr zehnjähriges Bestehen


(nmz) -
Manchmal entstehen aus einem Zufall heraus die besten Dinge. So in der Art kann man dies wohl auch von dem inzwischen renommierten und äußerst gefragten Vokalensemble „Kölner Vokalsolisten“ behaupten, das in diesem Jahr mit einem Konzert sein zehnjähriges Bestehen gefeiert hat.
Ein Artikel von Verena Düren

Die Gründung des Ensembles 2007 geschah quasi ‚auf Anfrage‘ und aus einem konkreten Anlass heraus: Für die MusikTriennale sollte ein Hochschulensemble für die Aufführung von Luciano Berios „Canticum novissimi testamenti“ gefunden werden. Fabian Hemmelmann, der heute das einzige noch verbliebene Gründungsmitglied des Ensembles ist, überzeugte den damaligen Chorleitungsprofessor der Kölner Hochschule, Marcus Creed, sich des Projekts anzunehmen und mit dem Ensemble aus Sängern und Dirigenten das Werk einzustudieren. Ein weiteres Konzert, das zudem in Eigenregie organisiert wurde, fand kurze Zeit später in der Kunststation St. Peter statt und wurde zu einem großen Erfolg.

Von da an lag der Schwerpunkt auf der zeitgenössischen Musik und zunehmend formte sich auch das heutige Kern-Ensemble der Kölner Vokalsolisten, bestehend aus Julia Reckendrees (Sopran), Dominique Aline Bilitza (Mezzosopran), Alexandra Thomas (Alt), Leonhard Reso (Tenor), Fabian Hemmelmann (Bariton) und Christian Walter (Bass). Bereits von Beginn an arbeitete das Ensemble mit Spezialisten für Neue Musik zusammen, so mit Philipp Ahmann, der heute den NDR Chor leitet und Michael Ostrzyga, dem Kölner Universitätsmusikdirektor als Dirigenten, und immer stärker auch mit Komponisten, deren Werke die Kölner Vokalsolisten erstmals zu Gehör brachten. Die Beliebtheit, derer sich das Ensemble bei zeitgenössischen Komponisten erfreut, ist ein weiterer Beleg für seine Qualität, ebenso wie das inzwischen regelmäßige Engagement des Ensembles bei dem wohl wichtigsten regionalen Festival für zeitgenössische Musik: „Acht Brücken“.

Ein Markenzeichen des Ensembles sind die genauestens konzipierten Programme, die sich zunehmend auch mit der Gegenüberstellung von zeitgenössischer und Alter Musik beschäftigen. Ein Beispiel hierfür ist auch die mit Michael Ostrzyga konzipierte Konzertreihe „Gegensätze“, die von 2013 bis 2015 in Köln stattfand. Köln hat sich von Anfang an als Hauptwirkungsstätte der Sänger herauskristallisiert – Stammsänger Fabian Hemmelmann führt diesen Umstand zwar vor allem auf die zahlreichen anderen Verpflichtungen aller Sängerinnen und Sänger zurück, die es schwer möglich machen, als geschlossene Gruppe eine ganze Konzerttournee durchzuführen, jedoch dürfte die Musikstadt Köln mit ihrer aktiven freien Musikszene und den besonderen Schwerpunkten der Neuen Musik und der Alten Musik auch ein besonders guter Nährboden gewesen sein.

Auch anderweitig hat das Ensemble in Köln ganz klar seine Heimat gefunden: mit einem ungewöhnlichen Konzertformat, „Kölner Vokalsolisten am Mittag“, ist das Ensemble seit inzwischen drei Jahren monatlich in der Kirche St. Andreas präsent. In diesem musikalischen Zuhause fand dann natürlich auch das Geburtstagskonzert des Ensembles statt, das sehr gut besucht war und viele Freunde und Unterstützer des Ensembles angezogen hatte. So wie das Publikum an dem Abend einen Querschnitt durch den Werdegang des Ensembles repräsentierte, so gestaltete sich auch das Programm als ‚Best of‘ durch die vielen sorgfältig konzipierten Programme der Kölner Vokalsolisten. Auf Madrigale des 16. Jahrhunderts und zeitgenössischer Komponisten folgten Stücke aus dem sehr erfolgreichen Shakespeare-Programm des Ensembles. Die Auszüge aus dem Programm „Volkstöne“, die an diesem Abend erklangen, waren zugleich Rück- und auch Ausblick, denn nach dem großen Erfolg von 2011 wird es im November 2017 neue „Volkstöne“ geben.

Gespickt war der Abend mit – wie könnte es anders sein – drei Uraufführungen von Martin Wistinghausen, Kent Gabler und Jan-Hendrik Herrmann sowie zahlreichen Werken, die das Ensemble in den letzten Jahren in Auftrag gegeben hat. Durchgehend überzeugten die Kölner Vokalsolisten mit absoluter Tonsicherheit und ausgewogenem Ensembleklang, unabhängig von Schwierigkeitsgrad und Epoche. Erneut bestätigte sich, was auch 2016 ein Kollege der Presse schrieb: „Was die Sänger hinsichtlich stimmlicher Homogenität und Virtuosität, der Klarheit der Artikulation, Flexibilität und deklamatorischen Schärfe boten, zeugte nicht nur von perfekter Gesangskultur, sondern zugleich von einer tiefen Affinität zu den Musikepochen, zu deren struktureller und klanglicher Vielfalt.“ (Rhein Lahn Zeitung, 24.1.2016). Das Geburtstagskonzert, das auch die Musiker selbst nicht kalt ließ, endete mit einigen Lieblingswerken: Brahms‘ „Nachtwache“, „Unser lieben Frauen Traum“ von Max Reger und schließlich als Zugabe Josef Rheinbergers „Abendlied“.

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