Gemeinsam!

Die Zusammenarbeit der Musikschule Hemhofen mit der Hochschule für Musik Nürnberg


(nmz) -
Nach langem Warten konnte die Musikschule Hemhofen am Sonntag, den 3. April 2022, endlich wieder in Zusammenarbeit mit Studierenden der Hochschule für Musik Nürnberg das alljährliche Gemeinschaftskonzert ausrichten.
Ein Artikel von VBSM

Warum ein solches Gemeinschaftskonzert in Hemhofen? Musikschulleiterin Sarah Szarek schätzt die Zusammenarbeit mit der Hochschule für Musik Nürnberg sehr. Für sie stehen ihre Musikschüler*innen im Vordergrund: Durch das jährliche Gemeinschaftskonzert wird ein Konzerterlebnis mit hohem musikalischen Niveau nach Hemhofen gebracht, das für viele Menschen im ländlichen Raum sonst mit längeren Fahrtwegen verbunden ist. Weiterhin birgt der Austausch zwischen Musikschule und Musikhochschule ein hohes Potential. Die Musikschüler*innen haben die Möglichkeit, ein Niveau an Konzertmusik zu erleben, das für sie in ihrem Leistungsstand ein großer Ansporn sein sowie die eigene Motivation fördern kann. Sie bekommen ein Gefühl dafür, welche Zielniveaus erreichbar sind und können sich mit den Studierenden über das Studium an einer Musikhochschule austauschen. Musikschüler*innen wie auch Studierende der Musikhochschule werden durch das Musizieren eines gemeinsamen Stücks aktiv in Verbindung gebracht – dabei wird ein musikalisches Niveau gewählt, auf dem alle beteilig­ten Musiker*innen mithalten können. Die Studierenden lernen im Gegenzug den oftmals zukünftigen Arbeitsort „Musikschule“ kennen, mit seinen örtlichen Gegebenheiten sowie seiner Schüler*innenschaft. Ebenso wird ihnen Raum gegeben, ein eigenes Konzertprogramm zu organisieren, zu moderieren und zu präsentieren – als Unterhaltungsprogramm für die Gäste sowie alle Akteure der Musikschule Hemhofen.

Eine solche Zusammenarbeit besteht zwischen einigen Musikschulen und Musikhochschulen, was der VBSM sehr begrüßt. Ein großes Ziel des Bayerischen Musikschulverbandes ist es, die Zusammenarbeit zwischen Hochschulen und Musikschulen grundlegend zu stärken sowie auszubauen. Dieses Bestreben wird beim diesjährigen Bayerischen Musikschultag in Lauf a. d. Pegnitz im Rahmen des Forums am Freitagnachmittag weiterverfolgt: Musikschulleiter*innen, Vertreter*innen der Musikhochschulen aus München, Nürnberg, Würzburg und dem LMZ in Augsburg sowie Studierende treffen sich öffentlich zu einem Austausch, der Leitfragen klären, sowie Bedingungen der Zusammenarbeit beider Bildungsinstitutionen diskutieren soll. Was muss eine Hochschule leisten, damit die Lehrkräfte optimal auf die Arbeit an einer Musikschule vorbereitet sind? Was können im Gegenzug die Musikschulen leisten, um Studierenden wie auch Berufseinsteiger*innen effizient zur Seite zu stehen? – Musikhochschulen und Musikschulen haben hohe Anforderungen an die jeweils andere Institution: Die Musikschulen erwarten gut ausgebildetes Lehrpersonal von den Musikhochschulen, welches nicht nur künstlerische, sondern vor allem pädagogische Expertise mitbringt. Die Musikhochschulen bauen im Gegenzug auf den Zulauf der besten Schüler*innen der Musikschulen, die ein musikalisches Studium absolvieren möchten. Es stellt sich also auf beiden Seiten die Frage: Was müssen wir gemeinsam leisten und wie schaffen wir das?

Ein zu diskutierendes Themenfeld für die Musikhochschulen ist es, die Dozierenden zu sensibilisieren, um die angehenden Musikpädagog*innen so realitätsnah wie möglich auszubilden. Dabei ist es wichtig, die Bereiche der künstlerischen und pädagogischen Ausbildung in Balance zu halten aber auch Praktika im späteren Berufskontext in die Ausbildung zu integrieren. Dieser Gedanke ist wiederum die Schnittstelle zur Musikschule, die als musikpädagogische Bildungseinrichtung wie auch zukünftiger Arbeitgeber Studierenden die Möglichkeit geben kann, praxisnah Erfahrungen für den späteren Berufsalltag zu sammeln. Dies stellt die Musikschulen vor eine große Herausforderung: Dieser neue, zusätzliche Zuständigkeitsbereich im Musikschulbetrieb muss personell wie auch finanziell abgedeckt und integriert werden. Gerne möchte sich der VBSM gemeinsam mit den Musikschulen und Musikhochschulen dieser Herausforderung stellen, um die Schnittstellen wie auch Wechselwirkungen beider musikpädagogischen Bildungsinstitutionen zu ihrem beidseitigen Vorteil auszuschöpfen, um im Ergebnis die musische Bildungslandschaft nachhaltig zu bereichern.

So steht das Gemeinschaftskonzert in Hemhofen wohl als einer von mehreren kleinen Vorboten erfolgreicher, gewinnbringender Zusammenarbeit, die – in diesem Fall – schon seit drei Jahren Bestand hat. Gemeinschaftlich wurde das Konzert in zwei Hälften geteilt. Den ersten Teil des Konzertes gestalteten die Musikschüler*innen der Musikschule Hemhofen abwechslungsreich: Vom Juniororchester unter der Leitung von Leonhard Meisinger über das Jugendblasorchester unter selbiger Leitung bis hin zur Rockband, die gemeinsam mit ihrem Lehrer Stefan Distler weltbekannte Songs zum Besten gab. Ein extra für diesen Anlass zusammengestelltes Querflötenensemble, geleitet von Musikschulleiterin Sarah Szarek und ihrer Kollegin Anna Maiershofer sowie ein solistischer Beitrag von Joshua Mennecke (Klavier) und Julian Heinrich (Klarinette) sorgten für große Begeisterung: Alle bewiesen souverän ihr musikalisches Geschick.

Sarah Szarek übernahm die Moderation, wobei sie erfrischend motiviert durch das vielfältige Programm führte. Vor der Pause sammelten sich alle mitwirkenden Musiker*innen zu einem Gemeinschaftschor auf und neben der Bühne, um geschlossen die ukrainische Nationalhymne zu spielen. Damit sollte ein solidarisches Zeichen gesetzt werden, was bei allen Anwesenden für Ergriffenheit sorgte –
gefolgt von einem Moment der Stille.

Die zweite Hälfte wurde von Studierenden der Hochschule für Musik Nürnberg gestaltet. Prof. Christoph Braun, Dozent für Trompete, reis­te mit fünf Student*innen aus dem Blechbläserbereich an, um Hemhofen ein einmaliges Konzerterlebnis auf höchstem Niveau zu bieten. Trompeten, Horn, Posaune sowie Tuba spielten mit viel Leidenschaft ein buntgemischtes Programm von Renaissance-Tänzen, über Filmmelodien bis hin zur Polka. Der Auftritt der Tuba als Soloinstrument war eines der Highlights: Der Student Christian Freimuth überzeugte die Zuhörer*innen mit dem „Tubamuckl“, bekannt für Klarinette, von seinem Können. Die knapp 250 Zuhörer*innen, unter anderen Ehrengäste, Eltern und Großeltern, genossen das langersehnte Konzert in vollen Zügen; sie bedankten sich bei allen Mitwirkenden mit tosendem Applaus. Dank der großzügigen Unterstützung durch die Kreissparkasse Erlangen-Höchstadt Herzogenaurach konnte das außergewöhnliche Gemeinschaftskonzert zusammen mit dem Blechbläserquintett der Hochschule für Musik Nürnberg finanziert werden.

Sarah Szarek ist dankbar für die erfolgreiche Zusammenarbeit mit allen engagierten Akteuren, die auch dieses Jahr das Gemeinschaftskonzert zu einer rundum gelungenen Umsetzung gebracht haben. 

 

 

 

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