Gemeinsames Projekt: „Klasse, wir singen!“

Landesmusikrat, Chor- und Kirchenmusikverbände, Stiftung Herzenssache und LMA Ochsenhausen


(nmz) -
„Singen macht Spaß, Singen tut gut, ja, Singen macht munter und Singen macht Mut!“. Dieser beliebte Kanon von Uli Führe ist gleichsam das Motto für das Projekt „Klasse, wir singen!“. Betrachtet man die musikpädagogischen Publikationen der letzten Jahre, so entsteht der Eindruck, dass schulisches Singen wieder an Bedeutung gewinnt.
Ein Artikel von Klaus K. Weigele

Auch die Erfahrungen aus unserer täglichen Fort- und Weiterbildungsarbeit bestätigen diese Entwicklung. Die Gründe dafür sind vielfältig und ebenso regional verschieden. So haben unter anderem verschiedene neue pädagogische Konzepte wie „Singeklasse“ oder „Chorklassenmodell“, „Jedem Kind seine Stimme“ und viele andere innovative Modelle zur Stärkung des Singens innerhalb des Klassenverbandes oder der Schule geführt. Ebenso hat sich in den letzten Jahren auch das Lied-Repertoire gewandelt. Mit einer neuen Generation von Musikpädagogen und Komponisten, die selbst ausreichend Erfahrung in populären und klassischen Musikstilen haben, sind eine Vielzahl an neuen, attraktiven Liedern und Chorstücken entstanden, die Kindern Spaß machen. Gerade dieser unverkrampfte Umgang mit musikalischem Repertoire, fern von ideologischem Balast und getragen von einer liberaleren Musikästhetik lassen entsprechende Stücke entstehen, die eine sehr positive Wirkung auf das gemeinsame Singen haben, welche dann auch durch neue Aspekte wie Körperperkussion, Vokalperkussion, szenische Elemente und Bewegungsaspekte ergänzt werden.

Alle diese verschiedenen musikpädagogischen Maßnahmen werden durch eine Vielzahl von wissenschaftlichen Veröffentlichungen flankiert, die die positiven Auswirkungen des Singens und des Musizierens auf die gesunde psychische, physische und soziale Entwicklung des Kindes herausstellen. Einige Aspekte seien kurz genannt: Die positiven Effekte im Bereich der Persönlichkeitsentwicklung, der Sprachentwicklung und des Spracherwerbs, der kognitiven, koordinativen und emotionalen Entwicklung sowie die positiven Einflüsse auf die physische und psychische Gesundheit. Gerade auch im Hinblick auf den Spracherwerb im Kindergarten, aber auch das fremdsprachliche Lernen im Rahmen der Grundschule kommt dem Singen zentrale Bedeutung zu (vgl. Ernst W. Weber, Die vergessene Intelligenz, Zürich 1999). All diese wissenschaftlichen Erkenntnisse bestätigen das oftmals intuitive Gefühl vieler Musikpädagoginnen und Musikpädagogen, dass Singen, Tanzen und Musizieren den ihnen anvertrauten Kindern einfach gut tut und darüber hinaus für die Kinder eine elementare Form der Selbstdarstellung bedeutet.

Um die oben dargestellten positiven Entwicklungen zu verstetigen, hat sich der Landesmusikrat, die Chor- und Kirchenmusikverbände in Zusammenarbeit mit der Landesakademie Ochsenhausen zum Projekt „Klasse, wir singen!“ entschieden, da leider mehrere Aspekte zu einem Ende der dargestellten Entwicklung führen können. So droht aufgrund von Pensionierungen ein tiefgreifender Aderlass von erfahrenen Musikpädagoginnen und Musikpädagogen in der Grundschule. Leider wächst der qualifizierte Nachwuchs nicht in dem Maße nach, wie er auf der anderen Seite die Schule verlässt. Parallel zu dieser Entwicklung hat in den letzten Jahren die Zahl von Chören an der Grundschule in Baden-Württemberg abgenommen. So zeigen Stichproben in einzelnen Regierungsbezirken des Landes, dass nur noch zirka ein Drittel der Grundschulen über einen Grundschulchor verfügen. Vor dem Hintergrund der anstehenden Pensionierungen ist davon auszugehen, dass sich die Zahl der Chöre in den nächsten Jahren nochmals verringert. Aufgrund dieser Entwicklung haben viele Kinder gar keine Möglichkeit mehr, Erfahrungen im Chorsingen zu sammeln. Diese Tendenz muss umgedreht werden, vor allem vor dem Hintergrund der positiven Aspekte für die Entwicklung des Kindes, welche zu Anfang genannt wurden.

Mit dem Projekt „Klasse, wir singen!“ nimmt sich der Landesmusikrat Baden-Württemberg dem drohenden Problem an. Interessierte Schulen können sich beim Landesmusikrat melden, wenn sie einen Kinderchor an ihrer Schule installieren wollen. Der Landesmusikrat vermittelt aus seinen ihm angeschlossenen Chor- und Kirchenmusikverbänden qualifizierte Kinderchorleiter, welche in der Nähe der Schule wohnen. Allen Beteiligten ist dabei eine ortsnahe Lösung für die Nachhaltigkeit des Projektes wichtig. Finanziell wird dieses Projekt von der Stiftung Herzenssache des SWR/SR getragen. Um die Qualität der Maßnahme zu gewährleisten, können die beteiligten Chorleiterinnen und Chorleiter mehrere Fortbildungen an der Landesakademie Ochsenhausen besuchen. Dabei werden spezifische Themen wie der Umgang mit der Kinderstimme. Liedrepertoire einschließlich Spiel- und Tanzlieder, Liederarbeitung, Stundenaufbau, Singen und Bewegen, Wahrnehmung und bewusstes Hören, Einsatz von Instrumenten, Methodentraining, Elternarbeit, Organisation innerhalb des Schulalltags und vieles andere mehr vermittelt. Wichtig dabei ist die Erkenntnis, dass nur das Selbstvertrauen in die eigene Stimme und das eigene Singen eine motivierende Grundhaltung darstellt, mit Kindern selbst zu singen. Aus diesem Grund erfährt jeder Fortbildungsteilnehmer und jede Fortbildungsteilnehmerin eine intensive Einzelstimmbildung. Gerade die Erfahrungen in den zahlreichen mehrphasigen Fortbildungen zum Bereich „Singen mit Kindern im Kindergarten“ als auch „Singen mit Kindern in der Grundschule“  sowie die schulbegleitende Mentor(inn)enfortbildung für angehende Erzieherinnen und Erzieher, welche sowohl in Zusammenarbeit mit dem Ministerium für Kultus, Jugend und Sport, der Stiftung „Singen mit Kindern“ und der Bruno-Frey-Stiftung Biberach durchgeführt werden, zeigen, dass dies der zentrale Schlüssel für eine nachhaltige Arbeit mit Kindern im Kindergarten und in der Schule ist.

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