Glücks-Spiel

Ein besonderer Meisterkurs mit Ana-Marija Markovina in Köln


(nmz) -
Vom 20. bis 24. Juli veranstaltete die Konzertpianistin Ana-Marija Markovina einen Meisterkurs in den Räumlichkeiten des Instituts für Bildung und Kultur (IfBK) zu Köln. Aufgrund der coronabedingten Einschränkungen konnten nur acht Teilnehmende zugelassen werden. Hierdurch ergab sich aber eine ausgesprochen spannende, intensive und dazu positiv-unterhaltsame Kurswoche. Die Alterspanne der Pianistinnen und Pianisten reichte von acht bis über 60 Jahre.
Ein Artikel von Georg Kugler

Es waren Schüler, zum Teil in Vorbereitung auf ein Musikstudium, Studierende und interessierte Laien vertreten und für jeden stand pro Tag eine Unterrichtsstunde zur Verfügung. Unter dieser geradezu fürstlichen Voraussetzung konnte in Ruhe gearbeitet, geübt, wiederholt, verglichen, erzählt und gescherzt werden.

Mehrere Übungsräume ermöglichten es den Kursteilnehmern, sich immer mal wieder zurückzuziehen und die neuen Gedanken, Anregungen und Übehilfen direkt anzuwenden.

Ana-Marija Markovina, Konzertpia­nistin auf den internationalen Bühnen wie im Aufnahmestudio gleichermaßen zuhause, gibt seit vielen Jahren regelmäßig Meisterkurse in Deutschland, dem europäischen und außereuropäischen Ausland. Im vergangenen Jahr hat Markovina das Buch „Glücks-Spiel“ (Staccato-Verlag) veröffentlicht, in welchem sie der Frage nachgeht, wie das Klavierspiel unser Seelenleben positiv beeinflusst und durch strukturierte, aber nie einseitige Übe-Arbeit dem Glück des Musizierens am Klavier nahegekommen werden kann.

In den Kursstunden sind diese Gedanken immer präsent und durchdringen die empathische und gleichermaßen sorgfältige pädagogische Arbeit kontinuierlich. Ganz gleich, ob es um die pianistische Verfeinerung einer Passage, den Ausdruck einer Phrase, das Atmen oder die Gestaltung einer Pause geht: Immer sind die wechselseitige Beziehung zwischen dem Werk und dem Ausführenden von Bedeutung, das musikalische Erleben als Symbiose von (Voraus-) Hören, Fühlen und Denken.

Niemals wird ein Teilnehmer in seinem Vortrag jäh unterbrochen, stets darf zunächst „das Ganze“ gespielt werden, bevor es an die Detailarbeit geht. Dabei kommen auch musikhistorische Erkenntnisse, unterhaltsame Anekdoten von und über Musiker und Vergleiche mit der Malerei und der Poesie nicht zu kurz. Markovina fühlt sich in jeden Schüler ein, richtet daran mit viel pädagogisch-musikalischem Fingerspitzengefühl und auch Spontaneität ihr jeweiliges Konzept individuell aus. Dogmatische oder einseitige Anweisungen sind ihrer Arbeit fremd, was sich ungemein gut auf die Wachheit, die psychische Wohlspannung und das Selbstvertrauen der Teilnehmer auswirkt und das Klavierspielen dem Glücks-Spiel immer näher bringt.

Wunderschöne Klaviermusik wurde zu Gehör gebracht, neben oft gespiel­ten Beethoven-Sonaten und Rachmaninow-Preludes auch weitaus seltener gespielte Werke, zum Beispiel von Carl Philipp Emanuel Bach.

Die Kurswoche war ein klares Plädoyer für ein Erarbeiten in Ruhe, mit Weitblick und Geduld, was in unserer so von digitaler Hast und Turbulenz bestimmten Zeit ein ganz wichtiger Gegenpol ist und dem wahren Glück geradezu von den Händen in die Seele spielt.

Zum Abschluss gestalteten alle Kursteilnehmer gemeinsam ein stimmungsvolles Abschlusskonzert in einer nahegelegenen Kirche. Ein rundum gelungenes Kurskonzept, welches hoffentlich noch viele Musikliebhaber jedweden Alters beglücken darf.

 

 

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