Hast auch du ihre Nummer schon?

Ein Dokumentarfilm erzählt die Geschichte der Spider Murphy Gang


(nmz) -
Über 40 Jahre ist die Spider Murphy Gang aus München nun musikalisch unterwegs – Zeit für ein Resümee. Dazu gibt der Regisseur Jens Pfeifer („Phoenix in der Asche“) früheren und jetzigen Bandmitgliedern viel Raum in seiner Doku „Glory Days of Rock‘n‘Roll“.
Ein Artikel von Ursula Gaisa

Anfang der Achtziger schwemmte die Neue Deutsche Welle die bayerische Band mit ihrem Hit „Skandal im Sperrbezirk“ ganz nach oben an die Spitze der bundesdeutschen Charts. „Unter 32 16 8“ – jeder konnte die Nummer von Rosie in diesen glorreichen Spider-Tagen auswendig. Eine ganze Generation sang auf Schulfesten, im Skilager und in der Disko – wie Clubs damals noch hießen – mit.

Das ist auch der gelungene Einstieg in das Bandportrait: Geschickt werden Aufnahmen aus den 80ern mit einem Konzertausschnitt der Spiders heute ineinander montiert. Das Publikum damals wie jetzt braucht nur das einleitende Keyboard-Riff zu hören und fängt vor Begeisterung an zu johlen und zu hüpfen. Aber hier wird nicht nur Musikgeschichte erzählt, es geht auch um eine Freundschaft, die nun fast ein halbes Jahrhundert besteht: die zwischen dem damaligen Bankkaufmann Günther Sigl, 1947 im oberbayerischen Schongau geboren, aber erst 1968 aus Karlsruhe wieder nach Bayern zurückgekehrt, und Barny Murphy, dem ehemaligen Fernmeldemonteurlehrling, Autodidakt an der Gitarre und Chuck-Berry-Fan.

Mit dem späteren „Schpider“-Schlagzeuger Franz Trojan spielten sie zusammen in der Coverband Stummick und gründeten 1977 mit dem Keyboarder und Physikstudenten Michael Busse die Spider Murphy Gang, benannt nach einem fiktiven Gangster aus Elvis Presleys „Jailhouse Rock“. Jeden Sonntag Abend spielten sie im Schwabinger Memoland, wo der Radiomoderator Georg Kostya vom Bayerischen Rundfunk auf sie aufmerksam wurde. Er engagierte sie für seine Sendung „Rockhaus“, und so wurden sie zur Hausband des BR. Der große Durchbruch gelang ihnen allerdings erst 1981/82 mit ihrem dritten Album „Dolce vita“, aus dem neben „Skandal im Sperrbezirk“ noch der Chart-Hit „Schickeria“ als Single ausgekoppelt wurde. Geschrieben hat die Songs fast allesamt Günther Sigl.

Viel Geld wurde verdient, Häuser und dicke Autos wurden angeschafft, dann kam das Finanzamt, und einige Häuser mussten wieder verkauft werden. Der Schlagzeuger Franz Trojan wurde kokain- und alkoholabhängig, verwickelte sich in Schlägereien und wurde 1992 durch Paul Dax ersetzt. Bereits 1986 hatte Michael Busse die Band auf eigenen Wunsch verlassen, da war es nach großen Tourneen durch ganz Westdeutschland und 1983 in die DDR schon ruhiger um die Spiders geworden. Die Neue Deutsche Welle war abgeebbt, und mit den neuen Alben konnte man nie mehr ganz an die alten großen Erfolge anknüpfen. Doch bis heute geht es immer weiter: Wie auch im Film erzählt wird, beschlossen Sigl und Murphy, sie müssten einfach raus auf‘s Land, auf Open-Air-Festivals oder in die Oktoberfestzelte nicht nur in München, sondern überall. Ein Konzept, das 100-prozentig aufging. Ihre Jubiläen feierte die Band immer im Circus Krone mit illustren Gästen.

Im Film kann man die Freunde Sigl und Murphy vor leeren Zuschauerrängen bei einem innigen Gitarrenduett erleben. Man ist sich aber nicht immer einig. Nach Jahren hat Sigl wieder einmal ein Lied geschrieben: den Titelsong des Films. Murphy findet ihn zu langsam. Trotzdem wird er beim 40-jährigen Jubiläum im Gasteig zu hören sein. Und so dokumentiert der Film auch eindrucksvoll, wie Rock’n’Roller, die nicht vorzeitig abtreten, in Würde, aber trotzdem altern. „Manchmal fragt man sich schon, wie lange das noch weiter geht,“ fasst Gitarrist Willie Duncan zusammen: „Aber der Günther ist so stabil, der macht das noch mit 90 …“.

Und dann verlässt man das Kino, es ist „Sommer in der Stadt“, und alle Ü50er werden sicher mit ein bisschen Wehmut an die 80er-Jahre zurückdenken. „Glory Days Of Rock‘n‘Roll“ startet bundesweit am 4. Juli in den Kinos.

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