Hochschulen-Absturz

Cluster 2017/04 - Martin Hufner


(nmz) -
Die gute Nachricht: Nach wie vor ist die Hochschule für Musik und Theater München (HMTM) laut Hochschulranking durch Quacquarelli Symonds die Nummer 1 unter den deutschen Hochschulen. „Die sehr gute Platzierung der Hochschule für Musik und Theater München im internationalen Hochschulranking von Quacquarelli Symonds ist ein Beleg für die hervorragenden Studienbedingungen an der renommierten Hochschule hier in München (…). Zur sehr guten Platzierung in dem internationalen Ranking gratuliere ich der Hochschule für Musik und Theater München sehr“, kommentierte Wissenschafts- und Kunstminister Dr. Ludwig Spaenle das Hochschulranking noch vor einem Jahr.
Ein Artikel von Martin Hufner

Die schlechte Nachricht: Im internationalen Vergleich ist die HMTM seit dem letzten Jahr von Platz 16 auf Platz 44 abgerutscht. Schon sieht das alles nicht mehr gar so schmuck aus. Waren die hauseigenen Klaviere alle verstimmt, ist in der Bibliothek ein Buch wegen des Staubdrucks aus dem Regal gefallen, war der Kaffeeautomat wieder 365 Tage im Jahr defekt, ist Moritz Eggert mal wieder zu spät zum Unterricht erschienen? Wir warten schon gespannt auf eine Erklärung des Ministers. Wird sie ein Eingeständnis des Scheiterns sein? Man hat sich selbst die Grube gegraben, in die man nun plumpst. Wenn man sich dieses Ranking-System zu eigen macht, muss man mit den Konsequenzen leben.

Kritik an der Umfrage kommt von der Präsidentin der Hochschule für Musik in Hannover, Susanne Rode-Breymann. Die Umfrage scheitere methodisch, bemängelte sie das Ranking im Deutschlandfunk: „Denn wie wollen Sie die Qualität von Absolventen und Absolventinnen im Musikalischen messen?“ Gute Frage! Wir wissen doch alle, dass man die Qualität von Kunst und Künstlerinnen nicht messen kann. Genau deshalb sind sämtliche Prüfungen an den Musikhochschulen abgeschafft worden. Unfassbar unmessbar das. Messmethoden scheinen nur so lange akzeptabel, wie sie einem günstige Ergebnisse liefern (siehe Dr. Spaenle Musterhochschule, siehe Aussiebmethoden von Wettbewerben) und das Weltbild so einfach auf eine Scheibe dekomplizieren. Helfen tut das aber niemandem, der davon betroffen ist.

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