Hundegeschichten für Violoncello

Neue Cello-Unterrichtsliteratur solo und mit Begleitung – in Teilen empfehlenswert


(nmz) -
Ein Artikel von Fritz Zumkley

Thomas Holland-Moritz: „Hundegeschichten“ für Violoncello und Klavier. Fidula Verlag 5259, ISMN M-2003-5259-7

Ein Stück also für Hundeliebhaber in drei Sätzen: 1. „Wer findet den Knochen?“ (lebhaft und etwas rockig), 2. „Serenata lunare“ (verschmähtes Liebesglück, daher wohl ein wenig sentimental), 3. „Endlich Auslauf“ (molto giocoso) – Szenen im Leben eines Hundes eben, die hier musikalisch zu Gehör gebracht werden, angereichert mit allerlei ungewohnten Spieltechniken sowie viel Spielraum für Experiment und Improvisation. Üben muss man schon auch das Ganze, umfasst es doch den gesamten Lagenbereich einschließlich der Daumenlage. Aber gemach, es wird schon keiner „auf den Hund kommen“, denn für Spaß und Heiterkeit ist reichlich gesorgt – wuff. Ab oberer Unterstufe sehr empfehlenswert.

Christian Löhr (Hrsg.): Vorhang auf fürs Cello. Heinrichshofen N 2555, ISMN M-2044-255-6

Eine ausgesprochen vergnügsame Sammlung lustiger, spannender, bisweilen auch leicht verrückter Geschichten, Spiele sowie Übungen für Ohren und Finger, kindgerecht und liebevoll illustriert von Wally Kreuz. Neben traditionellem Liedgut (mit leichten Begleitstimmen unterlegt) und allerlei Kinderreimen als Grundlage für rhythmische sowie Bogeneinteilungsübungen finden sich mitunter recht „dramatische“ Klanggeschichten (wie die vom „verschwundenen Ton“, der „kranken Biene Berta“, dem „Räuberhauptmann Schlackdidum“ und viele andere mehr). Alles in allem eine willkommene Bereicherung und Belebung für den Einzel- wie den Gruppenunterricht. Für Unterstufe 1 sehr empfehlenswert, da alle Stücke in der ersten Lage spielbar.

Michael Deimling (Hrsg.): Das Violoncello, Materialien zum Instrumentalen Orientierungsunterricht und Anfangsunterricht mit relativer Solmisation. SolMi-Musikverlag 8011

Die vorliegende Materialsammlung ist erkennbar aus der Praxis für den praktischen Unterricht entstanden und stellt einen ausgesprochen nützlichen Beitrag dar für alle, die Gruppenunterricht erteilen, insbesondere im Rahmen von instrumentalen Orientierungskursen ( Instrumentenkarussell, Schnupperkurse etc.). Das Heft enthält methodisch gut aufeinander abgestimmte „Lektionen“, allerlei kindgerechte Kanons, Lieder sowie rhythmisierte Verse, dazu Erläuterungen zu den Bestandteilen des Cellos und des Bogens und ist zur Auflockerung des gesamten Erscheinungsbildes darüber hinaus zwar sparsam, aber vollkommen ausreichend mit ansprechenden Bildern illustriert. Die Materialsammlung bietet auch für den Einzelunterricht sehr viele gute Anregungen. Uneingeschränkt empfehlenswert ist das Heft jedoch nur für Lehrerinnen und Lehrer, die nach der Tonika-Do-Methode (relative Solmisation) unterrichten. In diesem Zusammenhang ist vermutlich auch die Verwendung grafischer Zeichen (für Viertel- und Achtelnoten sowie Viertelpausen) anstelle „normaler“ Notation zu verstehen, die für den „herkömmlichen“ Unterricht mit Einschränkung eher einen Umweg  darstellt. Für den „herkömmlichen“ Unterricht entsprechend nur in Teilen empfehlenswert.

Cello Grade 7 (with separate piano accompaniment). 2 Audio-CDs. Warehouse Records WRFTCE55, ISBN 1-86-096211-4

Die Idee ist nicht neu, und wenn’s bei „Music minus one“ irgendwie möglich ist (der Spieler als Solist mit Orchesterbegleitung daheim), wieso nicht auch bei Kammermusik – zumal Colin Carr am Cello und Ian Brown am Klavier auf CD 1 ja recht beeindruckend vorführen, wie es klingen soll? Also, ich probier’s einfach mal. Schade nur, dass mir mein Musizierpartner auf CD 2 keine Gelegenheit gibt, mein Cello nach dem Klavier zu stimmen. Immerhin zählt er vor und so kommt bei Gounods „Ave Maria“, Vandinis Sonate F-Dur (1. Satz) und Vivaldis Concerto in c-moll (RV401, 3. Satz) bereits nach wenigen Versuchen so etwas wie Spielfreude auf. Diese trübt sich allerdings um so mehr, je größer die agogischen Freiheiten werden, die sich mein Partner beim weiteren Fortgang nimmt – ja nehmen muss, denn Werke wie Bruchs „Arie“ op. 70, Nr. 1, Glasunows „Chant du Menestrel“ op. 71, Poppers Gavotte op. 23,2 Nr. 2. sind ohne agogische Gestaltung ja gar nicht denkbar. Nur ist ein Zusammenspiel ohne die Möglichkeit musikalischer Interaktion nun schlichtweg gar nicht mehr möglich. Gut, verzichte ich eben auf’s Klavier und spiele zwischendrin, wie Kollege Carr auf CD 1, statt dessen also Sololiteratur (unter anderem J.S. Bachs Bourreen I u. II aus Suite Nr. 3, Kabalevskys Scherzo aus „Etüden in Dur und moll“ op. 67, Aaron Minskys „The Train Whistle“ aus „10 American Cello Etudes“). Alles schön und gut, nur stellt sich mir neben der Frage des praktischen Nutzwertes allmählich unter anderem die nach einem Gesamtkonzept. Fragen, die auch nach der Lektüre des englischsprachigen Vorwortes von Sebastian Forbes leider offen bleiben müssen. Weitere Werke unter anderem von Neruda, Goltermann, Joplin, Martinu und Ravel. So ist dies gut gedachte Ausbildungs- und Prüfungs-Material „of the complete Associated Board of The Royal Schools of Music, Grade 7“ in Teilen durchaus empfehlenswert.

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