JeKi in den Alltag der Kinder integrieren

Das nmz-Gespräch mit Birgit Walter, der neuen Direktorin der JeKi-Stiftung


(nmz) -
Zum 1. August 2011 tritt Birgit Walter die Nachfolge von Manfred Grunenberg an der Spitze der Stiftung „Jedem Kind ein Instrument“ an. Die 36-jährige Leiterin der Musikschule Euskirchen ist gebürtige Essenerin und hat nach Abschluss ihres Studiums in den Fächern Gesang und Gesangspädagogik an der Hochschule für Musik Köln Kulturmanagement und Wirtschaftswissenschaften studiert. Für die neue musikzeitung sprach Andreas Kolb mit der designierten Direktorin und dem Mitglied des Vorstandes der JeKi-Stiftung.
Ein Artikel von Andreas Kolb, Birigit Walter

neue musikzeitung: Welches war denn Ihr erstes Instrument?
Birigit Walter: Ich bin schon in ­frühester Kindheit durch meine Eltern mit Musik und vor allem mit Gesang in Berührung gekommen: Sie sind zwar keine Profimusiker, aber sehr gute ­Laienmusiker und Chorsänger, und nahmen mich überallhin mit. Mein ­Vater sagte immer über mich: acht Jahre alt, neun Jahre Chorerfahrung.

nmz: Also war Singen Ihr erstes „Instrument“?
Walter: Vielleicht, aber ich habe mit sieben Jahren auch mit dem Klavier­unterricht angefangen.  Als ich 12 ­Jahre alt war, hatte ich mit dem „Jungen Orchester“ unter dem damals auch erst 18-jährigen Ingo Ernst Reihl, heute Universitätsmusikdirektor in Witten-Herdecke, meinen ersten großen Auftritt mit einem Klavierkonzert von Mozart.
Danach war ich so fasziniert vom ­Orchester, dass ich unbedingt ein ­Orchesterinstrument lernen wollte: Ich fing mit der Geige an und ging kurze Zeit später ins Schulorchester. Mit 16 erhielt ich dann meinen ersten Gesangsunterricht, und nach dem Abitur nahm ich mein Musikstudium mit dem Hauptfach Gesang an der Hochschule für Musik Köln in den Klassen von Hans Sotin und Edda Moser auf. Dort habe ich die künstlerische Reife­prüfung und das Diplom in Musik­pädagogik erworben; ich wollte also von Anfang an das Pädagogische und das Künstlerische abdecken.

Stimme und Wirtschaft

nmz: Sie haben dann Kulturmanagement und Wirtschaftswissenschaften studiert. Woher kam die Motivation, noch ein Studium draufzusetzen?
Walter: Ich hatte Probleme mit meinen Stimmbändern, es war nicht ­sicher, ob ich mit der Stimme meinen Lebens­unterhalt verdienen kann. Ich studierte dann Wirtschaftswissenschaften mit dem Ziel, dieses Fach mit der ­Musik zu verbinden. Deshalb belegte ich parallel dazu an der Verwaltungs- und Wirtschaftsakademie Köln noch einen zweijährigen Aufbaustudien­gang Kulturmanagement.

nmz: Wie kam es dann zum Einstieg in den Musikschulberuf?
Walter: Ich lebte damals in Wiehl, im Oberbergischen, und dort wurde an der Musikschule der Homburgischen Gemeinden die Stelle der pädagogischen Leitung frei. Ich habe mich beworben und die Stelle bekommen. Nach diesem Einstieg wechselte ich zwei Jahre später im Jahr 2006 als Leiterin an die Musikschule Euskirchen.

nmz: Inwiefern hatten Sie in Euskirchen schon mit JeKi zu tun?
Walter: Euskirchen liegt ja nun außer­halb des JeKi-Landes. Aber im Sommer 2010 legte das Land NRW das ­Modellprojekt „Jedem Kind ein Instrument - außerhalb des Ruhrgebiets“ auf. Wir haben uns dort mit fünf Grundschulen in Euskirchen, insgesamt zehn ersten Klassen, beworben und den Zuschlag bekommen. Insofern verfüge ich über ein Jahr JeKi-Erfahrung aus der Sicht einer Musikschulleiterin: eine sehr wertvolle Erfahrung für meine künftige Position, damit ich nicht am grünen Tisch plane.

nmz: In der Presseerklärung des Minis­teriums für Familie, Kinder, ­Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen stand, mit ihrer Berufung werde ein deutliches Zeichen in Richtung Zukunft gesetzt. Welche Zukunft hat JeKi?
Walter: JeKi hat als Kulturhauptstadt-Projekt begonnen, und viele solcher Projekte verschwinden wieder in der Versenkung, wenn die Kulturhauptstadtphase vorbei ist. Anders bei JeKi – es hat die Welt der Musikpädagogik schon jetzt so stark geprägt, dass es nicht mehr wegzudenken ist. Nun geht es darum, es nachhaltig zu etablieren. JeKi wurde immer vorgeworfen, den ein oder anderen Schnellschuss gemacht zu haben. Aber hier braucht es einen etwas differenzierteren Blick: JeKi stand noch bis vor kurzem unter dem unglaublichen Druck, im Jahr der Kulturhauptstadt 2010 ein bestimmtes Ergebnis erreicht zu haben, und ­unter diesem Zeitdruck war so manch bedächtiger Schritt schlicht unmöglich. Der Leitungswechsel zum Ende der Kulturhauptstadtphase bietet nun die große Chance, zurückzutreten, die Perspektive zu erweitern und zu schauen: Wo stehen wir? Wem kann ich nun ein Angebot zu machen, mitzugestalten, um die Personen und Gruppen mit ins Boot zu holen, die sich vielleicht bisher zurückgesetzt fühlen?

nmz: Welche Gruppen gehören denn einbezogen?
Walter: Ich sehe hier zunächst einmal die Hauptkooperationspartner Grundschulen und Musikschulen. Ich habe am 25. März 2011 in der Landesmusikakademie Heek den Kongress „Schulische und außerschulische musikalische Bildung – Wie kann eine erfolgreiche Verzahnung gelingen“ besucht und dort mit großem Interesse von Seiten der Schulmusiker gehört, „man hätte uns doch mal fragen können, wir kennen uns doch damit aus.“ Und ich weiß von Musikschul-Seite, dass es große Anfangsschwierigkeiten gab in der Art des Zusammenwachsens von JeKi-Stiftung und JeKi-Musikschulen. Auf der strategischen Ebene kommen die Musikhochschulen dazu. Ich freue mich auf die Gespräche mit den Hochschulvertretern und wünsche mir, daran mitwirken zu können, dass die Musikhochschulen Curricula erstellen, die uns Lehrer bescheren, die für die neuen Anforderungen in diesem Beruf besser gerüstet sind: Für JeKi muss die Instrumentalpädagogik um Komponenten der elementaren Musikpädagogik und durchaus auch der Sozialpädagogik erweitert werden.

Master of JeKi

nmz: Stellen Sie sich da einen Bachelor, einen Master of JeKi vor?
Walter: Das wäre der völlig falsche Ansatz. Es gibt nicht den „richtigen Musikschullehrer“ und den „JeKi-­Lehrer“. JeKi ist keine Ausnahmeerscheinung, sondern die Erweiterung eines bestehenden Berufsbilds. Es wird allerdings eine Generation ­dauern, bis die Musikhochschule Absolventen entlässt, die über diese Qualifikationen verfügen. Daher muss es parallel dazu Fortbildungen für die bestehende Lehrerschaft geben.

Musikschule in Gefahr?

nmz: JeKi wird nicht nur die Musikhochschule verändern, es hat bereits die Musikschule verändert. Ist das „Haus Musikschule“ in Gefahr?
Walter: In dieser Frage steckt eine ganze Menge Polemik, die differenziert gehört. Zunächst zum Begriff „Haus“: JeKi findet dezentral an den Grundschulen statt. Wer also das „Haus Musikschule“ darüber definiert, sich schön kuschelig in einem Haus mit dem Schild Musikschule einzurichten und darauf zu warten, dass die Kinder zur Musik kommen, anstatt mit der Musik selbst zu den Kindern zu gehen, dessen Vorstellung vom „Haus Musikschule“ ist tatsächlich in Gefahr. Nun zum Begriff ­„Musikschule“: Ich sehe die Musikschulen in einem Bildungsauftrag, der sich nicht darin erschöpft, denjenigen Kindern, die ohnehin an die Tür der Musikschule geklopft hätten, Unterricht zu erteilen, sondern darin, möglichst vielen, wenn nicht allen Kindern diese Welt zu erschließen. Im Deutsch­unterricht nimmt der Lehrer Goethes Faust ja auch nicht nur mit den Schülern durch, die explizit danach gefragt haben, sondern es ist seine Aufgabe, solche Werke einer ganzen Genera­tion nahe zu bringen. Wessen Bild vom „Haus Musikschule“ also noch diesen Vorstellungen entspricht, dessen Bild ist tatsächlich in Gefahr, aber das finde ich dann ehrlich gesagt auch gut so.
Und ich gebe Ihnen noch ein zweites Argument, warum JeKi die Musikschule nicht gefährdet, sondern eher rettet: Wir erleben eine zunehmende Entwicklung zur Ganztagsschule, d.h. das Zeitfenster für alles Außerschulische wird immer kleiner. Trotzdem gehen Institutionen wie Sportvereine, Musikschulen usw. immer noch davon aus, dass die Kinder ihnen von mittags bis abends zur Verfügung stehen. Man muss aber doch vom Kind ausgehen und überlegen, wie das Kind Schule und außerschulische Aktivitäten unter einen Hut bekommt. Indem JeKi nun in die Grundschulen geht, ist JeKi hier ein unglaublich geschickter Schachzug gelungen: So findet JeKi dort statt, wo innerhalb eines bestimmten Alters der Alltag eines jeden Kindes stattfindet, und bietet den Kindern so die Möglichkeit, innerhalb dieses Alltags ein Instrument zu erlernen, und dies noch im Rahmen eines Systems, so dass die Organisation viel effizienter vonstatten gehen kann als wenn dieses Arrangement auf einer Vielzahl von Individualvereinbarungen von örtlichen Grundschulleitern und Musikschulleitern beruht.

Den Tanz mit einbeziehen

nmz: Ist Jedem Kind ein Instrument nicht zu eindimensional angelegt? Was ist mit Tanz, Zirkuspädagogik, Singen-Bewegen-Sprechen und vielem mehr?
Walter: Es ist geplant, die Komponenten Gesang und Tanz künftig stärker einzubeziehen, was mich als Sängerin­ und Leiterin einer Musikschule mit ­einer großen Tanzabteilung besonders freut.
Ich würde aber nie auf das Instrument verzichten wollen: Die Beschränkung auf Tanz und Gesang ist mir für diese Altersgruppe zu abstrakt, es fehlt das Objekthafte und damit das im wahrsten Sinne Begreifbare eines Instruments.
Und ich halte es in der heutigen Welt, in der man auf viele Knöpfe drückt, aber keine Ahnung hat, wie beispielsweise ein iPod funktioniert, für extrem heilsam, mit einem Musikinstrument etwas in der Hand zu halten, bei dem man genau weiß, warum welcher Ton herauskommt. Damit spürt man wieder einmal das, was Psychologen Selbstwirksamkeit nennen.

nmz: Sehen Sie nicht die Gefahr, dass JeKi Ersatz für einen schulischen Musik­unterricht wird?
Walter: Ich würde mir wünschen, dass die Schulmusik im Grundschulbereich gerade weil es JeKi gibt, ­einen Aufschwung erlebt, denn JeKi ist ­darauf angewiesen, dass die Musikschulen in den Grundschulen Ansprech­partner haben.

JeKi-Interview

Mit großem Entsetzen habe ich das Interview von Frau Walter in der Print Ausgabe gelesen und mich mit Grausem und Ärger abgewandt. Frau Walter wäre es wohl am liebsten wenn man sämtliche Musikschulen schliessen würde, damit alle Lehrer an den Schulen sich dem JEKI Programm opfern. Wenn sie nur wüsste wieviel Lehrer mit sehr viel Kraft und Mühe sich in viele Städten engagiert haben und darum gekämpft haben, dass sie eben “ihre” Musikschule behalten dürfen, würde sie vielleicht nicht so reden und das “Haus der Musik” so abfällig bewerten. JEKI ist eine Modeerscheinung und nicht im geringsten Wert, Strukturen die über viele Jahrzehnte gewachsen sind leichfertig zu zerstören. Ich habe selber jahrelang als “Wanderlehrer” an verschiedenen Schulen unterrichtet und ich will diese Zeit nicht noch einmal erleben. Die meisten Schulen sind nicht im entferntesten darauf eingestellt Musikschulunterricht zu integrieren. Die Arbeitsbedingungern sind schlichtweg inaktzeptabel. Über JEKI wurde ja schon viel diskutiert, ich finde es einfach nur schrecklich wie das Programm von Befürwortern als Allheilmittel aufgeblasen wird.Ich habe schon viele Kinder aus Großgruppenunterricht nach der Grundschule übernommen und das Ergebnis war JEDESMAL desaströs. Was soll ich einem Kind erzählen, das 4 jahre ein Instrument spielt und nicht im entferntesten weiß was eine halbe Note ist und selber keine Vorstellung hat von Rhythmus oder Melodie, weil es 4 Jahre irgendwo “mitgeschwommen” ist. Was soll ich einem Kind erzählen das 4 Jahre den falschen Ansatz hatte, die Muskeln sich so ausgebildet haben, dass es fast unmöglich ist, das wieder zu verändern. Aber am schlimmsten ist die Tatsache das der Anfangsenthusiamus der Kinder verflogen ist und sie 4 Jahre damit verbracht haben ein paar Töne aus ihrem Instrument herauszuquetschen. Grundschulkinder im Alter von 6-10 Jahrne sind so toll, lernen so schnell, sind absolut unvoreingenommen und saugen förmlich das Wissen in sich auf. Wer diese Zeit verstreichen lässt VERSÜNDIGT sich an diesen Kindern. Und überhaupt: Warum MUSS jedes Kind den ein Instrument spielen? Morgen kommt Jekb (jedem Kind ein Ball) oder JeKW (jedem Kind ein Werkzeugkasten). Aktzeptiert doch mal das jedes Kind eben auch andere Fähigkeiten und Wünsche hat. Warum soll man Kinder, die eben kein Interesse haben dazu zwingen ein Instrument zu spielen, wenn sie lieber auf dem Sportplatz Fußball spielen oder auf einem Baum sitzen. Dann hab ich in einer 10er Gruppe 7 Kinder die “irgendwie” mitmachen und nach 4 Jahren sowieso aufhören und den 3 die wirklich das EIGENE Bedürfnis haben zu musizieren wird der Weg verbaut und vor allem das RECHT genommen, ordentlich ihr Instrument zu lernen. Aber das Frau Walter am Anfang noch von ihren eigenen musikalischen “Erfolgen” in ihrer Kindheit schwadroniert, das setzt dem ganzen noch die Krone auf. Hat sie auch im JEKI Unterricht angefangen? Den Musikschulen wird das Leben immer schwerer gemacht. G8 nimmt uns die guten Schüler, die man für Ensembles und Orchesterarbeit braucht, die Ganztagesschule nimmt den Kindern die Zeit, die Muse und die Geduld sich mal mit EINER Sache intensiv zu beschäftigen. Anstatt wird dann JEKI oder Bläserklassen als fast-food Unterricht angeboten. Ich habe prinzipiel nichts gegen solche Projekte, aber sie dürfen nicht auf Kosten der musikalischen Bildung in Deutschland gehen und nicht auf die Kosten von völlig unterbezahlten Musikschullehrern die aus Enthusiamus guten Unterricht machen und Spass daran haben! Meiner Meinung nach muss DIE SCHULE den Kindern die Freiräume gewähren wenn es ein Instrument lernen will. Wir sollten doch alle gottfroh sein wenn es das macht, anstatt vor dem PC zu verblöden! Abschliessend kann ich nur appelieren: Wir brauchen “die Häuser der Musik” in den Kindern eben FERN der Schule, ohne Notenstress, ohne Druck sich entfalten können. Ihre Erfahrungen sammeln können im Ensembleunterricht mit anderen Instrumenten, sich austauschen können mit ANDEREN Kindern (nicht nur aus der eigenen Klasse/Schule) aus ANDEREN sozialen Schichten. Dies aufzugeben bedeutet ein Stück weit unsere Identität und unser musikalisches Erbe aufzugeben!


Mehr Sachlichkeit bitte!

Liebe Frau (?) Anonyma,

etwas mehr Sachlichkeit wäre der Diskussion sicherlich zuträglich.

"Walter wäre es wohl am liebsten wenn man sämtliche Musikschulen schliessen (sic!) würde,..."

Aus welcher Textstelle schließen Sie das?
Tatsache ist, dass an vielen Musikschulen der traditionelle Nachmittagsunterricht (14-19 Uhr) nicht mehr mit genügend Schülern versorgt werden kann, weil wg. offener Ganztagsschule, G8 usw. die Schülerinnen und Schüler nicht mehr zum üblichen Nachmittagsunterricht kommen können.

"...damit alle Lehrer an den Schulen sich dem JEKI Programm opfern."
Bitte etwas mehr Zurückhaltung bei der Wortwahl. Es geht doch nicht um Religion!? (Oder etwa doch?)

"Was soll ich einem Kind erzählen das 4 Jahre den falschen Ansatz hatte, die Muskeln sich so ausgebildet haben, dass es fast unmöglich ist, das wieder zu verändern."

Dieses Phänomen (schlechter Unterricht, mangelnde Kompetenz der Lehrkraft) ist nicht auf den JeKi-Unterricht beschränkt. Schon Jahrzehnte vor dem Beginn des Jeki-Programms (und seitdem immer wieder) werde ich mit Schülerinnen und Schülern konfrontiert, deren bisherige Lehrkräfte nicht in Lage waren, elementare Grundlagen, die Voraussetzung für die weitere Entwicklung sind, zu vermitteln.
Da gibt es ein Qualitätsproblem - unabhängig von der Unterrichtsform! Leider gibt es auch in unserem Beruf eine breite Streuung in der Qualität - wie auch bei Zahnärzten, Bankberatern usw..
Oder geht es Anonyma um die Ablehnung von Gruppenunterricht im Allgemeinen? Um "Großgruppenunterricht" handelt es sich bei Jeki ja nicht.

"Aktzeptiert (sic!) doch mal das jedes Kind eben auch andere Fähigkeiten und Wünsche hat. Warum soll man Kinder, die eben kein Interesse haben dazu zwingen ein Instrument zu spielen, wenn sie lieber auf dem Sportplatz Fußball spielen oder auf einem Baum sitzen."
Auch das ist sehr polemisch. Kein Kind wird gezwungen, ein Instrument zu spielen - aber Jedem Kind ein Instrument gibt jedem Kind die Chance dazu! In meinem Unterricht habe ich jedenfalls Kinder, die mit Freude dabei sind, die aber zur "traditionellen Musikschule" nicht gekommen wären. Diese Kinder spielen auch Fußball!
Wenn sich im Verlauf des ersten Instrumentalunterrichtsjahres herausstellt, dass ein Kind kein Interesse entwickelt, muss es doch nicht weitermachen.

"Ensembleunterricht mit anderen Instrumenten, sich austauschen können mit ANDEREN Kindern (nicht nur aus der eigenen Klasse/Schule) aus ANDEREN sozialen Schichten."

Genau das gibt es doch in der Musikschule (Haus) nicht!

(Finanzielle) Oberschicht: Privatunterricht
Mittelschicht: Musikschule oder Privatunterricht
Alle anderen: Kein Musikunterricht
Diese Gruppen kommen in der Musikschule eben nicht zusammen.

"Dies aufzugeben bedeutet ein Stück weit ... unser musikalisches Erbe aufzugeben!"
Weniger Pathos bitte!

Und ja, qualifizierte Musikschullehrer sind unterbezahlt, da sind wir uns einig!


“(Finanzielle)

(Finanzielle) Oberschicht: Privatunterricht
Mittelschicht: Musikschule oder Privatunterricht
Alle anderen: Kein Musikunterricht
Diese Gruppen kommen in der Musikschule eben nicht zusammen. ”

Das stimmt halt einfach nicht. Dann müssen sie vielleicht einfach lernen eben auch andere Kinder anzusprechen.

Tatsache ist, dass an vielen Musikschulen der traditionelle Nachmittagsunterricht (14-19 Uhr) nicht mehr mit genügend Schülern versorgt werden kann, weil wg. offener Ganztagsschule, G8 usw. die Schülerinnen und Schüler nicht mehr zum üblichen Nachmittagsunterricht kommen können.”

wie ich schon sagte, die Schule muss den Kindern Freiräume gewähren. Lesen sie mal dazu das Interview von Kurt Beck in der NMZ.

Und noch ein letztes: Wenn die Musikschulen es NICHT schaffen, ihre Qualität zu erhalten dann wird in den nächten Jahren ein großes Musikschulsterben einsetzen. Ich habe neulich ein Gespräch zweier Mütter in der Bahn gehört, als sie sich über den Blockflötenunterricht an der Schule ausgelassen haben. Eine hat dann gesagt, sie schickt jetzt ihre Tochter zur Frau soundso, die nimmt 1,50 Euro!!!!!!!!!!!!! die Stunde. Wie kann man den Eltern klarmachen das wir Musikschulen brauchen, wenn nicht mit dem Argument, dass wir Qualität liefern? Was ist ihr Vorschlag? Wenn JEKI ihre einzige Antwort ist, brauchen wir auch nicht weiterzudiskutieren, das hat nämlich langsam nichts mehr mit Sachlichkeit oder ähnlichem zu tun.Was ist der Qualitätsunterschied zwischen JEKI und Frau soundso die für 1,50 unterrichtet? Das würde ich wirklich gerne mal wissen, können ihre Kinder soviel mehr nach den 4 Jahren? (wenn ich die Videos sehe dann lautet die Antwort leider:Nein) Man bekommt von JEKI Befürwortern nämlich leider keine Antworten, von daher bleibt nur noch Polemik übrig ;)
Andere Schulen haben es übrigends schon vorgemacht und Programme aufgesetzt, an dem die Kinder Einzel oder Gruppenunterricht (an der Schule) bekommen und parallel dazu im Orchester an der Schule spielen usw. Aber das würde ja Geld kosten, das geht ja nicht.
Mich ärgert einfach nur, dass Leute die den JEKI Unterricht mit dem Einzelunterricht oder Gruppenunterricht gleichsetzen, den Musikschulen in den Rücken fallen, anstatt mit harten Bandagen für die musikalische Bildung in Deutschland zu kämpfen. Ein einfaches Lippenbekenntnis würde ja schon genügen, aber so läuft eben die Diskussion nicht ab, da brauchen sie nur mal in den JEKI Blog sehen, da wird immer noch stur behauptet, dass JEKI den Unterricht an den Musikschulen ersetzen kann. Mittlerweile ist es ja auch erwiesen, dass die Transfereffekte von JEKI zur Musikschule ausbleiben. Ähnliches passiert gerade mit dem Programm Singen-Bewegen-Sprechen, dass der musikalischen Früherziehung die Schüler raubt und damit wieder indirekt dem Schülermangel Vorschub leistet. Wir haben in diesem Jahr 7! Anmeldungen für musikalische Früherziehung an meiner Musikschule. Dieses Programm wurde jetzt auch den restlichen Instrumentallehrern ans Herz gelegt, 20 Wochenenden Fortbildung (muss man natürlich selber bezahlen ) und es befähigt einen zum Unterricht von SBS. Ich sags, ganz ehrlich: ich habe darauf KEINE Lust. Vielleicht verstehen sie jetzt langsam meinen Frust. Sollte es so weitergehen mit JEKI, SBS, Bläserklassen, werde ich wohl nur noch privat unterrichten, mehr auf Erwachsenenbildung zielen und wieder mehr konzertieren. Aber ertragen kann ich das nicht, zu sehen wie die Kinder auf ihren Instrumenten rumgurken und es so EINFACH wäre, ihnen WIRKLICH etwas zu lehren.


noch 3 Nachträge zum Thema

noch 3 Nachträge zum Thema Sachlickeit:
sie schrieben:”Aus welcher Textstelle schließen Sie das?”

ich schließe das aus folgendem Absatz:
Walter: In dieser Frage steckt eine ganze Menge Polemik, die differenziert gehört. Zunächst zum Begriff „Haus“: JeKi findet dezentral an den Grundschulen statt. Wer also das „Haus Musikschule“ darüber definiert, sich schön kuschelig in einem Haus mit dem Schild Musikschule einzurichten und darauf zu warten, dass die Kinder zur Musik kommen, anstatt mit der Musik selbst zu den Kindern zu gehen, dessen Vorstellung vom „Haus Musikschule“ ist tatsächlich in Gefahr. Nun zum Begriff ­„Musikschule“: Ich sehe die Musikschulen in einem Bildungsauftrag, der sich nicht darin erschöpft, denjenigen Kindern, die ohnehin an die Tür der Musikschule geklopft hätten, Unterricht zu erteilen, sondern darin, möglichst vielen, wenn nicht allen Kindern diese Welt zu erschließen. Im Deutsch­unterricht nimmt der Lehrer Goethes Faust ja auch nicht nur mit den Schülern durch, die explizit danach gefragt haben, sondern es ist seine Aufgabe, solche Werke einer ganzen Genera­tion nahe zu bringen. Wessen Bild vom „Haus Musikschule“ also noch diesen Vorstellungen entspricht, dessen Bild ist tatsächlich in Gefahr, aber das finde ich dann ehrlich gesagt auch gut so.”
Zudem spricht sie hier von ALLEN Kindern, daher hatte ich die anderen Beispiele angeführt (Jekb usw)

desweiteren schrieben sie: “Dies aufzugeben bedeutet ein Stück weit … unser musikalisches Erbe aufzugeben!”
Weniger Pathos bitte!”

haben sie sich mal an einer deutschen Musikhochschule umgesehen? dann wird Ihnen auffallen, dass der Anteil ausländischer Musikstudenten immer weiter steigt, während der Anteil deutscher Musikstudenten weiter fällt. Es kommen Studenten aus dem Ausland die bereits mit 18 KA oder KR an unseren Musikhochschulen machen. Schauen sie mal in andere Länder wie gut da die Musikschulen arbeiten, wie hoch das Niveau ist. Das setzt sich auch in den Orchstern in Deutschland fort. Zudem gehen viele ausländische Studenten nach ihrem Studium wieder in ihr Heimatland zurück. Wie groß wäre der Aufschrei in der freien Wirtschaft wenn bsp, ausländische Studenten Bauingenieur studieren und dann mit ihrem Wissen nicht in Deutschland arbeiten. Bei Musikhochschulen ist das völlig normal. Nicht, dass sie denken ich hätte was gegen ausländische Studenten (im Gegenteil), aber es ist schon alarmierende wie der Anteil von deutschen Studenten im Bereich ML und Orchester zurückgeht, von daher ist es NICHT übertrieben zu sagen, dass unser musikalisches Erbe gefährdet ist.
Und zum letzten Punkt: Sachlichkeit, sie werfen mir fehlende Sachlickeit vor, sie haben aber nicht ein einziges Argument von mir überzeugend entkräftet. Wenn sie sich mal mit Entwicklungspsychologei beschäftigen, dann wissen sie, dass Kinder nicht linear lernen sondern in Zeitfenstern, zb. schliesst sich das rhythmische Gedächtnis bei Kinder etwa im Alter von 10 Jahren, man kann danach natürlich noch Ryhthmus lernen, es wird aber schwieriger. Ich behaupte, dass das Alter von 6 - 10 Jahren für die musikalische Entwicklung sehr, sehr wichtig sind und es unabdingabr ist in dieser Zeit einen möglichst hochwertigen Instrumentaluntericht anzubieten. Das ist einfach ein FAKT, dass man nicht wegwischen kann. Übrigends geht in BW der Trend wieder zu G9 (Anträge liegen bereits vor), und zur Gesamtschule mit einem Konzept dass den individuellenm Unterricht wieder mehr fördern soll: weg vom Frontalunterricht…JEKI ist bereits wieder ein Auslaufmodell.


Jeki ist an Allem schuld!

Aus welcher Textstelle schließen Sie das?” hatte ich gefragt.
Ihre Antwort zeigt, dass Sie es die entweder den Text nicht lesen können, oder böswillig etwas hineininterpretieren wollen.
Warum nur?

Ausländische Studierende an Musikhochschulen gibt es schon lange - was hat das mit JeKi zu tun?

Schlechten Unterricht an deutschen Musikschulen gab und gibt es auch leider schon lange - was hat das mit JeKi zu tun?

Wie wäre es mit der Eurokrise? Oder dem Palästinakonflikt, dem Nordirlandkonflikt?
Auch daran ist das pöse JeKi schuld!


aha...

…und sie verlangen mehr Sachlichkeit…haben sie auch Argumente? Wenn sie es richtig finden, dass die Musikschulen sich so weiterentwickeln dann viel Spass damit, für mich ist diese Diskussion an dieser Stelle beendet. Danke fürs Gespräch und weiterhin viel Erfolg ;)


Zu dumm zum lesen?

So hatte ich mir das gedacht: Sie WOLLEN nicht diskutieren!
Auf meine Argumente wollen/können Sie nicht eingehen.
Zur Erinnerung, für Sie etwas vereinfacht: Eine fehlerhafte Spieltechnik wird NICHT von der Unterrichtsform verursacht, sondern durch schlechten Unterricht.
Jetzt verstanden?


ihre Beleidigungen können

ihre Beleidigungen können sie sich sparen, das ist schonmal das erste. Wenn ich zb schreibe, dass der Anteil an deutschen Studenten sinkt, dann schreiben sie “ausländische Studenten hat es immer schon gegeben”. Das ändert daran doch nichts das der Anteil sinkt. Das entbehrt jeder Logik, und sie werfen mir vor ich könnte nicht lesen. Wenn ich schreibe das die Qualität im JEKI Unterricht leidet, dann schreiben sie ” es gibt auch schlechte Schüler im Einzelunterricht (sinngemäß)”. Das ist wieder so ein “tolles” Argument. Wenn also mein Nachbar Steuern hinterzieht, dann kann ich das ja auch machen, oder? Ich habe ihnen lang und breit erklärt warum JEKI nicht das leisten kann was GUTER Einzelunterricht leistet, auf diese Argumente gehen sie mit keiner Silbe ein, stattdessen hängen sie sich an irgendwelchen Nebensätzen auf. Ich erkläre es Ihnen zum letzten Mal an einem Beispiel: Wenn ein Kind einen Ton spielt (ich gehe jetzt von Querflöte aus), dann überlege ich mir warum der Ton so klingt wie er klingt. Wo liegt der “Fehler” im Klang? Das können tausend Gründe sein, zu hoher Ansatz, zu niedrig, Winkel zu flach, Winkel zu steil, Lippenspannung zu wenig, zu viel, falscher Zungenstoß, falsche Zungenstellung (Vokale), Hals zu, Stimmlippen verkrampft, Luft kann nicht fließen (man kann hören WO die Luft “feststeckt”), falsche Atmung, schlechte Haltung uswuswusw…es ist ungemein wichtig diese Dinge in den ersten 2-4 Jahren einigermaßen “richtig” zu machen, dass sie das in einer 4er (oder mehr) Gruppe schaffen ist extrem unwahrscheinlich. Mit Kindern im Alter von 6-10 Jahren kann man aber gerade in diesem Alter super daran arbeiten. Hinzu kommen die entwicklungspsychologischen Dinge die ich oben schon erwähnt habe. Dass sie das nicht “erkennen” spricht eigentlich schon Bände über ihr Unterrichtsverständnis. Sie vermittlen in ihrem Unterricht allerhöchstens Grundkenntnisse, die wahrscheinlich sogar eher kontraproduktiv sind. Leider gehen sie weder auf meine Argumente, noch auf die der Kollegen hier ein. Vielleicht können sie es einfach nicht, vielleicht ist das Interesse an JEKI auch nur rein politischer Art. Es gibt sicherlich viel zu verändern an herkömmlichen Musikschulen. Für mich steht in erster Linie immer das Wohl des KINDES an erster Stelle. Wenn es nach mir ginge, würde ich auch diese unsäglichen 30 oder 45 min Einzelunterricht/Gruppenuntericht abschaffen und den Stundenplan “frei” gestalten, zb Schüler A bereitet sich aufs Musikabitur vor und bekommt 45 min Einzelunterricht, Schüler B auf Jugend musiziert und bekommt 60 min, Schüler C,D und E sind grad nicht so motiviert und fahren mit einem halben Jahr Trios oder Quartette besser, Schüler F hat eine Zahnspange bekommen und braucht 3 Wochen besondere Zuwendung, um den Ton wieder in den Griff zu bekommen…usw. Mich macht es wirklich wütend wie sog. “Pädagogen” immer vergessen WARUM sie unterrichten. Es gibt nur Lehrer WEIL es Schüler gibt und nicht umgekehrt, und jedes Kind hat das Recht darauf so gefördert zu werden wie es ihm am besten bekommt. Wenn es für das Kind in dem Moment förderlich ist in einer 4er Gruppe zu spielen, dann wunderbar! Trotzdem muss es erlaubt sein die Zeit und Geduld aufzubringen um jedes Kind individuell zu fördern. Wenn die Politik wirklich benachteiligten Kindern helfen will, dann sollen sie den Zuschuss erheblich erhöhen, neulich sagte mir eine Kollegin, dass der Unterricht für Hartz IV Kinder an ihrer Musikschule 9,50 kostet! (mit Leihinstrument/pro Monat). Ich denke das kann jeder aufbringen der wirklich Interesse daran hat ein Instrument zu lernen und so ein Angebot sollte Schule machen. Mir fällt es gerade bei ärmeren Familien immer wieder auf, wieviele Opfer sie für ihre Kinder bringen und wie gut diese Kinder auf ihren Instrumenten oft ( vielleicht sogar deswegen?) sind. JEKI ist für mich ein soziales Projekt (und daher kommt es auch ursprünglich), machen sie sowas doch mal bei benachteiligten Kindern/Jugendlichen an einer Hauptschule in Neukölln, im Altersheim mit Demenzkranken oder an einem Waisenhaus in Indien, aber hören sie bitte damit auf, ständig gebetsmühlenartig zu wiederholen, dass JEKI gleichzusetzen sei mit qualifiziertem Einzel oder Tandemunterricht an Musikschulen. Ich lasse mich aber auch gerne vom Gegenteil belehren, wenn sie einen youtube link von ihrer Klasse oder so haben (Aufführung oder Unterricht), dann immer her damit!


Keine Argumente

Wenn ich hier den Versuch eine Argumentation seitens der JEKI-Befürworter zu finden suche, stoße ich nur auf leere Worthülsen, die hauptsächlich aus einer Not entstehen, innovative und politisch finanziell gestützte Projekte zu verherrlichen, die 1. diesen deutschen Spar-Fetisch zu postulieren, dieser auch bei neuen Kommunalpolitikern gerne gesehen wird, und 2. die Beschäftigung mit Instrumenten als SPIELZEUG für ALLE Kinder, sowohl sozial schwachen als mit Migrationshintergrund zu fassen. Somit werden summa summarum zwei Fliegen mit einer Klatsche geschlagen: Ersparnis und Förderung von ausländischen und sozial schwachen Familien. Das hört sich doch gut an :) Aber wo bleibt da die Qualität und damit fest verankerte Nachhaltigkeit? Wenn diese Frage mir von den JEKI-Anhängern beantwortet werden kann, indem die o.g. Punkte keine Relevanz im Bezug auf JEKI nehmen, dann wäre das zumindest ein Anfang einer sachlichen Argumentation.

Dachte ich mir doch :)


@Goldmund

Nachdem ich jahrelang an Gemeinderatssitzungen teilgenommen habe (als Lehrervertreter), habe ich immer wieder beobachtet wie einzelne Gemeinderatsmitglieder und Entscheidungsträger einfach überhaupt keine Ahnung haben, was wir an Musikschulen eigentlich machen. Es gibt einen Teil, die befürworten Musikschulen, einen zweiten die irgendwie nichts damit anfangen können, aber nicht gegen die Musikschulen großartig schießen (Kultur, Bildung, Kinder ist ja irgendwie gut) und dann gibt es aber noch den dritten der wirklich aktiv gegen Musikschulen arbeitet. Irgendwann kommt dann immer die Kostendiskussion auf und jene Gemeinderatsmitglieder weisen dann darauf hin, dass Musikschulen eine freiwillige Leistung sind und eigentlich sowieso viel zu teuer sind usw. Und gerade da diese Politiker keine Ahnung haben was wir eigentlich machen, springen diese natürlich sofort auf jenen Zug auf, wenn ein kostengünstiges Konzept angeboten wird. Denen ist es völlig egal, in welcher Form die Kinder ihr Instrument lernen, Hauptsache es kostet wenig. Über Pädagogik oder Didaktik braucht man mit diesen Leuten nicht reden, das perlt an denen ab, die leben eben in einer völlig anderen Welt. Wenn natürlich dann noch Musikpädagogen aus den EIGEN Reihen Werbung damit machen, daß JEKI die gleiche Qualität liefert wie der klassische Unterricht ist das meiner Meinung nach sehr gefährlich für viele Musikschulen. Wozu denn dann noch Musikschulen fördern? Die Kinder können doch schön in 4er oder 5er Gruppen in den Schulen vor sich hinbimmeln, damit schafft man auch gleichzeitig ein billiges Angebot für den Ganztagesbetrieb (Musikschulpädagogen arbeiten glücklicherweise ja für nen Appel und nen Ei), und sie lernen dabei noch Ihr Instrument. Wenn dann mal ein Jugend musiziert Preisträgerkonzert irgendo stattfindet, dann stellt man sich auch gerne noch als Politiker daneben und lässt sich photographieren. Dass das eine mit dem anderen NICHTS zu tun hat, verstehen nur die wenigsten.Wenn Politiker so denken, dann ist das schlimm genug, wenn aber Eltern ähnlich denken und der Unterschied von JEKI und Musikschulunterricht BEWUSST verschleiert wird, dann werden die Musikschulen noch mehr Schüler verlieren. Es muss ganz klar kommuniziert werden, dass JEKI ein Schnupperkurs, ähnlich der musikalischen Früherziehung, mehr ein soziales Projekt ist, wer tiefere Kenntnisse erzielen will, muss an eine Musikschule.
Wenn man sich mal die Literatur ansieht (von JEKI und zb Bläserklassen), dann sieht man auch wieder, dass es da nicht wirklich gutes Material gibt. Ich würde mich ja gerne sachlich an der JEKI Diskussion beteiligen (vor allem inhaltlich), aber wenn ich mir die Noten ansehe, dann steht mir der kalte Schweiß auf der Stirn ;) Meist ist der limitierende Faktor im Unterricht ja nicht der Schüler sondern der Lehrer und das spiegelt sich in dieser Literatur wieder. Bloss die Töne nicht chromatisch einführen das ist ja viel zu schwer (Ironie!), dann wird wieder seitenlang auf C-Dur und F-DUR rumgeeiert und die Leute sehen dann nicht, dass dadurch viel größere Probleme entstehen. Wenn ich wieder von der Querflöte kommen darf, dann sieht man, dass auf das gis oder fis verzichtet wird, aber sofort das c eingeführt wird (und noch schlimmer das d). Solange aber die Balance der Flöte noch nicht gegeben ist, sind diese Griffwechsel viel schwerer als ein gis zu spielen (kann man auch wieder wunderbar auf dem JEKI Video sehen, wie die Kinder sich krampfhaft einen abbrechen). In unseren (Lehrer) Köpfen steckt aber drin, bloss keine Vorzeichen, das ist ja soooooooo schwer und erziehen damit unsere Schüler in gleicher Weise. Wenn man aber von Anfang an die Töne chromatisch einführt hat man später viel weniger Probleme wenn viele Vorzeichen kommen (man muss es nur richtig verpacken). Das mag jetzt mal ein Beispiel sein (neben den anderen die weiter oben genannt habe), warum ich diese Methodik schonmal ablehne. Vielleicht schreiben ja mal ein paar kluge Köpfe auch bessere Schulen, vielleicht gibt es auch schon welche, die die ich gesehen habe waren auf jeden Fall unbrauchbar. Glaube Chopin war es, der auch mit E-Dur angefangen hat, weil die E-Dur Tonleiter anatomisch sehr geschickt liegt auf dem Klavier, das ist ein revolutionärer Ansatz Musik zu unterrichten, oder? :)


Ich kann nur meinem

Ich kann nur meinem Vorredner zustimmen und die Hand schütteln. Letztendlich kann ich Frau Walter nur unter der Prämisse verstehen, dass Sie sich in Ihrer neuen politisch relevanten Rolle profilieren muss und dadurch wohl Ihre Ideologie mit JEKI beschmutzt in einer “bemütternden” Form eines Uniform-freien Totalitarismus der musikalischen Bildungsaufgabe proklamiert.
Eine Musikschule als “Haus der Musik” bietet als Einrichtung den Grundstein einer qualitativen Arbeit mit der Musik und dem Menschen, worin beide geschätzt und im Einklang gebracht werden. Die dadurch entstehende Nachhaltigkeit ist mit einem hohen Mass an Kompetenz und Fachwissen gesichert. JEKI sorgt für heterogene Zwangsmusikalisierung wo sowohl die Musik als auch der Mensch nur benutzt werden damit die Politik sich ein bequemes Kleid nähen kann um der Öffentlichkeit nicht zu verleugnen, dass die kulturelle Bildungsaufgabe nun erfüllt wird. Dabei fehlt jedoch der Durchblick und jegliches Maß an Nachhaltigkeit und Qualität, den 1. welche Lehrkraft soll nach den vier JEKI-Jahren die vielen Großgruppen im Einzel-/Partnerunterricht auffangen? 2. wie kann die Qualität der Musik samt aller Nuancen und ihrer Ausübung ausschließlich in Großgruppen gesichert sein?
Instrumentalunterricht und Musikunterricht sind zwei Paar Schuhe, und JEKI ist nur der Dreck, der die Schuhe besudelt. Entweder steht eine politisch beabsichtigte Integration durch die Musik, oder den Direktoren leuchten die Dollar-Zeichen in den Augen, da sie mit der größer gewordenen Verantwortung mit JEKI wohl eine Tarifgruppe höher gestuft werden und somit auch die Befürworter dieser Modeerscheinung sind.
Es ist traurig erfahren zu müssen, dass gerade in Deutschland, wo die großen Gelehrten der Musik und Literatur das Kulturgut in den Olymp brachten, von solchem disparatem Projekt vernichtet wird.


Danke@Goldmund

…für Ihre Zustimmung. Die Methodik und die Instrumente haben sich ja in den letzten Jahren enorm verbessert. Dadurch wird das Einsteigsalter zb bei Blasinstrumenten auch niedriger. Das ist auch dringend notwendig, da die Jugendlichen immer früher die Schule verlassen (teilweise mit 17 schon). Wenn ich jetzt also von 4 Jahren Jeki ausgehe, sind die Kinder 10 bis sie dann eventuell Einzelunterricht erhalten. 1 Jahr braucht man mindestens um die gröbsten Haltungsfehler usw zu korrigieren. Falls die Kinder dann noch nicht abgesprungen sind, weil Umstellungen oft als schwierig empfunden werden, habe ich also noch ca.6 Jahre die Möglichkeit die Kinder so zu fördern das sie halbwegs ordentlich ihr Instrument erlernen. Wer selber unterrichtet, weiss, dass das nicht gerade viel ist. Man hat dann wohl nur noch in absoluten Ausnahmefällen die Chance die Jugendlichen auf das Niveau zu bringen, damit sie auch mal gängige Literatur erleben können. Wenn ich aber die 4 Jahre mehr und die Möglichkeit hätte die Kinder individuell zu fördern, steigen die Chancen beträchtlich. Meine jüngsten fangen oft schon mit 6 Jahren an (Querflöte) und können dann wenn sie die weiterführende Schule besuchen meist schon kleine klassische Duette spielen (Devienne usw). Aufgrund dieser guten Grundlagen kann man dann in den verbleibenden 6 Jahren wenn der Schulstress mehr wird und die “schwierige” Zeit anfängt noch sehr viel erreichen. Bitte nehmt uns diese Möglichkeiten nicht, es wird nicht nur für die Musikschulen Qualitätseinbußen geben, sondern auch den Musikhochschulen wird der Nachwuchs (aus Deutschland) knapp werden. Da der Musikschullehrerberuf aufgrund der Honorarverträge eh schon demontiert wurde, sieht es da sowieso schon zappenduster aus.
Ein letztes noch: auf der offiziellen JEKI Seite und bei Youtube sieht man oft in den Videos unter anderem Kinder die auf viel zu großen Instrumenten spielen und nicht die Instrumente haben die ihrem Alter und Körpergröße entsprechen. Da hört bei mir dann offen gestanden der Spass auf, dies schafft keine neuen Musiker sondern Fälle für den Orthopäden!


nmz-Gespräch mit Birgit Walter

Es ist vor allem ärgerlich, dass sich im JeKi Bereich auf Funktionärs und Fortbildungsebene vor allem Leute profilieren, die keine Erfahrung im (JeKi) Gruppenunterricht haben bzw. sich dieser Quadratur des Kreises selbst nicht aussetzen. Da werden in Hamburg im Bereich JeKi Tasteninstrumente Fortbidungen von Menschen abgehalten, die zwar hübsche Ideen haben aber wenn überhaupt gerade erst anfangen, sich mit der Realität herumzuschlagen. Ich habe zwei Jahre versucht nur einen Tag! in der Woche JeKi Unterricht zu geben. Selbst das war so frustrierend und belastend, dass ich es nicht weiter aushalte. Für Musiker im Früherziehungssektor mag JeKi eine Perspektive sein. Für Musiker, die mit teuren Staatsgeldern dazu ausgebildet Instrumente wurden bis zur Studienvorbereitung oder sogar im Hochschulbereich zu unterrichten, ist es keine Perspektive stattdessen lebenslang Bodypercussion und Good night Ladies oder Freude schöner Götterfunken auf unterstem Niveau unterrichten zu müssen. Die soziale Idee des JeKi Projektes in allen Ehren. Mehr Musik in die Schulen? Wunderbar ! Aber nicht so! Verbessert die Möglichkeiten der Schulmusiklehrer, macht weiter Instrumentenkarussel und andere Kennenlernphasen aber ermöglicht Kindern, die dies wünschen, instrumentalen Einzel- oder Tandemunterricht. Wer nicht bereit ist, dies wenn nötig staatlich zu finanzieren und behauptet, JeKi sei dafür eine Alternative, beschädigt sowohl die Instrumentallehrer als auch die musikbegeisterten Schüler.

Elisabeth Jalbert, Hamburg


Jeki-Interview

Den Annahmen von Frau Walter liegen einige Fehlinformationen zugrunde:

Moderne didaktisch-methodische Ansätze des Instrumentalunterrichts greifen grundsätzlich auf die Komponente Gesang zu. Diese Komponente kann also heute keineswegs mehr als Zugabe zu einem Unterrichtskonzept betrachtet werden, die ergänzend einbezogen werden sollte. Vielmehr ist die Arbeit mit Stimme und Instrument unverzichtbar. Dass sich die sängerischen Konzepte für JeKi lediglich im Planungsstatus befinden, weißt auf gravierende Lücken im Konzept hin, die im Sinne eines ganzheitlichen Instrumentalunterrichts alarmieren müssen. Jeder erfahrene Instrumentallehrer weiß, wie schwer es ist, nach methodischen Fehlentwicklungen „zurückrudern“ zu müssen!

Ähnlich verhält es sich mit der Bewegungsarbeit bis hin zur Komponente Tanz.

Richtig ist, das Konzepte - wie die für JeKi - mit den Hochschulen koordiniert werden müssen. Allerdings kann man in der didaktisch-methodischen Ausbildung der Instrumentallehrer erst dann an die Aufrüstung für neue Anforderungen im Beruf denken, wenn die Professionalisierung des Instrumentallehrerberufes per se abgeschlossen ist und wenn die zwischen den Hochschulen erheblich divergierenden diesbezüglichen Standards angeglichen sind. Davon kann jedoch heute noch nicht die Sprache sein.

Ein Pensum von vier Semestern Fachdidaktik-Methodik im Rahmen des Studienganges Instrumentalpädagogik deckt erfahrungsgemäß allenfalls die grundlegenden Übungen und Fragestellungen für die Unterrichtspraxis ab. Innerhalb dieses Rahmens sind derzeit wohl kaum Spezialisierungen denkbar.


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