Jugend für Oper und Neue Musik begeistern

Das vom Bundesministerium geförderte Musikvermittlungsprojekt steuert auf 2. Uraufführung zu


(nmz) -
Oper und Neue Musik – das eine Genre gilt vielen jungen Musikhörenden als zu altbacken und überholt, das andere als nicht-hörbar und zu experimentell. Beide liegen nicht unbedingt auf den Spitzenplätzen der Hörgewohnheiten Jugendlicher. Wer nicht im entsprechenden, diesen Musikstilen gegenüber offenen Elternhaus herangewachsen ist, der wird auch später nur schwer Zugang zu ihnen finden. Umso komplexer gestaltet sich die Umsetzung des Anspruchs musikvermittelnder Institutionen, in jenen Heranwachsenden Interesse für Oper und/oder Neue Musik zu wecken und ihnen zu zeigen, dass diese Musikstile keine starren Konstruktionen sind – auch wenn es manchmal den Anschein hat – sondern eigentlich nur einer Generalüberholung ihres Selbstbildes bedürfen. Vereinfacht gesagt: So muss Oper nicht immer von Mozart oder Wagner sein und Neue Musik hat keinen implementierten Dodekaphoniezwang.
Ein Artikel von nmz-red

Dass sich Jugendliche mit diesem Wissen sehr wohl für Oper und Neue Musik begeistern lassen, besonders wenn sie selbst in ihrer musikalischen Produktion und Umsetzung aktiv werden und sie gemäß ihren eigenen Ansprüchen mitgestalten können, beweist das durch Bundesmittel finanzierte Musikvermittlungsprojekt der Musikkultur Rheinsberg gGmbH.

Hier fällt alles zusammen: eine Oper, musikalisch angelehnt an Strömungen der Neuen Musik; aktiv konzipiert, geschrieben, komponiert und auf die Bühne gebracht von und mit Schüler/-innen (10. Klasse) des Karl-Friedrich-Schinkel-Gymnasiums Neuruppin.

Das Projekt startete Anfang 2017 und bereits im Oktober gleichen Jahres fand die erste von zwei geplanten Uraufführungen im Schlosstheater Rheinsberg statt: Die Oper »Narziss und Echo« stieß auf ausschließlich positive Resonanz – seitens der Beteiligten als auch des Publikums. Gemeinsam mit einem hochkarätigen künstlerischen Team aus der erfahrenen Librettistin Erika Otto, dem musikalischen Leiter der Jungen Kammerphilharmonie Berlin, Aurélien Bello, dem freischaffenden Regisseur und Tänzer Arturo Gama sowie der Musiklehrerin des Gymnasiums Ulrike Schubach hatten die Schüler/-innen innerhalb des schulischen Musikunterrichts als auch in außerschulischen Probenphasen, darunter in der Musikakademie Rheinsberg, die Oper geschaffen und einstudiert. Fragen einer musikalischen Leitmotivik standen dabei ebenso im Raum wie auch Problematiken eines sinnvollen Wort-Ton-(Bühnen-)Bild-Verhältnisses.

Dass Aurélien Bello zwar auf eine für die Schüler/-innen gesangstechnische Umsetzbarkeit Wert legte, aber in seiner Arbeit mit den Jugendlichen dennoch die musikalischen Motive und Melodien – besonders für den allgemeinen Pop-Hörer – anspruchsvoll und ungewohnt gestalten ließ, zeigt das Bewusstsein für eine sensible Heranführung an Musikwelten, die heutigen Jugendlichen nur selten vertraut sind.

Musikalische Unterstützung bekamen die Jugendlichen, die selbst größtenteils nur wenig bis keine musikalisch-praktischen Vorkenntnisse besaßen, von einem Projektorchester aus Schüler/-innen der Kreismusikschule OPR sowie Musikstudierenden. Es war zudem wohl überlegt, eine Intensivprobenphase in der Musikakademie Rheinsberg sinnvollerweise in die Produktionszeit des internationalen Festivals Kammeroper Schloss Rheinsberg zu legen: So waren die insgesamt 25 Jugendlichen in dieser Zeit umgeben von professionellen Sänger/-innen, Instrumentalist/-inn/-en und Regisseur/-inn/-en und konnten auf diese Weise regen Austausch erfahren.

Der zweite Durchgang des Musikvermittlungsprojekts begann im September 2017, die Uraufführung dieses Werks mit einem neuen Projektensemble aus insgesamt etwa 20 Schüler/-innen der heutigen 10. Klassen ist für Oktober 2018 geplant.

„Welche Welt?“ wird das Thema dieser Produktion sein – ein philosophisch anmutender Titel, hinter dem die beinahe dystopische Frage einer Entscheidung zwischen realer und digitaler Lebenswelten steht: Ein »Romeo und Julia der Zukunft«, musikalisch unterstützt mit elektronischen Klanganteilen sowie faszinierenden Videoprojektionen. Eine erste längere Probenphase in der Musikakademie Rheinsberg findet in der letzten Juniwoche statt, die zweite im Oktober kurz vor der Premiere. Es bleibt abzuwarten, ob auch in diesem Projektdurchgang der Funke der Begeisterung für – zumindest die eigene – Oper und Neue Musik überspringt.

Info zum Bundesmittelprojekt
Termine: 18. & 19. Oktober 2018, 19.30 Uhr
Ort: Schlosstheater Rheinsberg
18 Euro/9 Euro erm. (Änderungen ggf. möglich)
www.musikakademie-rheinsberg.de

Ähnliche Artikel

  • Der Ruf nach einer demokratischen Zukunft - „Wir sind das Volk“: Programm der Musikakademie Rheinsberg zum 20. Jahrestag des Mauerfalls
    05.11.2009 Ausgabe 11/2009 - 58. Jahrgang - Pädagogik - nmz
  • Direkt in die Herzen der Hörer - Die Musikakademie Rheinsberg präsentiert die Oper „Argenore“ von Wilhelmine von Bayreuth
    06.03.2012 Ausgabe 3/2012 - 61. Jahrgang - Pädagogik - Claudia Forner
  • Konzertverzehr - Uraufführungen 2014/07
    05.07.2014 Ausgabe 7/2014 - 63. Jahrgang - Berichte - Rainer Nonnenmann
  • Oster-Oper der Musikakademie Rheinsberg - 10 Jahre deutsch-polnische Zusammenarbeit – Oper „Merlins Insel“ zum 300. Geburtstag von Gluck
    02.03.2014 Ausgabe 3/2014 - 63. Jahrgang - Pädagogik - Brigitte Kruse
  • Schlaglichter - Zur 20. Rheinsberger Pfingstwerkstatt Neue Musik
    05.09.2011 Ausgabe 9/2011 - 60. Jahrgang - Pädagogik - N.N.