Kammermusik auf höchstem Niveau

Das Zentaur-Quartett überzeugt mit anspruchsvollem Programm


(nmz) -
München. Am 19. Oktober 2020 interpretierte das Zentaur-Quartett im Rubinstein-Saal moderne Kompositionen unter dem Motto „Clouds and Fragments“ und gab so Einblicke in seine bald erscheinende CD.
Ein Artikel von Madlen Poguntke

Zuerst stand die Uraufführung von Christian Diecks „Streichquartett“ auf dem Programm. Flotte Rhythmen, Pizzicati und wilde Glissandi erklangen in allen Instrumenten und bildeten so ein durchlaufendes Muster. Solistische Einwürfe und hinzukommende Flageolett-Töne verliehen dem Werk eine atmosphärische Stimmung.

Jedes Werk habe einen Bezug zum „atmosphärisch-himmlischen“, daher auch der Name des Konzerts „Clouds and Fragments“. „Viele Kompositionen sind kleingliedrig, aus einzelnen Teilen bestehend, daher auch das Wort ,Fragments‘, so Violinistin Katharina Schmauder, die mit dem Bratschisten Marc Kaufmann die Rollen tauschte. Auch auf der CD wird die neue Besetzung zu hören sein.

Das Bruchstückhafte und Kleingliedrige prägte auch „Scary Meditation“ von Helga Pogatschar. Schnelle polyphone und polyrhythmische Läufe wechselten sich mit unisono erklingenden Pausen ab. Hier war eine hohe spieltechnische Fingerfertigkeit gefragt. Flageoletts stellten dabei das Gegenstück der wilden Rhythmen dar und schafften so einen ruhigen Moment. Schmauders Eigenkomposition „Skin“ folgte, die besonders durch eine Vielzahl an Spielweisen bestach. Flageolett-Töne wurden mit Pizzicati kombiniert und umrahmten eine fast romantisch wirkende Melodie.

Es erklang ein Werk von Sandeep Bhagwati. „Stele for James Tenney“ nahm eine besondere Stellung in dem Konzertprogramm ein. James Tenney war ein US-amerikanischer Komponist, der 2006 verstarb, weswegen dieses Stück zum Gedenken des Musikers entstand. Annette Fritz, die Violinistin des Abends, erklärte, dass hier zwei Ebenen existieren. So besteht die eine aus Tonmaterial, das von Cello und Bratsche frei improvisiert werden soll. Die andere enthält Pattern, die zwar notiert sind, von den beiden Geigen aber frei gestaltet werden können. Hinzu kommt, dass Cello und eine Geige einen Viertelton höher gestimmt werden sollen, um den klanglichen Effekt noch weiter zu forcieren. „Wir haben zwar ein paar Vorgaben, sind aber dennoch relativ frei in der Umsetzung und wissen daher nie wie es letztendlich klingen wird “, so Fritz.

Gefolgt wurde diese Komposition von Jacopo Salvatoris „Pixels“. Der einheitliche Rhythmus wurde immer wieder durch Einwürfe gestört. „Es soll hier der Stil ,Glitch-Art‘ musikalisch umgesetzt werden“, erklärte der Cellist Caio de Azevedo. Es sei „ein Gemälde, das durch Verzerrung und Störungen die einzelnen Pixel eines digitalen Bildes sichtbar macht; ein elektronisches Stück, ohne Elektronik“. Alexander Strauchs „H-I-A-S – Streichquartett Nr. 1“ wurde dem im 18. Jahrhundert lebenden bayerischen Robin Hood Matthias Klostermayr gewidmet, der auf mehrere Arten grausam hingerichtet wurde. Das Werk war geprägt von extremer Dynamik und fast brutal wirkenden Spielweisen. Die Qual und der Schmerz des „Bayerischen Hiasl“ wurde ausdrucksstark vom Quartett interpretiert. Abgeschlossen wurde das Konzert mit der Uraufführung „Clouds and Fragments“ von Markus Lehmann-Horn. Sehr schwebend und leicht beendete das Werk das gelungene Konzert, das Lust auf die bald erscheinende CD des Zentaur-Quartetts macht. 

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