Kein Intendant müsste man sein

Cluster 2016/12 - Martin Hufner


(nmz) -
Vor kurzem hat man in Dresden Serge Dorny als designierten Intendanten der Semperoper zuerst engagiert, dann abserviert und schließlich nach einer juristischen Odyssee abfinden müssen. Jetzt könnte sich in Berlin das gleiche ereignen. Auch der Castorf-Nachfolger an der Berliner Volksbühne, Chris Dercon, soll demnach sein Amt ab 2017 nicht antreten. Man munkelt so etwas in den Fluren der Berliner Gerüchteküchen. Fachleute mutmaßen, dass es am Ende um irgendwas zwischen drei und acht Millionen Euro geht, die man dafür aufwenden müsste, damit jemand nicht arbeitet.
Ein Artikel von Martin Hufner

Eine Parallele zum Bau eines Flughafens, damit er bloß nicht in Betrieb genommen werden kann, scheint speziell in Berlin eine besondere Vorliebe zu sein.

Neulich erst muckte das Berliner Staatsballett gegen Sasha Waltz auf und das Orchester der Komischen Oper gegen den Vorschlag eines Nachfolgers von Generalmusikdirektor Henrik Nánási. Wenigstens scheint hier nur (böses) Blut, aber kein Geld zu fließen.

Man fragt sich da, warum man solche Personalentscheidungen nicht jemandem überlässt, der etwas davon versteht: dem Jobcenter der Bundesagentur für Arbeit. So als Nichtarbeitsbeschaffungsmaßnahme. Siehe: Berufs-ID: 8384, Systematiknummer: 94494-100. Hiermit bewerbe ich mich ausdrücklich als designierter abgesetzter Intendant. Das wäre immerhin auch ein Möglichkeit, endlich das bedingungslose Grundeinkommen irgendwie durchzusetzen.

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