Kindern einen offenen Blick ermöglichen

Papageno – Das Musikmagazin für Kinder auf WDR 3


(nmz) -
Ein Artikel von Petra Pfaffenheuser

Es ist ein schwieriges Unterfangen, Kindern klassische Musik nahezubringen. Generationen von Musiklehrern wissen darüber zu berichten. Die musikalische Vorbildung wird bekanntermaßen stetig schlechter, schulischer Musikunterricht wird vom Amtsschimmel immer weiter zusammengestrichen. Denkbar schlechte Voraussetzungen für eine Kinder-Klassiksendung im Hörfunk, könnte man daraus schließen.
Daß es doch möglich ist, Spaß und Klassik zu verbinden, zeigt eine Radiosendung, die seit März 1998 immer sonntags von 12.20 bis 13 Uhr auf WDR 3 zu hören ist: Das Kindermusikmagazin „Papageno“ hat sich auf seine Fahnen geschrieben, Kinder auf unterhaltsame Weise mit klassischer Musik in Berührung zu bringen. In lockeren, witzigen und informativen Reportagen, Interviews, Aktionen in Schulen und Musikschulen und mit vielen Hörbeispielen bereitet das Magazin die Musikstile, die das Programmprofil vom „Klassiksender“ WDR 3 definieren, kindgerecht auf. Das musikalische Spektrum reicht von Alter Musik bis zu Zeitgenössischer Musik, von Folklore bis zum Jazz. Pop- und Rockmusik wird auch vereinzelt gespielt, das Augenmerk gilt jedoch den Musiksparten, mit denen Kinder und Jugendliche im Alltag weniger in Berührung kommen.

Kindgerechtes Aufbereiten bedeutet bei „Papageno“ nicht Häppchenkost a la „Achtung Klassik“ für 7- bis 14jährige, sondern das Hinführen zum bewußten Hinhören, Anstöße für Kinder geben, darüber nachzudenken, warum sie bestimmte Musik mögen, wie die Musik aufgebaut ist und was sie bewirkt. Die Beschäftigung mit musikalischen Werken an sich ist jedoch nur ein Punkt aus dem vielfältigen Themenspektrum, dem sich „Papageno“ widmet. Akustik, Instrumentenkunde, Musikgeschichte, Ausflüge in Konzerte und Museen und vieles mehr werden vorgestellt. Ein Besuch beim Hals-Nasen-Ohren-Arzt, der die Funktionsweise der menschlichen Singstimme erklärt, gehört ebenso dazu wie das Berichten vom Kontrabaßunterricht an einer Musikschule, Tonphysik, John Cages „Prepared Piano“ oder das Porträt eines Glockenmuseums. Die verantwortliche Redakteurin Ulrike Gruner moderiert im Wechsel mit vier freien Mitarbeitern das Magazin, zum Team gehören jedoch zirka 25 Journalisten aus unterschiedlichen Fachbereichen. Ulrike Gruner, die auch gleichzeitig Leiterin für den Bereich Musik und Text beim WDR Köln ist und bis zum letzten Jahr mit Eva Küllmer das Magazin „Musikszene“ betreut hat, sieht es als spannende Herausforderung, „den Ernst, der um die klassische Musik herrscht, aufzubrechen“. Die Resonanz auf „Papageno“ ist groß. Die nach der Sendung geschaltete Hörerhotline ist zahlreich genutzt, und auf die Musikrätsel, die in jeder Ausgabe gestellt werden, gibt es viele begeisterte Zuschriften. Die Kinder werden bewußt eingebunden, sei es als Studiogäste oder durch Wunschsendungen, in denen ihre Lieblingsmusikstücke gespielt werden. Eine von den Kindern geliebte kuriose Figur am Rande, die immer wieder bei „Papageno“ auftaucht, ist Dr. MC CD Dietrich Dudel. Er ist ein völlig verrückter Professor, der sich irrwitzige Dinge ausdenkt, wie die Streichblockflöte, die man spielen kann, wenn man Kekse gegessen hat, oder die Fahrradharfe.

Die sonntäglichen Papageno-Sendungen sind magazinartig aufgebaut mit Beiträgen, Gästen, Interviews und Musik, es gibt aber auch an Feiertagen und in den Ferien anders gestaltete Schwerpunktsendungen, in denen längere Werke zuerst erklärt und dann gespielt werden. „Man muß die Chance nutzen, Kindern größere Werke vorzustellen und die Konzentration auf eine Sache zu üben“, erklärt Ulrike Gruner das Konzept der Feriensendungen.

„Papageno“ möchte nach dem nun vergangenen ersten Sendejahr, in dem man sich größtenteils auf das Produzieren der Sendung im Magazinstil konzentrierte, die Perspektive erweitern auf Aktionen, die die Sendung auch in der Öffentlichkeit präsentieren. Erste Schritte dazu sind bereits getan. Das Projekt „Response“ mit der Kölner Philharmonie, in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Musikrat und dem Büro für Konzertpädagogik Köln, ist bereits abgeschlossen. Mit sechs Schulklassen wurde auf ein Konzert mit Zeitgenössischer Musik, das im Rahmen der regulären Konzertreihen in der Philharmonie stattfand, hingearbeitet. Je ein Komponist und ein Interpret haben mit den Kindern ein Werk komponiert und geprobt. Es entstanden kleine Stücke und Performances, die in einem eigenen Schülerkonzert in der Philharmonie aufgeführt wurden. „Papageno“ hat das Projekt begleitet und einen Konzertmitschnitt gesendet. Bei einem weiteren Projekt konnten fünf Kinder bei der Aufführung des Werks „Sonant“ von Mauricio Kagel vom Gürzenich-Orchester mitwirken. Für 1999 ist die Aktion „Ohren auf“, ebenfalls mit dem Gürzenich-Orchester, geplant. Dort sollen Schulklassen auf Konzerte vorbereitet werden und dann die Möglichkeit bekommen, die Generalprobe zu besuchen.

Die bundesweit einzigartige Kindermusiksendung „Papageno“ schafft das, was für Musikschulen und Schulmusikunterricht immer schwieriger wird: Die Gratwanderung zwischen Unterforderung und Überforderung der Kinder, sie nicht zu langweilen, aber auch nicht zu belehren. Dieses Konzept zeigt Wirkung. Die große Nachfrage von Musiklehrern, die gerne Mitschnitte der Sendung in ihrem Unterricht einsetzen möchten, zeugt davon.

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