„Klassikpreis“ für klasse Leistungen

SiebenBundespreisträger „Jugend musiziert“ erhielten die renommierte Auszeichnung


(nmz) -
Am 13. September 2014 bot die Westfälische Schule für Musik der Stadt Münster Preisträgerinnen und Preisträgern des zurückliegenden Bundeswettbewerbs „Jugend musiziert“ eine attraktive Bühne: Dort wurde um den mit 6.000 Euro dotierten „WDR3 Klassikpreis der Stadt Münster“ gespielt. Nach einem ereignisreichen Wettbewerbstag entschied die Jury: Den Klassikpreis 2014 erhalten die Pianisten Ellen Lee aus Hannover, Nima Mirkhoshhal aus Wriedel, Viktor Soos aus Backnang, der Sänger Constantin Emanuel Habel aus Zürich sowie ein Holzbläsertrio mit Max Vogler (Oboe), Lewin Kneisel (Klarinette) und Antonio Azzolini (Fagott) aus Rostock und Berlin.
Ein Artikel von N.N.

So viele Bewerber konnte der traditionsreiche Wettbewerb schon lange nicht mehr verzeichnen: 22 Nachwuchsmusikerinnen und -musiker, allesamt 1. Bundespreisträger „Jugend musiziert“ 2014, hatten sich um die begehrte und hoch dotierte Auszeichnung beworben. Schon der 51. Bundeswettbewerb hatte einen Teilnehmerrekord verzeichnet. So war die hohe Teilnehmerzahl beim „Klassikpreis“ keine echte Überraschung, wohl jedoch die Qualität und das breite Spektrum an Besetzungen.

Der „WDR3-Klassik-Preis der Stadt Münster“ genießt bundesweit einen hohen Stellenwert, denn er bildet die oberste Stufe im Anschluss an den Bundeswettbewerb „Jugend musiziert“. Die besondere Herausforderung beim „Klassikpreis“ besteht darin, eine mehrsätzige Komposition künstlerisch zu durchdringen und den Spannungsbogen über die Gesamtdauer des Vortrags zu halten. Zudem ist er hoch dotiert: WDR 3 und die Stadt Münster stiften zu gleichen Teilen insgesamt 6.000 Euro.

„Die Werke der Wiener Klassik gelten als anspruchsvoll: Es ist ein Wagnis, sich als junger Musiker mit dieser Musik zu präsentieren, weil man zum Vergleich mit unzähligen und berühmten Interpretationen herausfordert. Faszinierend war für uns deshalb umso mehr, mit welcher Frische die jungen Künstler diese Aufgabe bewältigt haben. Die Jury hat sich entschieden, den Preis auf sieben junge Künstler aufzuteilen, um das Konzertpublikum an diesem Eindruck teilhaben zu lassen“, so die Jury mit Dr. Michael Breugst, Prof. Till Engel, Richard Kirchbaum, Prof. Joachim Klemm, Prof. Brigitte Lindner, Prof. Ulrich Rademacher und Gideon Rosengarten, unter ihrem Vorsitzenden Prof. Reinhart von Gutzeit, Salzburg.

Vom Wettbewerb auf die Bühne

Erstmals schloss sich direkt an den Wettbewerbstag das Preisträgerkonzert am 14. September um 11 Uhr im Konzertsaal der Musikhochschule an. Das Konzert wurde vom WDR live produziert und wird zeitnah ausgestrahlt. Prof. Ulrich Rademacher schildert seine Eindrücke:

Jüngst hat der junge Alexej Gorlatch von Münster aus als Klassikpreisträger seine Pianistenkarriere gestartet, die mittlerweile auch mit dem begehrten ARD-Preis veredelt wurde. Andere ehemalige Klassikpreisträger wie Herbert Schuch und Igor Levit sind längst international gefragte Musiker. Gerade wurde der Klassikpreis, den die Stadt Münster gemeinsam mit WDR 3 stiftet, zum 26. Male ausgetragen. Den diesjährigen Preisträgern konnte Prof. Ulrich Rademacher für die Stadt Münster und Prof. Reinhart von Gutzeit, Rektor des Mozarteums in Salzburg, für den Deutschen Musikrat ihre Urkunden überreichen.

Die junge Pianistin Ellen Lee präsentierte sich zu Beginn mit ihrer Interpretation von Beethovens Klaviersonate op. 26, „Les adieux“. Sie beeindruckte vor allem durch differenzierte Anschlags- und Klangkultur. Quasi als Intermezzo bezauberte ein Trio mit Max Vogler, Oboe, aus Rostock, Lewin Kneisel, Klarinette und Antonio Azzolini, Fagott, beide aus Berlin, das Publikum mit einer Auswahl von drei Sätzen aus dem zweiten Divertimento von Wolfgang Amadeus Mozart. Die drei jungen Musiker beeindruckten durch ihre sichere Intonation, einen schönen Ton, vielfältige Artikulationsnuancen und eine gehörige Portion Spielwitz. Den ersten Teil beendete Nima Mirkhoshhal aus Wriedel mit Beethovens Waldstein-Sonate. Er bot eine vom ersten Ton an sehr energetische Version dieser Publikums-Lieblings-Sonate. Erstaunlich, wie ein so junger Interpret bei aller Heißblütigkeit sowohl bei der Tempowahl als auch im Ausreizen des dynamischen Spektrums immer „klassisch“ blieb. Nach der Pause stellte sich der junge Knabensopran Constantin Emanuel Habel aus Zürich vor. Von seiner Mutter am Klavier begleitet bot er eine persönliche Auswahl von Schubert-Liedern, die über das gemeinsame Thema „Mond“ miteinander verknüpft waren. Seine Interpretation bekam durch die besondere Farbe seiner Stimme, die noch zwischen reiner Knabenstimme und ausgewachsener Männerstimme schwebt, einen ganz besonderen Charme. So bot seine Interpretation auch den ausgewiesenen Kennern verschiedener Schubert-Interpretationen ganz neue und frische Hörerlebnisse. Man darf gespannt sein, in welche Richtung sich seine Stimme weiter entwickeln wird.

Nach der Übergabe der Urkunden ging das Konzert mit Beethovens Sonate Es-Dur op. 7 zu Ende. Gerade hier zeigte der junge Viktor Soost aus Backnang sehr eindrucksvoll, nach welchen besonderen Qualitäten der „Klassikpreis“ sucht. Diese Sonate gehört nicht zu den meistgespielten, ist vielleicht weniger spektakulär als die Hammerklavier-Sonate oder die Appassionata. Sie will erschlossen werden mit ihrem Reichtum an lyrischem Zauber und musikalischen Abgründen, aber auch ihren aberwitzigen technischen Herausforderungen, und das über eine Länge von gut einer halben Stunde mit vier Sätzen. Dies alles erschien bei Viktor Soos in guten Händen. Der herzliche Abschlussbeifall galt natürlich allen Preisträgerinnen und Preisträgern und war verbunden mit den besten Wünschen für eine fruchtbare und dynamische Weiterentwicklung.

Die in diesem Jahr erstmals geübte Praxis, das Preisträgerkonzert am Folgetag des Wettbewerbes durchzuführen, hat sich offenbar bewährt. Der Deutsche Musikrat und die für die Durchführung in Münster verantwortliche Westfälische Schule für Musik würden sich im nächsten Jahr über einen noch größeren Publikumszuspruch freuen, auch wenn bei einem solchen Preisträgerkonzert naturgemäß nicht mit vorher bekannten Namen und Werken geworben werden kann. Dafür verspricht das Konzert jedes Jahr ein Höchstmaß an Frische und klassischer Perfektion. 

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