Kolumne


(nmz) -
Ein Artikel von Hans-Peter Stenzl

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

wir Musiker wissen: Ein Geheimnis einer überzeugenden Interpretation, Komposition, Improvisation, aber auch einer gelungenen Unterrichtsstunde ist eine wohltemperierte Abfolge von Spannung und Entspannung. Und wir behaupten immer wieder gerne, dass die besten Antworten auf die Fragen des Lebens in der Musik zu finden seien.

Aber richten wir uns auch danach? Ich jedenfalls ertappe mich allzu oft dabei, diese gesunden Grundsätze zu ignorieren, haste von einer Verpflichtung zur nächsten, um am Ende des Tages doch nur das unangenehme Gefühl mit in den Schlaf zu nehmen, auf keiner Baustelle den optimalen Einsatz gebracht zu haben. Zu oft und zu lange entgleiten uns sensiblen und qualitätsbewussten Wesen die souveräne Beherrschung, die dichte Vernetzung und klare Übersicht über unsere Aufgaben. Weil wir von unberechenbaren Pandemien oder sinnlosen Kriegen überrollt werden. Weil wir nicht achtsam genug mit uns und anderen, mit Werten und Ressourcen, mit Zeit und Kraft umgehen. Weil wir allzu häufig zu viel wollen.

Jetzt aber haben wir Sommerferien. Auch über solche Themen sprechen wir im Präsidium: Gönnen wir uns doch mal zwei, drei Wochen das Gegenteil vom Alltag! Machen wir Musik, wenn wir sonst nicht genügend Zeit dafür haben. Geben wir unseren Ohren eine Pause, wenn sie ansonsten permanent beschallt werden. Nichts ist ohne sein Gegenteil wahr. Genießen Sie Erholung und Entspannung im Sinne dieser Wahrheit, dieser Ganzheit, dieser elementaren Menschenwürde – mit bestem Gewissen!

Einen schönen Sommer wünscht Ihnen

Hans-Peter Stenzl,
1. Vizepräsident
des DTKV

 

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