Kontrollierte Ekstase

Zum sechsten Europäischen Gesangswettbewerb DEBUT 2012


(nmz) -
In der Förderung des internationalen Opernnachwuchses steht die JMD für künstlerische Qualität auf höchstem Niveau. Seit Beginn der Partnerschaft der JMD mit DEBUT im Jahr 2010 konnten das internationale Renommee des Gesangswettbewerbs und die Teilnehmerzahlen spürbar gesteigert werden. In diesem Jahr hatten sich 330 junge Sängerinnen und Sänger aus 48 Nationen beworben. Am Ende waren es 6 Nachwuchstalente, die sich im Finale am 29. September in Bad Mergentheim dem Publikum präsentierten und dem Urteil der Jury stellten.
Ein Artikel von N.N.

Stimme, Technik, Musikalität und künstlerische Persönlichkeit – in diesen vier Kategorien mussten die jungen Sängerinnen und Sänger mit ihrem Vortrag von jeweils zwei Opernarien überzeugen. Eine zusätzliche Herausforderung stellte der im Wettbewerb verlangte Liedvortrag dar. „Das Lied ist eine kleine Form und doch ein ganzer Kosmos“, erläutert Patrick Bialdyga, Künstlerischer Leiter von DEBUT, das Konzept. Der Liedwettbewerb ist eines der Elemente, mit denen die JMD im Wettbewerb neue Akzente setzt und künstlerische Synergien und Verbindungslinien zu ihrem Internationalen Opernkurs schafft, dessen Leitung seit 2007 ebenfalls bei Bialdyga liegt. Alle Teilnehmer sollen auf möglichst umfassende Weise für ihre weitere Karriere profitieren. So hatten die jungen Sängerinnen und Sänger parallel zu den Wettbewerbsrunden in der Musikakademie Schloss Weikersheim in Workshops szenisch gearbeitet und wichtige Grundlagen für ihre spätere Bühnenarbeit erhalten. Die Jurymitglieder nahmen sich Zeit, die Nachwuchstalente eingehend und individuell zu beraten und eigene berufliche Erfahrungen an sie weiter zu geben. Auch die Schirmherrin von DEBUT 2012, Kammersängerin Edda Moser war während der gesamten Zeit in Weikersheim anwesend und begleitete die Teilnehmer durch den Wettbewerb. „Singen ist kontrollierte Ekstase“, charakterisierte sie die Herausforderungen und das Glück eines Sängers. Ebenso sei jedoch auch der Umgang mit Einsamkeit und Niederlagen Teil des Berufs. So habe ihre Aufgabe als Schirmherrin nicht zuletzt darin bestanden, ausgeschiedene Teilnehmer zu trösten. Die Kammersängerin zeigte sich vom durchweg hohen Niveau des Wettbewerbs beeindruckt. Und auch der Juryvorsitzende Kammersänger Harald Stamm bestätigte bei Verkündung der Ergebnisse, dass das Feld nicht nur der Finalisten dicht beieinander gelegen habe. 

So fand der Wettbewerb seinen Höhepunkt in einem spannenden Herzschlagfinale. Die glanzvolle Operngala, live übertragen auf der Kulturwelle SWR2, wurde von Tagesschau-Sprecher Jan Hofer moderiert, der das Publikum charmant durch den Abend führte. Sechs Finalisten, drei Sopranistinnen und drei Baritone, präsentierten sich, begleitet von der Württembergischen Philharmonie Reutlingen unter der Leitung von Catherine Rückwardt, technisch brillant, leidenschaftlich und sympathisch. Am Ende des Abends überreichte der Initiator des Wettbewerbs Manfred Wittenstein die Goldene Viktoria, verbunden mit einem Preisgeld von 10.000 Euro an den türkischen Bariton Kartal Karagedik, Jahrgang 1984. Dessen innige und differenzierte Interpretation der Romanze des Wolfram „O du, mein holder Abendstern“ aus Wagners „Tannhäuser“ und eine wahrhaft glänzende Arie des Renato aus Verdis „Maskenball“ waren ein in jedem Punkt gelungenen Vortrag. Zwei Tage zuvor hatte Karagedik bereits den Wettbewerb um den DEBUT-Liedpreis für sich entschieden. Platz zwei und damit verbunden ein Preisgeld von 5.000 Euro gingen an Alexey Bogdanchikov, Jahrgang 1985, aus Usbekistan. Der Bariton beeindruckte durch eine starke Bühnenpräsenz und seine in allen Registern ausgeglichene Stimme. Über eine Bronzene Viktoria und 2.500 Euro freute sich die chinesische Sopranistin Yitian Luan, die insbesondere mit ihrer gestaltungsreiche Arie der „Violetta“ und Koloraturen von makelloser Brillanz begeisterte. Platz 4 bis 6 waren jeweils mit 500 Euro dotiert und gingen an Lussine Levoni, Armenien, und Daniela Gerstenmeyer, Deutschland (beide Platz 4) und Iurii Samoilov, Weißrussland (Platz 5). 

In Opernfachkreisen findet der Wettbewerb international hohe Aufmerksamkeit und wird von Intendanten renommierter Opernhäuser als attraktive Möglichkeit genutzt, junge Talente zu entdecken und zu engagieren. So wurden eine ganze Reihe weiterer Förder- und Engagementpreise vergeben. Auch die JMD vergab einen Sonderpreis im Wert von 3.000 Euro. Der 23-jährige Tenor Chang Liu aus China erhält ein Vollstipendium beim Internationalen Opernkurs der Jungen Oper Schloss Weikersheim und wird 2013 in Mozarts „Don Giovanni“ die Partie des Don Ottavio gestalten.

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