Kurz vorgestellt

CDs


(nmz) -
Ein Artikel von Reinhard Schulz

Arthur Honegger; Bohuslav Martinu; Johannes Sebastian Bach; Matthias Pintscher; Maurice Ravel: Stücke für Violine und Violoncello.
Frank Peter Zimmermann, Violine, Heinrich Schiff, Cello.
ECM 1912 (476 3150)

Frank Peter Zimmermann ist wohl einer der aufregendsten Geiger der Gegenwart. Eben weil er nichts zur Attitüde macht, nichts aufträgt. Er nähert sich der Musik mit einer Seriosität, die einen fast bedenklich stimmen könnte, wenn nicht eine geradezu unglaubliche Lust am Musizieren die Strenge ausgliche. Und mit Heinrich Schiff entsteht bei dieser nicht gerade häufigen Besetzung eine Symbiose des Zusammenspiels, die immer wieder in höchstes, beglücktes Erstaunen versetzt. Wunderbare Musikalität!

Sofia Gubaidulina: Am Rande des Abgrunds; De Profundis; Quaternion; In Croce.
Julius Berger, Cello; Stefan Hussong, Akkordeon; Sofia Gubaidulina, Aquaphon; sechs weitere Cellisten.
Wergo 6682 2

Sofia Gubaidulinas Kompositionen sind wohl gerade da am stärksten, wo sie die abseitige, dunkel eingefärbte Besetzung wählen (Am Rande des Abgrunds, mit sieben Violoncelli und zwei Aquaphonen). Hier kann die Musik aus tiefen Kluften der Seele hervortönen und sich entfalten zum Trost in der Trostlosigkeit, zur erfüllten Anklage, in die immer wieder auch surreale Momente eindringen. Eine CD, die das Wesen der Musik Gubaidulinas genau trifft.

Nikolai Roslavets: Klaviertrios Nr. 2– 4.
Trio Fontenay.
Teldec 8573-82017-2

Immer wieder hat sich das vorzügliche Trio Fontenay, um das es in letzter Zeit ein wenig stiller wurde, mit großem Erfolg für unbekanntere Komponisten der Musikliteratur eingesetzt. Der Ukrainer Nikolai Roslavets (1881 bis 1944) gehört zu ihnen. Er hatte in der jungen Sowjetunion einen hervorragenden Ruf, fiel dann aber mit dem Etikett des Formalisten versehen in Ungnade. Seine Musik ist geprägt von motivischer Dichte, von einer Fortsetzung der Brahms-Reger-Linie auf ganz eigene, klanglich romantisch warme Art. Die Ausgefeiltheit der musikalischen Arbeit ist stets spürbar. Konzentration und charakterliche Fülle bestimmen seine Kompositionen, die vom Trio Fontaney mit größter Anteilnahme gespielt werden.

Dmitry Borisovich Kabalevsky: Klavierkonzerte Nr. 1 und 2.
In-Ju Bang, Klavier; Russisches Philharmonisches Orchester, Dmitry Yablonsky.
Naxos 8.557683

Der in St. Petersburg geborene Kabalevsky (1904–1987), Zeitgenosse von Schostakowitsch, spielte im sowjetischen Musikleben eine führende Rolle. Seine Musik wurde anerkannt und häufig gespielt, was vor allem auf die plastische melodische Erfindungsgabe, die sich ein wenig an Prokofieff orientiert, zurückzuführen ist. Es ist eine im Spielerischen kraftvolle Musik, die von der koreanischen Pianistin In-Ju Bang etwas zu pauschal vorgetragen wird.

Galina Ustwolskaja: Klaviersonaten 4 und 5; Earle Brown: Folio.
Manon-Liu Winter, Klavier.
ein klang records 020

Die in Wien geborene und lebende Pianistin Manon-Liu Winter erweist sich hier als außerordentlich ernsthafte, mit der Ästhetik der Stücke bestens vertraute Musikerin. So geraten Ustwolskajas Sonaten hart und unerbittlich, ohne dass aber dem desolaten Ausdruck die Struktur der Arbeiten geopfert würden (was bei manch anderen Interpreten der Fall ist). Dieser dezidierte Gestus findet in den Darstellungen der halbgraphischen Blätter von Earle Brown eine erfüllt sprechende Fortsetzung.

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