Kurz vorgestellt

CDs


(nmz) -
Ein Artikel von Reinhard Schulz

Heinrich Schütz/György Kurtág: Die sieben Worte; Olivier Messiaen: Visions de l’Amen; Andreas Grau, Götz Schumacher, Klavier
col legno WWE 1CD 20105

Wieder eine dieser wunderbar tiefen und einfühlenden Bearbeitungen von György Kurtág, in denen alte Musik, ohne dass große Veränderungen vorgenommen würden, auf einmal völlig neuartig, wie von einem Licht aus anderer Welt beleuchtet, aufscheint. Die Kurtágs spielen das hinreißend! Aber unter den heutigen Klavierduos sind es Grau/Schumacher, die den kompositorischen Intentionen am nächsten kommen. Neben diesen schlichten Gebilden dann die exorbitante Leuchtkraft der „Visions de l’Amen“ von Messiaen. Großartig!

Tigran Mansurian: Streichquartette 1 und 2, Testament; Rosamunde Quartett
ECM 1905 (476 3052)

Vergleicht man mit Silvestrov, Terterjan oder auch Kantscheli, dann wirken Tigran Mansurians (geb. 1939) Kompositionen um einiges traditioneller oder eingebundener in den Kanon der europäischen Tradition. Die Quartette sind karg und streng linear geführt, sie suchen immer wieder das melodische Espressivo. Die Abgeklärtheit des Loslassens wird man eher vermissen. Schlichter als Bartók oder Schostakowitsch, gehen sie kaum über deren kompositionstechnischen Stand hinaus. Alles in allem ein wenig enttäuschend.

Tobias PM Schneid: Prelude I; weird scenes inside the mirror cage; Vertical Horizon I; umbrellas & sewing machines; I’m dancing on the edge of time II; the lonely monk’s reflections
musikFabrik, Peter Rundel

Die irgendwo glatt wirkende, gleichwohl immer nervig aufgeriebene und technisch grandios durchgestaltete Musik von Tobias PM Schneid führt den Hörer immer wieder in Räume, in denen Lichteinfall, Spiegel und elegant gewähltes Interieur für einen ins Surreale schweifenden Hyperrealismus sorgen. Alle Gestalten sind klar, wie hervorgemeißelt, aber ihre Beziehungen zueinander, ihr Verhältnis zur vergehenden Zeit bleiben rätselhaft. Es ist, als sei eine Linse mit Überschärfe vorgespannt. Das so Gesehene, beziehungsweise Gehörte schlägt in Bann.

Adriana Hölszky: Karawane; Vampirabile; Klaviatur der Mythen; Percussions Ensemble Stuttgart, Stuttgarter Philharmoniker, Jörg-Peter Weigle
Neuklang NCD 4007

Das Percussions Ensemble Stuttgart (maßgeblich in allen drei Kompositionen) entwickelt die vielschichtig verzweigte, durch Ängste, Spukgestalten, flüsternde Geister und irrlichternde Drohungen schweifende Musik von Adriana Hölszky ganz direkt aus der Spannung der schlagtechnischen Gestaltung heraus. Diese Unmittelbarkeit steht der Musik gut an, ist sie doch selbst Nachzeichnung einer dringlichen Botschaftsübermittlung, die den Hörer ganz unmittelbar umfängt und in Beschlag nimmt. Vergessen sind struktureller Überbau und klangtheoretische Erwägungen. Wir stehen mitten im Leben, umlagert von fremden Kräften.

Aulis Sallinen: Barabbas Dialogues. Ensemble, Ralf Gothoni, Klavier und Leitung
cpo 777 077-2

Der Finne Aulis Sallinen, 1935 geboren, pflegt einen neotonal expressiven Stil mit klarer Kontur und sprechender Diktion. Ein Kammeroratorium – so wäre dieses knapp einstündige Stück wohl am treffendsten zu bezeichnen – mit einem außergewöhnlichen Sujet: die Gestalt von Barabbas, die erste, der der Kreuztod Jesu Christi das Leben rettete. Eine innige Musik.

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