Mehr Musik in der Schule

Das Projekt „Musicteach“ in Brandenburg


(nmz) -
„Mehr Musik in der Schule“ fordert der Deutsche Musikrat aktuell aufgrund der besorgniserregenden Ergebnisse der Studie „Musikunterricht in der Grundschule – Aktuelle Situation und Perspektive“.
Ein Artikel von nmz-red

Die Daten verweisen auf ein bundesweit düsteres Szenario für die derzeitige und künftige Versorgung von Schülerinnen und Schülern mit einem von ausgebildeten Fachlehrkräften erteilten Musikunterricht, wenn er nicht aufgrund von Fachlehrkräftemangel gleich ganz ausfällt. Daran könnte sich zumindest im Land Brandenburg in naher Zukunft etwas ändern. Hier starteten Mitte Februar 2021 am Potsdamer WiB e.V., einem An-Institut der Universität Potsdam, zwei vom Land Brandenburg als berufsqualifizierend anerkannte Musikstudiengänge (Musik Primar und Musik Sek. I), die sich zuvor durch eine umfassende Eignungsprüfung qualifiziert hatten. Die Studiengänge laufen über 1,5 (Primar) beziehungsweise 2 Jahre (Sek. I) und richten sich an interessierte Lehrkräfte, die bereits als Quer- bzw. Seiteneinsteiger in der Schule fachfremd Musik oder andere Fächer unterrichten. Sie stehen aber auch Interessierten offen, die noch nicht im Lehramt tätig sind, sich jedoch weiterbilden möchten. Beide Studiengänge sind Teil des Projektes „Musicteach“, das Ende 2019 unter dem Dach des Musikrates Brandenburg gegründet wurde und sich zum Ziel gesetzt hat, über mehrere Projektsäulen die Stellung und die Anerkennung sowie die fachliche Expertise von Musiklehrerinnen und Musiklehrern und interessierten Lehrerinnen und Lehrern im Rahmen von Fort- und Weiterbildungen an Allgemeinbildenden Schulen in Brandenburg zu stärken.

Das Projekt „Musicteach“ knüpft an die mehrjährigen Bemühungen des Landesmusikrates Brandenburg an, einen Schwerpunkt seiner inhaltlichen und politischen Arbeit verstärkt auf die Qualität und Gewährleistung Musikalischer Bildung für alle Kinder und Jugendlichen zu legen. Das Projekt, das sich insbesondere an Schwerpunkten Musikalischer Bildung in der Allgemeinbildenden Schule orientiert, fokussiert sich insbesondere auf eine akademisch ausgerichtete Kompetenzvermittlung, umfasst jedoch auch eine künstlerische Ausbildung.

Im Projekt „Musicteach“ werden neben den beiden Musikstudiengängen weitere Veranstaltungsformate realisiert, die unter anderem vom WiB. e.V. Potsdam, dem Lehrstuhlbereich Musikpädagogik und Musikdidaktik der Universität Potsdam , dem BMU-Landesverband Brandenburg sowie vom Ministerium für Bildung, Jugend und Sport Brandenburg finanziell und fachlich unterstützt und mit organisiert werden. So werden musikbezogene Studieninhalte auch in andere Studiengänge und Fortbildungsangebote des WiB e.V. integriert, wobei die Schwerpunkte aktuell in der Sonderpädagogik (Förderschwerpunkt „sozial-emotionale Entwicklung“ und Förderschwerpunkt „Sprache“) liegen. Hier wurden seit 2019 unter der Organisation des WiB e.V. in Potsdam und in Berlin von drei Musicteach-Dozentinnen mehrere ganztägige Weiterbildungsveranstaltungen mit insgesamt knapp 300 Teilnehmenden zu den Themen „Sprachförderung mit Musik“, „Musik in der Sozialen Arbeit“, „Inklusion“ und „Interdisziplinäres ästhetisches Arbeiten“ durchgeführt. Das Verständnis von Musikarbeit in sonderpädagogischen Kontexten konnte im Rahmen dieser Fortbildung nachhaltig gestärkt werden. Aufgrund dieses nachweislichen Erfolgs ist zu hoffen, dass das Bildungsministerium des Landes Brandenburg die dramatische Situation der schulischen musikalischen Bildung dahingehend weiter entschärft, dass allen Interessierten ein kostenfreier Zugang zu den Studien- und Weiterbildungsangeboten des WiB e.V. ermöglicht wird. Damit könnte künftig nicht nur so viel Musik wie möglich in die Schule kommen, sondern auch so professionell wie möglich.

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