Mehr Musiklehrerkräfte für die Schulen

Die Hochschule für Musik Detmold gestaltet einen Zertifikatskurs der Bezirksregierung mit


(nmz) -
An deutschen Schulen herrscht Lehrkräftemangel im Fach Musik. Es wird zu wenig unterrichtet und häufig von nicht ausgebildeten Lehrkräften. Das zeigt die erste bundesweite Auswertung von Daten zum Musikunterricht in Deutschland, die 2020 durch den Deutschen Musikrat, die Konferenz der Landesmusikräte und die Bertelsmann Stiftung in Auftrag gegeben wurde. Das Ergebnis ist frappierend: Von 40.000 benötigten Stellen fehlen 23.000. Ein kurzfristiger Lösungsansatz ist eine Nachqualifizierung von Lehrkräften. Diese Begleitung des Quereinstiegs findet derzeit in Detmold statt.
Ein Artikel von Friedrich von Plettenberg

Eigentlich wollte sie immer Musik studieren, erzählt Vera Lausmann (50), nur war ihr diese Fächerkombination im Studium zu zeitintensiv. „An unserer Schule gibt es zu wenig Musiklehrkräfte“, sagt ihre Kollegin Tanja Töws (36).

Beide unterrichten als Lehrerinnen an einer Städtischen Sekundarschule und sind Teilnehmerinnen des einjährigen Zertifikatskurses Musik Sekundarstufe I („Z-Kurs“), den die Bezirksregierung Detmold gemeinsam mit der Hochschule für Musik Detmold anbietet. Das Ziel: Interessierte Lehrerinnen und Lehrer zu motivieren, Musik zu unterrichten. Im Kursprogramm enthalten sind das Singen mit Gruppen, Liedbegleitung am Klavier, Improvisation oder auch das Musizieren mit Apps. Hinzu kommen Lehrplanarbeit sowie die Konzeption von Unterrichts­entwürfen. Die Einheit umfasst 38 Kurs­tage im Laufe des Schuljahres, deren erfolgreiche Teilnahme in das Zertifikat mit einfließt.

Die insgesamt 16 Teilnehmenden im Alter zwischen Anfang dreißig und Mitte fünfzig werden im Fortbildungsprozess individuell betreut. Die beiden Musiklehrkräfte Dr. Jasmin Naal-Glaßer und Stephan Kevekordes übernehmen die Moderation und sind für die Zeit der Kursbetreuung vom Unterricht freigestellt. Beide verfügen über Erfahrungen im Bereich der Erwachsenenbildung. „Ich möchte meine langjährigen Erfahrungen als Klavierlehrerin sowie aus dem Musikunterricht, der Chor- und Theaterarbeit auch mit Erwachsenen gerne weitergeben“, betont Naal-Glaßer. Ihr Kollege erlebte selbst in einem weiterbildenden Zertifikatskurs Sport, wie gewinnbringend diese Form der Lehrerfortbildung sein kann. „Und überhaupt ist dieser Kurs auch ein Mittel, um Ressourcen und Talente, die in der Pandemie nicht genutzt werden konnten, wieder ans Licht zu holen“, fügt Kevekordes hinzu.

Von Seiten der Bezirksregierung wird die Weiterbildungsmaßnahme verwaltet und finanziert. Steven Förster, Projektleiter und Mitarbeiter der Bezirksregierung, freut sich, dass das Angebot auf reges Interesse stößt: „Wir schreiben jedes Jahr sämtliche Schulleitungen in ganz OWL an und informieren über unsere Weiterbildungen.“ Förster war selbst lange Zeit Lehrer und ist nun zusammen mit drei Fachleitungen innerhalb der Bezirksregierung für das Thema „Lehrerfortbildung“ verantwortlich. „Im Bereich der musischen Bildung ist die HfM Detmold für die Lehrerfortbildung vor Ort ein idealer Partner“, unterstreicht Karsten Fahrenkamp, Leiter des Dezernats für Lehrerfortbildung an der Bezirksregierung Detmold. Denn hier liegt die fachliche Kompetenz an einem Ort gebündelt und die Teilnehmenden haben die Möglichkeit, qualifizierten Unterricht bei Dozent*innen der Hochschule zu erhalten.

Profitieren können die Teilnehmenden dabei von der aktiven Arbeit des Weiterbildungszentrums L3Musik der Hochschule für Musik Detmold. Dieses hatte bereits in der Vergangenheit Angebote aufgeführt, die der Weiterbildung von Lehrkräften dienten. Darin enthalten waren unter anderem Kurse zum richtigen Umgang mit der Stimme – Fähigkeiten, die man benötigt, wenn man pro Tag mehrere Stunden vor einer Klasse bestehen möchte. Durch ein zu erwerbendes Abschlusszertifikat im Rahmen des Kurses, das mehrere inhaltlich aufeinander abgestimmte Teildisziplinen zu einem Gesamtprogramm bündelt, bekommt diese Art der Weiterbildung durch die Zusammenarbeit mit der örtlichen Bezirksregierung einen institutionellen Rahmen.

„Durch diese Kooperation können wir die Sparte Lehrerfortbildung nachhaltig in unserem Weiterbildungsprogramm etablieren“, bestätigt Prof. Dr. Thomas Grosse, Hochschulrektor und Ideengeber von L3Musik. Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass dieses Modell ein Beispiel darstellt, wie Schulen, Hochschulen und die zuständigen Behörden sich aktiv zukünftigen Herausforderungen annehmen und mit Angeboten zu wichtigen Kooperationspartnern der Region werden. Quereinstiege in das Fach Musik werden nach verbindlichen Standards ausgebildet und helfen, die Qualität des Musikunterrichts nachhaltig zu sichern. Damit die Lücke der fehlenden Lehrkräfte nicht noch größer wird, muss aber etwas anderes Priorität erhalten: Das grundständige Studium Lehramt Musik muss an den deutschen Hochschulen deutlich gestärkt werden.

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