Mit Pauken und Trompeten

Musik an der Schule – über das Verschwinden eines Unterrichtsfachs (Teil 2, erster Teil: nmz 12/12-1/13, Seite 51)


(nmz) -
„Kerngeschäft“ M.I.N.T-Fächer versus „Erholungsfach“ Musik Hier treffen sich Lehrer, die sich, um sich selbst zu legitimieren, an den von außen an sie herangetragenen Begründungszusammenhängen orientieren, mit den Eltern, die, was politisch gewollt ist, Schule als Dienstleister sehen, in die man Kinder abschiebt, sie nach einigen Jahren gut erzogen und ausgebildet wieder abholt, und die dann fit für den Arbeitsmarkt sind. In dieser Elternwahrnehmung spielt Musik eine untergeordnete Rolle, eben als „Erholungsfach“ von den „harten Hauptfächern“.
Ein Artikel von Stefan Lindemann

„Kerngeschäft“ M.I.N.T-Fächer versus „Erholungsfach“ Musik

Hier treffen sich Lehrer, die sich, um  sich selbst zu legitimieren, an den von  außen an sie herangetragenen Begründungszusammenhängen orientieren,  mit den Eltern, die, was politisch gewollt ist, Schule als Dienstleister sehen, in die man Kinder abschiebt, sie nach einigen Jahren gut erzogen und ausgebildet wieder abholt, und die  dann fit für den Arbeitsmarkt sind. In  dieser Elternwahrnehmung spielt Musik eine untergeordnete Rolle, eben  als „Erholungsfach“ von den „harten  Hauptfächern“.

Da Schulen, ebenfalls politisch gewollt, zunehmend in einem Wettbewerb zueinander stehen, orientiert  man sich an den Marktgegebenheiten:  Verlangt wird das Abitur, das perfekt  auf die Berufslaufbahn vorbereitet und  möglichst „billig“ zu haben ist. Angeblich „unnütze“ Fächer wie Musik werden dann zunehmend gestrichen (in der  Wirtschaft nennt man ein solches Vorgehen „Konzentration auf das Kerngeschäft“).

Sich dieser Linie anzuschließen, indem man als Musiklehrer statt Unterricht Beschäftigungstherapie anbietet,  kommt einem fachlichen Selbstmord  gleich. Prof. Dr. Eckart Altenmüller hat  in der neuen musikzeitung (Ausgabe  April 2001, Seite 8) zu Recht darauf hingewiesen, dass Musik keine außermusikalische Legitimation benötige (wie sie  Prof. Dr. Bastian mit seiner Studie letztlich indirekt wieder bereithält). Musikunterricht kann in der Verknüpfung von  kreativer Tätigkeit und strukturell-analytischem Durchdenken eine wertvolle  Bereicherung menschlicher Existenz außerhalb ökonomistischer Notwendigkeiten sein. Ich rede keiner Theoriefixierung das Wort: Man kann Musik  auch mit Theorie zukleistern und das  (bewusste!) Staunen verlernen. Aber: Präzise Begriffe sind die Grundlage eines sinnvollen theoretischen Ansatzes. Deren Aneignung ist mit Arbeit  verbunden, vor der so manche Hochschullehrkaft, so mancher Studierende und späterer Pädagoge anscheinend  zurückscheut.

Nur über diese anstrengende Aneignung von theoretischem Fachwissen  in seiner vielfältigen Verknüpfung zur  Praxis wäre eine Qualitätssteigerung  des Musikunterrichtes möglich. Nur so  könnte der schleichenden Entwertung  des Faches begegnet werden. In jedem  Fach gibt es einen harten Kern, ein  fachliches Substrat, das schlichtweg  gelernt werden muss. Daran kommen  – Spaß hin, Event her – auch Schüler  nicht vorbei. Und genau dieser Arbeit  sollte in den Schulen und Hochschulen mehr Aufmerksamkeit gewidmet  werden.

Am Ende sollte für Schüler und Lehrkräfte der Spaß an der Musik im Sinne  der Eingangsforderung eines qualitativen Umgangs mit ihr auf der Grundlage der eigenen fachlichen Kompetenz  entstehen, anstatt diesen Kompetenzerwerb zu verweigern. Eine gleichwertige  Verknüpfung von Theorie und Praxis  sollte angestrebt werden, statt weitere  Vorurteile zu produzieren.

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