Mit Paul Rolland von Beginn an mehrstimmig

Zum Streicherklassen-Konzept von Ute Adler und Martin Müller Schmied im Helbling Verlag


(nmz) -
Aus dem Helbling-Verlag liegt ein weiteres Werk für den Streicherklassenunterricht vor. Als eine von vielen möglichen Varianten des „Lernens durch Handeln“ erfreut dieser sich nach wie vor steigender Beliebtheit und Verbreitung. Mit „Streicherklasse“ geben Adler und Müller Schmied ihren Schülerinnen und Schülern ein abwechslungsreiches Repertoire an Spielstücken, Anleitungen zum instrumentalen Arbeiten zu Hause sowie Querverweise zu Musikgeschichte und Musiktheorie.
Ein Artikel von Regine Schultz-Greiner

Im Lehrerband „Leitfaden Streicherklasse“ erhalten Unterrichtende selbstverständlich eine Synopse über die jeweiligen Varianten der Schülerstimmhefte. Daneben sehen wir ein Kapitel mit Hinweisen zur Neugründung einer Streicherklasse in Kooperation von allgemeinbildender und Musikschule und den unterschiedlichen denkbaren praktischen Umsetzungen in der Stundentafel.

Die Ausführungen der Autoren zur Durchführung des Unterrichts gelten zunächst den methodischen Grundlagen, die sich sehr eng an Paul Rolland und seinen fünf Leitsätzen orientieren. Weiter gibt es detaillierte Hinweise – auch auf beiliegender DVD – zu jeder Übung und den einzelnen Spielstücken des Schülerhefts.

Von Beginn an – es muss besonders auch im Vergleich mit anderen Schulwerken zum Thema hervorgehoben werden – sind dies erfreulicherweise mehrstimmige Sätze. In den ersten Stunden werden zwei oder vier Stimmen auf leeren Saiten zur Klavierbegleitung, später Kanons gespielt und selbständige Melodien gegeneinander gesetzt. Stilistisch bewegt sich die Klasse damit zwischen klassischen Themen, Liedern aus unterschiedlichen meist europäischen Traditionen, neu komponierten Liedern mit deutlich pädagogisierendem Text und schließlich auch vorsichtigen Anklängen an Blues und Rock. Diese Vielfalt dürfte groß genug sein, um den Geschmack möglichst vieler Gruppen zu treffen und ihr Interesse zu erwecken. Hilfreich: Unterschiedliche Lerntempi der Gruppenmitglieder können durch ergänzende schwierigere oder erleichterte Stimmen aufgefangen werden. Etwas unklar scheint der Bezug zum allgemeinbildenden Musikunterricht, dem mit kurzen Hinweisen Rechnung getragen werden soll. Diese bleiben jedoch, ihrer Kürze geschuldet, ohne Zusammenhang und erscheinen willkürlich ausgewählt.

Eindeutig steht die instrumentale Ausbildung im Vordergrund des Schulwerks. Ihr gelten die ausführlichen Hinweise in den Schülerbänden und die methodischen Ausführungen des Lehrerbandes. Hierbei wird der Vorentlastung aller neuen Techniken Rechnung getragen und dadurch eine lernpsychologisch sinnvolle Verteilung der Themen auf mehrere Unterrichteinheiten unterstützt. Als freilich Rolland vor fast 50 Jahren für sein Werk zum Violinunterricht in Fachkreisen weltberühmt und bewundert wurde, geschah dies vor allem, weil er – für seine Zeitgenossen sensationell neu – schwierige Spieltechniken der linken und rechten Hand parallel unterrichtete, weil sie einem ähnlichen Bewegungsmuster folgend auch ähnlich vermittelt werden können und sollten. Diesem Grundsatz folgen die Autoren leider nicht in allen Punkten. Sehr deutlich wird dagegen die Ableitung von Spielbewegungen aus Alltagsbewegungen, unterstützt durch hervorragende, instruktive Fotos.

  • Ute Adler & Martin Müller Schmied: Leitfaden Streicherklasse. Ein Praxisbuch für das erfolgreiche Unterrichten mit Streichinstrumenten in Klasse 5 und 6. Lehrerband mit Partitur und methodischem Kommentar, Klavierbegleitung, Schülerhefte Vl., Vla., Vc., Kb, inkl. DVD-ROM. Helbling, S7714
      

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