Mit traumwandlerischer Sicherheit durch die Klanggirlanden

Ein Dialogkonzert zum 100. Todestag von Claude Debussy


(nmz) -
Die Veranstaltungsreihe der Dialogkonzerte geht zurück auf die Initiative der Musikwissenschaftlerin Dr. Kadja Grönke. Im gemeinsamen Dialog zwischen Interpreten, Komponisten und musikwissenschaftlichen Fragestellungen wurden dem Publikum einzelne Kompositionen erörtert, kurz analysiert und vorgestellt.
Ein Artikel von Christoph Keller

Im vollbesetzten Konzertsalon des Hauses Piano-Rosenkranz stellte Kadja Grönke gemeinsam mit dem Pianisten Werner Barho Klaviermusik von Claude Debussy, anlässlich seines 100. Todestages, und weiterer Zeitgenossen des  Komponisten vor. „Bei der Klangmalerei des Impressionismus oszillieren und changieren die Harmonien, wie die Farben in der Malerei, zu Mixturklängen und Klangrückungen.“ So führte Kadja Grönke geschickt in Debussys Klangwelt anhand des Prélude „La cathédrale engloutie“ ein. Sie wies auf die archaischen Akkordrückungen der organalen Quarten und Quinten hin, welche ein Abbild des ersten mehrstimmigen Chorgesanges sind, zudem auf die Imitation von Glockenklängen, die zum Teil durch stumm gehaltene Tasten aus dem Akkordsatz ausgefiltert werden können.

Pianist Werner Barho spielte sechs Préludes und drei „Images“ von Debussy. Auf dem wohlklingenden Steinway-Flügel von 1917 mit leichtem Tas­tenanschlag, aber ungewohnter Repetitionsmechanik, erklangen beeindruckende Bilder des Windes, Nebels oder Mondscheins. Das Ineinanderfließen der Klänge zu immer wieder überraschenden Akkordmixturen gelang ihm hervorragend, genauso wie die geheimnisvolle und zart durchleuchtete Klang­aura der Wasserwesen bei „Ondine“.

Beim zweiten Heft der „Images“ perlten pentatonische Skalen und Ganztonleitern zu Bildern von Glocken, Mond und Tempeln. Barhos virtuoses Spiel führte mit traumwandlerischer Sicherheit durch die schillernden Klanggirlanden und vibrierenden Tremoli. Mit  starken dynamischen Kontrasten gelangen ihm fulminante orchestrale Wirkungen. Seine Pedalbehandlung ließ das für den Impressionismus charakteristische Verschmelzen der einzelnen Klangschichten bestens hören.

Zudem gab es einzelne Werke von Weggefährten Debussys: Von Lili Boulanger ein elegantes Charakterstück „Cortège“, von Francis Poulenc einen  spielerisch-vergnügten Walzer und von Maurice Ravel das mit perkussiven Tanzrhythmen gestaltete „Alborada del gracioso“ aus seinen „Miroirs“ von 1905, passend platziert zu dem ähnlich angelegten, ein Jahr zuvor komponierten „Masques“ von Claude Debussy.

In Olivier Messiaens „Première communion de la Vierge“ von 1944 war mit der beschwörenden ostinaten Motivik und den freitonalen Klangornamenten ein faszinierendes Charakterstück der Komponistengeneration nach Debussy zu erleben, diesen in eine eigenständige avancierte Klangwelt weiterführend.

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