Motivation, Intention und soziale Dynamik

Musikschul-Symposium in Kooperation mit der Hochschule für Musik und Theater München


(nmz) -
Das 1. Musikschul-Symposium in Ko­operation des VBSM mit der Hochschule für Musik und Theater München (HMTM) findet vom 8. bis 9. November 2019 in der Kreismusikschule Erding statt. Unter dem Titel „Motivation, Intention und soziale Dynamik“ sind an zwei Tagen praxisorientierte Workshops und Vorträge rund um das spannende Berufsfeld der Musikschularbeit geplant. Schwerpunkte werden unter anderem sein: Begeisternder Unterricht in der Praxis, Gesellschaft-Musik-Musikschule, Umfassende Angebote, Gruppen- und Ensemblearbeit sowie Breitenwirkung und Spitzenförderung. Intention kann hierbei durchaus als selbstreflexive Komponente der Lehrenden verstanden werden, die Absicht und ihre Umsetzung immer wieder zu prüfen, gegebenenfalls zu verändern. Motivation steht für Sinnerfüllung. Soziale Dynamik soll die Musik als gestaltende Kraft in der Gesellschaft beschreiben.
Ein Artikel von N.N. [vbsm]

Peter Hackel, VBSM-Fachberater für Lehren im Netzwerk Musikschule, hat als Initiator des Symposiums zusammen mit Prof. Dr. Adina Mornell, Studiendekanin für Instrumental- und Gesangspädagogik an der HMTM ein Programm zusammengestellt, das neben neuen Impulsen vor allem auch für den Austausch zwischen Lehrkräften, Studierenden und Schul­leiter/-innen – über Institutionen hinweg – sorgen soll. In seiner Tätigkeit als VBSM-Fachberater ist Peter Hackel in den letzten Jahren bei Aktionstagen und Fortbildungen mit Freude auf verstärktes Interesse an Zusammenarbeit und Austausch gestoßen und sieht eine – für ihn positive – Tendenz: Weg vom klassischen Einzelkämpfertum, hin zur Arbeit im Team. Konzeption und Umsetzung von Musikschul-Angeboten in Kooperation mit Grundschulen sind dabei regelmäßig ein herausforderndes Thema. Prof. Dr. Peter Röbke, Leiter des Instituts für Musikpädagogik an der Universität für Musik und darstellende Kunst in Wien wird dies in seiner Keynote „Von Pachelbel bis Hänschen Klein – komplexes Musizieren von Anfang an“ fokussiert betrachten. Wenn Kooperationen erfolgreich sein sollen, reicht ein einfaches Exportieren des üblichen Unterrichts an der Musikschule in Richtung allgemeinbildende Schule nicht aus: Heterogenität und große Gruppen können als Potenzial erkannt und musikalische Erwartungen der Kinder genutzt werden, um ein instrumentales Lernerlebnis mit hoher Qualität zu erreichen.

Michelle O’Reilly, erfahrene Pädagogin im Bereich Streicherklassen, widmet ihren Workshop in diesem Kontext der eigenen Praxis und den damit verbundenen Gelingensfaktoren. Peter Hackel präsentiert sein erprobtes Konzept „Gitarre/Musik, JETZT“. In ihrem Beitrag „Selbstbestimmtes Üben vom Automatismus zur Autonomie“ stellt Prof. Dr. Adina Mornell Ergebnisse mehrerer aktueller Studien vor, für die Praxis Lehrender und Schüler/-innen gleichermaßen interessant, die die positiven Aspekte der Selbstregulation oder intrinsischen Motivation beleuchten. Die Analyse vieler Videos von Übenden hat gezeigt, dass diese Faktoren der einseitigen, mechanischen Wiederholung und Fehlervermeidung deutlich überlegen sind. Gelebte soziale Dynamik über Grenzen hinweg thematisiert Markus Lentz in „International Musical Friendship – der Schönheit in allem folgen“. Markus Lentz, 1. Vorsitzender des VBSM, veranstaltet mit dem Verein „International Musical Friendship“ seit 25 Jahren Sommercamps mit Jugendlichen aus verschiedenen Ländern und ist begeistert von der Motivation, die dabei durch das gemeinsame Musizieren entsteht. Kulturelle Vielfalt in Ensembles, das Zusammenwirken unterschiedlicher Altersklassen – von der elfjährigen Musikschülerin bis zum zwanzigjährigen, internationalen Preisträger – erzeuge Neugier, die Begrenzungen überwinde, so Lentz, der auch als Leiter der Musikschule Grünwald vom Angebot vielfältiger Ensembleworkshops (neben dem reinen Instrumentalunterricht) überzeugt ist. Gerade die Möglichkeiten von Musikschulen in der Zusammenarbeit ihrer Schüler/-innen und Lehrenden in diesem Bereich sind eine klare Stärke, wenn sie bewusst und mit Leidenschaft entwickelt werden.

Den herausfordernden Fragen der Musikschulentwicklung stellen sich Friedrich-Koh Dolge, Vorsitzender des Landesverbandes der Musikschulen in Baden-Württemberg und Direktor der Musikschule Stuttgart, sowie Peter Pfaff, VBSM-Fachberater für Zusammenarbeit von Musikschulen mit Kindertagesstätten. In diesem Zusammenhang wird es auch um die Auswirkungen und Chancen der Digitalisierung gehen, die Dirk Olbrich in seinem Workshop „Arbeit mit iPad & Co“ ganz pragmatisch und niederschwellig in Angriff nehmen will. Wie man Rhythmus frisch und lebendig vermitteln kann, steht bei Prof. Dr. Andrea Sangiorgio, Studiendekan EMP, und Wolfram Winkel, Lehrer an der HMTM, im Zentrum.

Die Potsdamer Erklärung des VdM im Mai 2014 stand unter dem Titel „Musikschule im Wandel, Inklusion als Chance“: Hier wird mit Robert Wagner ein Pionier, der Inklusion an der von ihm geleiteten Musikschule Fürth seit vielen Jahren erfolgreich lebt, seine Methode „Max Einfach, Musik gemeinsam von Anfang an“ vorstellen. Markus Adam plant, lebendige Einblicke in das Gebiet „Musik im Alter“ zu gewähren. Neben der Erarbeitung einer möglichst passenden und umfassenden Angebotspalette der Musikschulen, stellt sich zunehmend die Frage nach der Balance von Breitenwirkung und Spitzenförderung. Überlegungen dazu möchte Prof. Dr. Silke Lehmann vom Institut für Musik der Hochschule Osnabrück in „Zwischen Breitenförderung und Begabtenauslese: Musikpädagogik als Antwort auf die Existenz von Unterschieden“ einbringen. Eine offene Probe mit dem von Ulli Büsel geleiteten preisgekrönten Ensemble „Violinissimo“ soll darüber hinaus zeigen, wie Arbeit auf hohem künstlerischen Niveau möglich ist. VBSM-Fortbildungsreferentin Brigitte Riskowski ist sich sicher, dass das Symposium eine gute Gelegenheit zur Vernetzung bieten wird und ergänzt: „Die Musikschularbeit aus vielerlei Blickwinkeln zu betrachten und sich darüber auszutauschen, wird sicher sehr motivierend für alle Beteiligten sein.“

Weitere Informationen mit allen Workshops/Vorträgen, Zeitablauf, Anmeldung, Möglichkeiten der ermäßigten Gruppenbuchung et cetera  gibt es online: www.musikschul-symposium.info

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