Multiplikation statt Fachkräftemangel

„Kinder.Chor.Stimme“– ein berufsbegleitender Lehrgang für Kinder- und Jugendchorleitung


(nmz) -
Eine günstigere Zeit wäre kaum vorstellbar. Allenthalben wird wieder gesungen. Und mehr noch: Das Singen wir regelrecht eingefordert. Zumal das Singen mit Kindern. Eltern verlangen Angebote für ihre Kinder. Erzieherinnen und Grundschullehrkräfte hungern nach Fortbildungen. Fachleute beschwören seine Bedeutung für die frühkindliche Entwicklung. Wissenschaftler messen die Ausschüttung von Glückshormonen, Logopäden empfehlen es für die Sprachentwicklung, Pädagogen wissen um seinen positiven Einfluss auf den Spracherwerb. Die Kinder wussten das intuitiv schon immer, nur hat man ihrer ursprünglichen Freude am Singen lange Zeit nicht vertraut. Nun aber soll das Singen als natürlichste Musizierpraxis wieder fester und selbstverständlicher Teil von Familie, Kindergarten, Schule, Gesellschaft, Leben werden. Das Singen mit Kindern ist zukunftsträchtig wie kaum ein anderer Bereich. Hier zu investieren ist nicht nur geboten, sondern auch angesagt.
Ein Artikel von Christina Hollmann, Markus Lüdke

Allein – es fehlen die Fachkräfte! Zwar wachsen erfreulicherweise die Initiativen zur Singförderung, entstehen Kurs- und Workshopangebote ebenso wie neue Liederbücher und Medien, und die Zahl der Kinderchöre steigt stetig. Noch aber halten die vielfältigen Bemühungen nicht Schritt mit der ständig wachsenden Nachfrage. Schon heute birgt der neu und rasch entstandene „Markt“ die Gefahr einer Unübersichtlichkeit. Denn längst nicht jedes Angebot ist zugleich auch mit Qualität verbunden.

Um diese durchzusetzen, fehlt es zuerst an den Fachleuten, die direkt mit den Kindern arbeiten und diese qualifiziert ans Singen heranführen. Noch mehr fehlt es vielleicht an sog. Multiplikatoren – solchen also, die selber über ausreichende Erfahrungen im Singen mit Kindern verfügen, diese dann aber auch an andere vermitteln können. Mit ihrem Einsatz multiplizieren sich die Bemühungen. Das macht sie so wertvoll und effizient. 

Einhellige Antwort

„Kinder.Chor.Stimme“ – so lautet die einhellige Antwort der beiden Bundesakademien in Trossingen und Wolfenbüttel auf diese komplexen Aufgaben- und Fragestellungen. Denn angesichts des weithin beklagten aktuellen Mangels an Fachkräften tut Fortbildung Not. Im Sinne ihres ureigenen Auftrags haben die beiden Akademien – mit vereinter Kompetenz – ein gemeinsames Weiterbildungs- und Qualifizierungsangebot konzipiert. Der berufsbegleitende Lehrgang „Kinder.Chor.Stimme“ führt zum einen die Arbeit der C-Kurse für Kinderchorleitung fort und bildet als B-Lehrgang die zugleich umfangreichste, aber auch höchste Qualifizierungsstufe außerhalb einer Hochschule. Aufbauend werden hier neben dem „Handwerk“ der Sing- und Kinderchorleitung insbesondere die Vermittlung, Interpretation und künstlerische Gestaltung von Kinderchormusik unter Einbeziehung der Kinderstimmbildung unterrichtet.

Zum Lehrgang „Kinder.Chor.Stimme“ sind Kinderchorleiter/-innen aus kirchlichen oder freien Einrichtungen, aus Musikschulen und Verbänden ebenso eingeladen wie Lehrkräfte aus Primar- und Sekundarstufe I – kurzum all jene, die sich schon jetzt für das Thema Singen mit Kindern begeistern. Gemeinsam mit Multiplikatoren aus dem gesamten Bundesgebiet wird es in sechs einwöchigen Phasen darum gehen, die fachlichen Kompetenzen auf der Grundlage der je eigenen Erfahrungen zu aktualisieren, diese weiter zu entwickeln und zu vertiefen.

Lehr- und Lerninhalte 

Die Unterrichtsinhalte sind ganzheitlich, das heißt, als sich wechselseitig ergänzende Aspekte angelegt: der Erschließung und Vermittlung von Musik an Kinder über das Singen. Insbesondere werden die Fächer Musiktheorie, Tonsatz und Analyse nicht als von der Kinderchorpraxis losgelöste Regelwerke vorgestellt. Ihr Unterricht zielt vielmehr auf das Verstehen und Verinnerlichen musikalischer Zusammenhänge, deren Vermittlung schließlich selbst wieder musikpädagogische Aufgabe in einer nachhaltigen Kinderchorarbeit wird. 

Die „theoretischen“ Kenntnisse fließen in Probenvorbereitung und -methodik gleichermaßen ein wie auch gestische Singleitung und Dirigieren, Kinderstimmbildung und Gesang, Musik und Bewegung, Einbeziehung von Orff-Instrumentarium und Liedbegleitung, Gehörbildung und Blattsingen, Kommunikationstraining sowie Probenorganisation und –dramaturgie, Literaturkunde, Programmgestaltung und Kinderchormanagement. 

Die kreative, spielerische und experimentierfreudige Arbeit mit Kindern wird im Wissen um deren Entwicklung, Psychologie und Lebensbedingungen verankert.

Anbindung an die Praxis 

Die kinderchorpraktische Arbeit im Rahmen der Akademiephasen findet über verschiedene Kooperationen mit regionalen Singgruppen, Chorklassen, Kinder- und Schulchören sowie Jugendkantoreien statt. Daneben ermöglichen begleitende Aufgabenstellungen die Anwendung, Übung und Erprobung der Unterrichtsinhalte in der eigenen Kinderchorarbeit vor Ort.

Das Dozententeam 

Prof. Friederike Stahmer (Hannover), Andreas Cessak (Kassel), Gudrun Luise Gierszal (Berlin), Silke Hähnel-Hasselbach (Falkensee), Beate Stanko (Cloppenburg) sowie als Gäste Prof. Robert Göstl (Köln), Prof. Thomas Holland-Moritz (Osnabrück), Prof. Andreas Mohr (Osnabrück) und Prof. Werner Schepp (Essen) 

 Lehrgangsdaten 

Termine: 14.–18.11.2012 (1. Phase Wolfenbüttel), 20.–24.2.2013 (2. Phase Trossingen), 12.–16.6.2013 (3. Phase Wolfenbüttel), 16.–20.9.2013 (4. Phase Trossingen), 26.02.–02.03.2014 (5. Phase Wolfenbüttel), 15.09.–19.09.2014 (6. Phase/Prüfung Trossingen)

Anmeldeschluss: 12. Oktober 2012

Weitere Informationen zu diesem Lehrgang und weiteren Fortbildungsmöglichkeiten: 

Bundesakademie für musikalische Jugendbildung, Hugo-Herrmann-Str. 22, 78647 Trossingen, Telefon 07425/949 30, Telefax 07425/94 93 21, sekretariat@bundesakademie-trossingen.de

www.bundesakademie-trossingen.de 

Bundesakademie für kulturelle Bildung Wolfenbüttel, Schlossplatz 13, 38304 Wolfenbüttel, Telefon 05331/80 84 11, Telefax 05331/80 84 13 post@bundesakademie.de

www.bundesakademie.de 

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