Musik als wertvolle Basis an Schulen

Qualifizierungslehrgang SPRING an der Bayerischen Musikakademie Schloss Alteglofsheim


(nmz) -
In Anbetracht unverändert hoher Flüchtlingszahlen, die sich spätestens seit Sommer 2015 auch in den Klassen bayerischer Grund- und Mittelschulen bemerkbar machen und sich auf die pädagogische Arbeit auswirken, bietet die Universität Regensburg, Lehrstuhl für Musikpädagogik und Musikdidaktik, in Kooperation mit der Bayerischen Musikakademie Alteglofsheim einen zertifizierten Musik-Nachqualifizierungslehrgang an, der besonders für Grundschullehrkräfte geeignet ist. Unter dem Titel SPRING (SPRache lernen durch sINGen, Bewegung und Tanz) werden vor allem Lehrkräfte, die an bayerischen Grundschulen unterrichten (auch fachfremd unterrichtende Kolleginnen und Kollegen), in einer Aufbauqualifizierung die Gelegenheit haben, Kenntnisse im Fach Musik zu erwerben sowie ihre vorhandenen Fähig- und Fertigkeiten zu erweitern.
Ein Artikel von Joseph Wasswa

Bei SPRING handelt es sich um ein von den Bezirksregierungen Niederbayern und Oberpfalz gefördertes Weiterbildungsprogramm. Das Referententeam bringt den teilnehmenden Grundschullehrkräften Musik- und Sprachqualifizierungsmodelle näher, auch im Kontext „Deutsch als Zweitsprache“ (DaZ). Auf diese Weise werden sie auf die pädagogische Praxis in internationalen (Übergangs-)Klassen vorbereitet, eine Qualifikation, die den Anforderungen einer Kompetenzorientierung des LehrplanPLUS in besonderer Weise Rechnung trägt. Die Tagungsstätte in Alteglofsheim bietet hervorragende Arbeitsbedingungen, zum Beispiel im Hinblick auf die Qualität ihrer Räumlichkeiten, der Instrumente und der kulinarischen Versorgung.

Organisatorischer Rahmen

Das Qualifikationsmodell umfasst die Belegung von 4 Modulen und schließt mit einer Zertifizierung durch die Universität Regensburg ab. Die Module können über die Dauer von 1–2 Jahren aufbauend oder individuell variierend belegt werden. Vorgesehene Termine: 16.06., 05.07., 20.10., 08.11. und 16.11.2016 (Dauer jeweils 14 bis 21 Uhr) mit maximal 25 Teilnehmer/-innen pro Kurstag. Die Fortbildungsgebühren und Kosten der Tagungsstätte werden für alle teilnehmenden Lehrkräfte seitens der Regierungen von Niederbay-ern und der Oberpfalz übernommen. Weiterführende Informationen zu dem Weiterbildungsprogramm sind über die folgenden Internet-Adressen zu erfahren:

www.musikakademie.bayern/home oder www.magnus-gaul.de. Anmeldungen: info@musikakademie-alteglofsheim.de, über FIBS (https://fibs.alp.dillingen.de) oder telefonisch unter 09453/9931-0.

Die Inhalte

An den angebotenen fünf Kurstagen können jeweils zwei Module belegt werden, die den Notwendigkeiten in der pädagogischen Praxis Rechnung tragen. Modul 1 geht auf die Vermittlungsweisen und Vortragstechniken im Singen und Sprechen ein und thematisiert konkrete Bezüge zum Lehrplan „Deutsch als Zweitsprache“ (DaZ). Hier werden musikbezogen konkrete Wortformen, Einblicke in die Wortschatzbildung und den Satzbau behandelt, um sukzessive auf die Integration der Kinder in die Regelklasse vorzubereiten. Die Stärke der Einbeziehung musikdidaktischer Zugangsweisen liegt darin, dass in den internationalen Klassen frühzeitig die für die deutsche Sprache prägenden „Sprachmelodien“ vermittelt, Satzstrukturen aufgebaut und Besonderheiten in der Aussprache thematisiert werden können. Dabei muss betont werden, dass das Konzept SPRING nicht gleichzusetzen ist mit „Lieder singen zur Integration“. SPRING bietet eine wertvolle Ergänzung zu einem Sprachlehrgang, der sich nicht lexikalisch oder in seinem Schwerpunkt strukturell-grammatikalisch versteht, sondern kommunikativ-musikalische Aktionsformen nutzt, um die Begegnung mit der deutschen Sprache lebendig zu halten und variativ zu gestalten.

In Modul 2 werden internationale Verstehensprozesse in Bewegung und Tanz umgesetzt. Denn die Musik ist in der Lage, die Verständigung mit Hilfe körpersprachlicher Mittel zu unterstützen, Gestik und Mimik in die Ausdrucksformen einzubeziehen. Modul 3 erschließt bewährte Modelle der Liedbegleitung auf einem geeigneten Instrumentarium (Gitarre oder Orff-Instrumente) und zeigt Möglichkeiten, wie der Spracherwerb von der Lehrkraft musikbezogen unterstützt werden kann. Schließlich werden in Modul 4 Zugänge zum Hören und Gestalten im Form von Mitspielsätzen, Dialogen, Frage-und-Antwort- sowie Rollenspielen thematisiert und in Beziehung zu den Anregungen des DaZ-Lehrplans gesetzt. Gerade das Schaffen von Sprechanlässen zur Bewältigung elementarer kommunikativer Situationen kann durch Musik hervorragend begleitet werden. Einzelberatungen sowie das Eingehen auf individuelle Klassenraumsituationen vervollständigen die Qualifikation, die mit einem Zertifikat der Universität Regensburg abgeschlossen werden kann.

Herausforderungen annehmen

Deutschland ist seit Jahrzehnten ein Einwanderungsland. Durch den – aktuell zu verbuchenden – permanenten Zustrom internationaler Familien und die Aufnahme deren Kinder in Übergangsgruppen oder andere Grundschulklassen ist in der pädagogischen Praxis die Frage nach Handlungsmustern und nach Wegen der Vermittlung von Unterrichtsinhalten entstanden. Denn viele Kinder müssen zunächst grundlegende Kenntnisse der deutschen Sprache erwerben. Die Weiterbildungsinitiative SPRING sieht sich als Reaktion auf die Notwendigkeiten im pädagogischen Alltag. Denn Musik stellt in vielen Grundschulklassen eine wertvolle Basis bereit, um mit Kindern arbeiten zu können, um sie für sich zu gewinnen, um sie auf die Linie des zu lernenden Stoffes zu bringen. Sie ist das Hilfsmittel, das fast jedes Kind anspricht. Sie gestattet, vielfältig auf Personen zuzugehen, Empathie zu wecken, frühzeitig Sympathie, aber auch Antipathie zu erkennen. Gleichzeitig hilft sie, erfinderisch zu sein und kreativ mit dem Lerngegenstand umzugehen.

Einige Prinzipien wurden in der Entwicklungsphase der musikbezogenen sprachdidaktischen Module in Regensburger Übergangsklassen schnell deutlich. Zunächst sind die Unwägbarkeiten des pädagogischen Alltags gerade bei neu angekommenen Kindern in der Grundschule kaum planbar. Musik hilft in einer derartigen Situation, im Unterrichtsalltag anzukommen und Kommunikationsformen frei erproben zu können. Das zu erarbeitende Unterrichtsmaterial muss daher variative Zugangsformen erlauben und auf das freie Sprechen, den freien Ausdruck im Singen/Musizieren sowie auf die Entdeckung des ganzen Körpers für den (Sprach-)Rhythmus in Tanz und Bewegung abzielen. Die Module sind stark auf die Gruppe ausgerichtet und orientieren sich an lebenspraktischen Themen. Dies setzt voraus, dass Unterrichtsprozesse kommunikativ gehalten und lebendig vermittelt werden.

Ausblick

Gerade in den Grundschulen sind im Augenblick einschneidende Veränderungen – inhaltlich und strukturell – spürbar. Diese werden sich in naher Zukunft weiter zuspitzen. Um Lehrkräften die benötigten Kompetenzen zu vermitteln werden in Studium und Weiterbildung neue Ausbildungsschwerpunkte akzentuiert werden müssen, die mit dem Fach „Deutsch als Zweitsprache“ in Einklang stehen und von einer Orientierung an musikdidaktischen Prinzipien profitieren. Mehr als andere Medien zielt Musik auf das soziale Miteinander, auf Kommunikation ab und bietet daher eine besondere Basis für das Lernen und Verstehen der deutschen Sprache. SPRING versteht sich als wichtiges Bindeglied, um Sprachdidaktik effektiv zu gestalten und themenbezogene Wege der Integration musikbezogen aufzuzeigen. Der zertifizierte Lehrgang stellt einen gezielten Beitrag zur Sprachförderung dar, der aktuell mit dem Zuwanderungsstrom zahlreicher Flüchtlingskinder auch in Regelklassen eine besondere Notwendigkeit spüren lässt. Das Reizvolle an der musikalischen Einbindung sprachdidaktischer Strukturen ist die Tatsache, dass es Lehrkräften gelingen wird, ein positives Arbeitsklima in den Klassen zu verbreiten und den Kindern damit ein wichtiges Signal der Wertschätzung zu vermitteln. Geben wir den Lehrkräften das Zutrauen in die eigenen musikalischen Fähigkeiten und geben wir allen Kindern eine Heimat in Musik UND Sprache, damit sie sich in die Gesellschaft integriert fühlen dürfen. (siehe auch Artikel Seite 26!)

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