Musik wird Bewegung – Bewegung wird Klang

Osnabrücker Forscher untersuchen die Ausdruckskraft von Dirigierbewegungen – Teilnehmer für Online-Studie gesucht


(nmz) -
Am Institut für Musikwissenschaft und Musikpädagogik der Universität Osnabrück erforschen Dr. Vera Gehrs und Prof. Dr. Christoph Louven in einem Projekt das Bewegungsverhalten von Dirigenten.
Ein Artikel von nmz-red

Hierzu wurden die Dirigierbewegungen von fünf verschiedenen Dirigentinnen und Dirigenten des Instituts zu einem vorgegebenen Musikstück (Mozart, Kopfsatz der „Kleinen Nachtmusik“) mit einem 3D-Bewegungserfassungssystem (Motion Capture) aufgezeichnet. Erhoben wurden die Bewegungsdaten mit der Microsoft Kinect, einem kleinen Infrarot-Sensor-System, das ursprünglich zur Gestensteuerung für die Spielekonsole X-Box entwickelt wurde. Die von der Forschergruppe selbst entwickelte Software kinelyze wandelt die Daten in neutrale Strichmännchen-Darstellungen um und entfernt so potenzielle Einflussfaktoren wie Geschlecht, Alter oder Attraktivität des Dirigenten, um das ‚reine‘ Bewegungsverhalten wahrnehmbar zu machen. Die Forscher interessiert die Frage, welche Bedeutung das individuelle Bewegungsmuster und das nonverbale Kommunikationsverhalten dafür haben, wie die Dirigenten von anderen Menschen wahrgenommen werden.

In einer ersten Studie sollten Studierende des Osnabrücker Instituts den dirigierenden Strichmännchen die ihnen bekannten Personen zuordnen und außerdem angeben, wie sicher sie sich mit ihrer Zuordnung waren, und woran genau sie die Personen erkannt zu haben glaubten. Sie konnten dazu ein Video, in dem die fünf in der Körpergröße vereinheitlichten Strichmännchen in Frontalansicht nebeneinanderstehen und gleichzeitig dirigieren, beliebig oft anschauen.

Die Ergebnisse zeigen, dass die Personen überzufällig häufig richtig in den Bewegungen der Strichmännchen erkannt wurden. Dies spricht dafür, dass die charakteristischen Bewegungsmuster der Dirigenten auch in den reduzierten Darstellungen korrekt wiedergegeben werden.

Im Einzelfall hängt die richtige Zuordnung jedoch auch von der Bewegungsprägnanz des jeweiligen Strichmännchens und vom Bekanntheitsgrad einer Person als Dirigent ab. Am häufigsten richtig waren die Zuordnungen derjenigen Studierenden, die schon einmal unter einem Dirigenten gespielt oder bei ihm Dirigierunterricht hatten. Der intensive persönliche Kontakt spielt für die Klarheit des Bildes, das wir von einer Person haben – in diesem Fall des Bewegungsbildes als Dirigent –, eine entscheidende Rolle.

In einer derzeit laufenden Folgestudie wollen die Forscher nun detaillierter anhand zahlreicher Kriterien untersuchen, wie musikalisch, präzise, ausdrucksstark et cetera das Dirigat der einzelnen Strichmännchen wahrgenommen wird. Für die Teilnahme an der entsprechenden Online-Studie werden dabei vor allem Menschen mit eigener Dirigiererfahrung oder mit eigener Orchester- oder Chorerfahrung gesucht. Die Teilnahme dauert zirka 20 bis 30 Minuten.

Der Fragebogen ist über den folgenden Link erreichbar: www.soscisurvey.de/dirigentenverhal…

Das könnte Sie auch interessieren: